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30.07.2018

Neue Technik-Kathedrale

Fabrikgebäude in Osoppo von Studio Valle Architetti


Aus der Begeisterung für das industrielle Zeitalter heraus entstand in der Frühmoderne der Vergleich von Industriegebäuden mit Kathedralen. Heute wird diese Parallele – auch angesichts häufig architektonisch weniger ambitionierter Funktionsbauten – seltener gezogen. Doch die Architekten des norditalienischen Büros Studio Valle Architetti Associati (Udine/Mailand) kündigen ihr Fabrikgebäude für den Möbelhersteller Fantoni als „neue Kathedrale für den Fantoni Campus“ an. Tatsächlich verfügt der über 8.500 Quadratmeter große Neubau in Osoppo über eine besondere Präsenz.

Der im Jahr 2003 verstorbene Bürogründer Gino Valle pflegte eine enge, berufliche Beziehung zum Firmenpräsidenten Marco Fantoni: Alle Gebäude auf dem Industriecampus nördlich von Udine, vom Facilities Center aus den Jahren 1972–’73 bis zu den letzten Fabrikgebäuden von 2001, wurden von ihm erbaut. Der Neubau wurde nun vom Sohn Pietro Valle zusammen mit dem Architekten Roland Henning, dem Ingenieur Mario Gallinaro und dem Holzpressenhersteller Dieffenbacher entworfen.

Das neue Gebäude zur MDF-Herstellung ist 300 Meter lang und 28 Meter breit, der höchste Teil misst mehr als 50 Meter. Damit ist die Anlage die größte MDF-Presse Europas und die zweitgrößte weltweit. Innerhalb des langgestreckten Baukörpers gibt es Produktionsbereiche für die Sortierung der Fasern und die Aufbereitung der Platten, eine durchgängige Heißpresse, einen Bereich zur Entladung und Stapelung sowie Fließbänder zu den vorhandenen Lagerbereichen. Nicht nur die Lasten des Gebäudes, sondern auch die der technischen Anlagen werden vom statischen System abgetragen. Daneben gibt es im Inneren noch einen Gebäudeteil aus Beton, in dem Nebennutzungen untergebracht sind.

Auf den langen Gebäudeseiten saugen zwei Verteilerschächte Luft von außen an, um einen natürlichen Kreislauf an Strömungskühlung zu erzeugen: Die Abwärme der technischen Anlagen wird als heiße Luft über einen Schlot auf dem Dachfirst abgeführt. Das Gebäude und die technischen Anlagen wurden parallel erbaut –  eine komplexe Aufgabe, da der Entwurf graduell an die Anforderungen der industriellen Anlagen angepasst werden musste. Somit wurde das eigentliche Gebäude quasi im „Diskurs“ mit der Technik um die Anlage herum gebaut.

Die Fassade sollte daher auch keine diskrete Hülle werden, sondern nach Wunsch der Architekten ein selbstbewusstes Statement. Der Sockelbereich des Gebäudes besteht aus vorgefertigten Zementplatten, die von Wellblech abgeformt sind, um eine strukturierte Oberfläche zu erhalten. Daneben wurden geschlossene Metallpaneele und Streckmetallgitter verwendet, um einzelne Bereiche zu verkleiden, was die Großform des Gebäudes neben all den Schloten und Rohrleitungen klarer hervortreten lässt. (kh)

Fotos: Neva Gasparo, Adriano Ferrara





Zum Thema:

Das Fabrikgebäude Plaxil 8 auf www.baunetzwissen.de/gebäudetechnik.


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Die Anlage zur MDF-Herstellung misst 300 Meter in der Länge und 50 Meter in der Höhe

Die Anlage zur MDF-Herstellung misst 300 Meter in der Länge und 50 Meter in der Höhe

Teile des Gebäudes werden von einer Fassade aus Streckmetallgitter eingefasst

Teile des Gebäudes werden von einer Fassade aus Streckmetallgitter eingefasst

Die Rippen der Metallpaneele betonen die geschwungene Silhouette des Fabrikdachs

Die Rippen der Metallpaneele betonen die geschwungene Silhouette des Fabrikdachs

Die Sockelfassade wurden mit Zementplatten verkleidet

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