Blumen statt Bäume
Finale Pläne für Wohnhochhaus an der East Side Gallery in Berlin
Ursprünglich hatten nps tchoban voss für das Wohnhochhaus Living Levels an der East Side Gallery in Berlin eine waldartige Begrünung à la Bosco Verticale in Mailand vorgesehen. Bei der finalen Variante des Gebäudes, das gerade auf dem ehemaligen Todesstreifen direkt an der Spree zwischen Kreuzberg und Mitte emporwächst, haben sich die Investoren nun allerdings für eine sparsamere Variante entschieden: aus dem Bäumen wurden Blumen in Kübeln.
Auch sonst ist man nach den Auseinandersetzungen um die Versetzung eines Teils der East Side Gallery, in der sogar David Hasselhoff Position bezog, sichtlich um Bescheidenheit bemüht. Während früher vor allem von Luxus die Rede war, wird das Projekt nun in den Kontext der Stadtentwicklung eingereiht. In vielen Bezirken fehle es an hochwertigen Wohnhäusern mit innovativer Architektur zu einem bezahlbaren Preis, heißt es in der aktuellen Presseerklärung. Das klingt nicht nur nach dem Urban Living-Wettbewerb des Senats, fast meint man, hier ist die Rede vom viel geforderten neuen sozialen Wohnungsbau.
Etwas weniger zurückhaltend ist dagegen das Interieur der Musterwohnung, die der Investor gerade hat errichten lassen. Die „für Berlin einzigartige, an Design, Architektur, Umwelt und hoher Lebensqualität ausgerichtete Wohnphilosophie“ entpuppt sich hier als loungig-geschmäcklerische Gestaltung irgendwo zwischen Shisha-Café und Zaha Hadid. Natürlich darf da als Inbegriff eines luxuriösen Lebens auch die freistehenden Badewanne nicht fehlen, wie sie sich so ähnlich schon Bischof Tebartz-van Elst gegönnt hatte.
Bei Interesse sollte man sich allerdings vom Geschmack des Bauherren nicht abhalten lassen und lieber schnell handeln. Denn selbstverständlich stehen weitere Ausbauvarianten zur Verfügung, und noch gibt es in dem „60 Meter hohen Vorzeigeprojekt“ freie Wohnungen. Die Fertigstellung ist übrigens für 2015 geplant.
nun hat die verantwortliche immobiliengruppe, wie man fairerweise konstatieren muss, mal ein - meines wissens von Claus Neuman entworfenes - durchaus ganz anständiges haus in der linienstraße gebaut. was darauf schließen lässt, dass eine gewisse haltung zu einem projekt bei entsprechendem standing der entwerfenden kollegen, auch bis zum bauherrn durchdringen - könnte.
man fragt sich, wie die haltung der kollegen gegenüber ort und aufgabe hier zustandekommen ist.
- und dass sich diese wiederum beim geschäftsführer des entwicklers (der wie man dem spiegel vor einem jahr entnehmen konnte, immer noch mitglied bei der linken (!) sei) - durchsetzen konnte, führt wieder zur überschrift dieses kommentars.
Die Schoenheit der East-Side-Gallery kommt/kam ja nicht zuletzt daher, dass man die Mauer UMGEHEN kann/konnte. Jetzt stehe ich vor dem alten "Loch" in der Mauer, schaue wie zuvor hindurch - und zucke zurueck, weil ich glaube auf ein Privatgrundstueck zu schauen.
Fehlt nur noch der Schlagbaum.
die wissen halt was sich verkauft!