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22.11.2022

Filmtipp: Karl Schwanzer

Er flog voraus


Vor vier Jahren setzte Martin Schwanzer, Sohn des Architekten Karl Schwanzer, mit einer umfangreichen Schenkung ans Wien Museum den Startschuss für die wissenschaftliche Aufarbeitung des Werkes seines Vaters. In seinem Auftrag erschien die Graphic Novel Architekt aus Leidenschaft, in der sich Zeichner Benjamin Swiczinsky und Co-Autor Max Gruber mit der Biographie Schwanzers auseinandersetzten. Nun folgt mit Er flog voraus die zweite Auftragsarbeit des Sohnes: Ein Dokumentarfilm unter Regie Grubers, der ganz dem Charakter und der schöpferischen Seele des bedeutenden österreichischen Nachkriegsarchitekten gewidmet ist. 

Weggefährt*innen und Bewunder*innen wie Wolf dPrix, Laurids Ortner, Boris Podrecca oder Angelika und Diether S. Hoppe berichten, teils auf den Fauteuils der Kollektion.58 sitzend, vom Einfluss, den Schwanzer als Architekt, Lehrer und Büroleiter auf sie ausübte. Sie zeichnen das Bild eines leidenschaftlichen Visionärs und unermüdlichen Workaholics, der gegen den Stillstand war und außereuropäischen Positionen wie auch den radikalen Ideen seiner Studierenden (sei es die ZÜND-UP Motorradfahrt oder das Probetragen eines immersiven Porno-Helms) stets offen gegenüberstand; aber auch das eines Managers, der sein auf Hochtouren produzierendes Team mit eiserner Hand führte. Architekurkritiker Gerhard Matzig versucht im Zwiegespräch mit Thomas Girst, dem Leiter des Kulturengagements der BMW Group, die Wirkung von Architektur auf menschliche Emotionen zu umreißen. Denn der Film macht klar: Architektur war für Schwanzer bei allem Innovationswillen immer auch ein mächtiges Werkzeug, das in der Lage ist, Menschen glücklich zu machen.

Schwanzers Persönlichkeit entfalte, auch fast 50 Jahre nach seinem Freitod, einen mächtigen Sog – so beschreibt es Nicholas Ofczarek, der den Architekten in verschiedenen Einblendungen markiert. Ausgangspunkt für die Zusammenarbeit des Burgschauspielers mit dem Filmregisseur war eine Lesung aus Schwanzers 1973 erschienenem Buch Architektur aus Leidenschaft. In Nadelstreifenanzug und mit Hornbrille durch den österreichischen Expo 58-Pavillon, die Pfarrkirche Auferstehung Christi oder die Erweiterung der Kapuzinergruft schreitend, rezitiert Ofczarek auch in der Dokumentation aus der Veröffentlichung. Es ist ein kluger Kniff des Filmes, der mit seine stärksten Momente aus Archivaufnahmen Schwanzers entwickelt, dem echten Schwanzer keine Kopie, sondern einen stets deutlich als Darsteller erkennbar bleibenden Interpreten seiner Gedanken an die Seite zu stellen.

Der heroisierte Architektenbegriff, der bis zur Materialverschwendung betriebene Perfektionismus und Schwanzers Abneigung gegen den Denkmalschutz, der seiner Meinung nach den Fortschritt behinderte, wirken tief in ihrer Zeit verwurzelt. Angesichts des heutigen Ressourcenmangels und eines wachsenden Bewusstseins für kollektive Autorschaft und Gemeinschaffen benötigen sie eine kritische Revision. Die Aufnahmen des Philipps-Gebäudes, des gerade 50 Jahre alten BMW-Vierzylinders oder des heute Belvedere 21 genannten 21er Hauses zeigen jedoch eine empathisch für ihre jeweilige Nutzung angelegte Architektur, die gestalterisch wie technisch ihrer Zeit weit voraus war.

Text: Kathrin Schömer

Er flog voraus - Karl Schwanzer | Architektenpoem
Max Gruber
Österreich 2022
73 Minuten
filmdelights

erflogvoraus.at

Am Mittwoch, 23. November 2022 feiert der Dokumentarfilm seine Graz-Premiere in Anwesenheit des Regisseurs Max Gruber. Im Anschluss sprechen Anna Popelka (PPAG architects, Wien) und Anselm Wagner (Leiter akk, TU Graz) mit dem Regisseur über die Entstehung des Films.


Video:



Zum Thema:

Info zur Veranstaltung im KIZ RoyalKino Graz: hda-graz.at


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