Dunkelrot in Dannenberg
Erweiterungsbau von Volker Staab fertig
Es scheint eine Art von „Bauen-im Bestand“-Woche im BauNetz zu werden: Am Sonntag war Tag des offenen Denkmals, gestern hatten wir die beiden Projekte Naturkundemuseum Berlin (Diener & Diener) und den Umbau der Lokremise in St. Gallen (Stürm & Wolf), die beide sehr unterschiedliche Positionen zum Umgang mit Bestehendem formulieren; die einen arbeiten mit kleinen, eher unscheinbaren Eingriffen, um neue Nutzung zu ermöglichen, die anderen setzen deutlich erkennbare Betonkopien in die erhaltenen Gebäudereste. Heute erreicht uns nun der Hinweis auf eine Fertigstellung von Volker Staab Architekten, die in Dannenberg ein bestehendes Ensemble klassischer Fachwerkbauten mit einem größtmöglichen Kontrast ergänzt haben.
In den Häusern mitten im mittelalterlichen Zentrum von Dannenberg hat der Textilverlag Nya Nordiska seinen Sitz, der bereits 1997 um zwei Neubauten erweiterte wurde. Nun kommen in insgesamt sechs Neubauten weitere 4.000 Quadratmeter hinzu, Volker Staab hatte sich mit seinem Entwurf 2008 in einem geladenen Wettbewerb gegen seine Kollegen von Grüntuch Ernst, J. Mayer H. und ASP durchsetzen können.
„Funktionale Klarheit und harmonische Integration in die Stadtsilhouette“ seien 2008 die entscheidenden Vorteile des Staab'schen Entwurfs gewesen, so schreibt es der Bauherr heute. Auch sei es den Architekten gelungen, in nur einem Jahr eine „präzise Ausführung“ abzuliefern „ohne das Budget zu überschreiten oder auf attraktive Detaillösungen zu verzichten.“ Einen so zufrieden wirkenden Bauherren findet man wohl eher selten. Die neuen Gebäude sind allerdings in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Den Architekten ist es gelungen, mit insgesamt sechs neuen Baukörpern den Gebäudebestand so miteinander zu verbinden, dass ein neuer, begrünter Innenhof (Landschaftsplanung: Levin Monsigny, Berlin) als Zentrum entstanden ist. Größe und Geschosshöhe der Neubauten orientieren sich jeweils an den umliegenden Gebäuden.
Die pultartigen Dachflächen sollen dabei, ebenso wie die dunkelrote Metallfassade mit eloxiertem und gekanntetem Aluminium, Assoziationen an „plissierten Stoff“ wecken, oder auch die „Imagination einer gefalteten Landschaft“ zeigen. Genau diese verschiedenen Dachformen beziehen sich auf die umgebenden Giebeldächer der unterschiedlichen Fachwerkhäuser in der Umgebung. Die Shed-Dächer sorgen gemeinsam mit den unterschiedlichen Fensterformaten und den asymmetrischen Decken für viel Tageslicht und sehr unterschiedliche Räume im Inneren, in denen die Designteams der Firma neue Ateliers eingerichtet haben.
Das ortsansässige Textilfabrikanten-Familienunternehmen Nya Nordiska veranstaltet einen kleinen Wettbewerb für die Firmenerweiterung und lässt ein überzeugendes und beispielhaftes Stück Baukultur entstehen. Vor allem die Entscheidung, nicht in das Gewerbegebiet zu gehen, sondern den Standort in der Innenstadt unter Einbeziehung denkmalgeschützter Fachwerkbauten zu stärken, kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Und wann gab es in dieser Kommentar-Spalte schon einmal solch einhellige Zustimmung...?
Man kann den komplex nicht genug loben, er tut einfach nur gut. Herr Staab, bauen sie weniger aber genauso gut, dafür braucht man auch Zeit.
super räume, schöne Integration in den Bestand. und Sheddächer liebe ich sowieso! Respekt vor dieser Leistung!