Schietsch baut’s
Endgültige Entscheidung im Wettbewerb Besucherzentrum Bundestag
Es ist schon außergewöhnlich, zumindest außergewöhnlich genug, um die Pressemitteilung des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung zu betiteln: „Junges Schweizer Architekturbüro soll Besucher-Informationszentrum des Deutschen Bundestages bauen“. Eines der repräsentativsten Bauwerke der bundesrepublikanischen Demokratie also, der Reichstag, wird in Zukunft für die Öffentlichkeit über einen Glaspavillon zugänglich sein, den das aufstrebende Zürcher Büro Markus Schietsch Architekten entworfen hat. Damit ist die Überarbeitungsphase des Wettbewerbs um ein Informationszentrum mit unterirdischem Zugang zum Bundestag entschieden. An der Scheidemannstraße mit den denkmalgeschützten Tiergarten-Alleen wird Schietsch – der ursprünglich aus Deutschland stammt, an der ETH Zürich studierte und 2005 sein Büro gründete – einen visuell zurückhaltenden Bau mit klassischer Trägerfassade realisieren.
Dass eine bedeutende Bauaufgabe im Berliner Zentrum von einem jungen Büro ausgeführt werden soll, ist löblich – um so mehr angesichts eines stattlichen Budgets von 150 Millionen Euro. Eine gewisse Offenheit für jüngere Positionen zeichnete sich aber schon während des Wettbewerbs ab: Überdurchschnittlich viele, weniger etablierte Teams nominierte die Jury unter Vorsitz von Arno Lederer im letzten November, darunter etwa die ARGE KIM NALLEWEG Architekten César Trujillo Moya mit TDB Landschaftsarchitektur Thomanek Duquesnoy Boemans oder 2D+ und rw+ Architekten mit capattistaubach Landschaftsarchitekten.
Letztere traten schließlich in der Endphase gegen Markus Schietsch und seinen Wettbewerbspartner Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur und Städtebau an. Wie die Zürcher waren die Berliner im letzten Jahr für ihren filigranen Entwurf mit dem 1. Preis ausgezeichnet worden. Markus Schietsch und Lorenz Eugster, deren städtebaulicher und landschaftsplanerischer Ansatz schon damals besonders gelobt wurde, haben die innere Raumorganisation und Wegeführung für das Besucherzentrum samt Tunnel zum Reichstag nun überzeugend umarbeiten können. Bald soll mit den Bauarbeiten begonnen werden – vielleicht klappt es ja diesmal mit einer schnellen Realisierung in der Hauptstadt? (sj)
Wenn diese Säulenreihen in neo-klassizistischer Manier vor einer Stahl-Glas-Kiste das Resultat eines offenen Wettbewerbs mit einer Vielzahl an Teilnehmern sein sollen und am Schluss so ein schwacher Entwurf als Konsens heraus kommt, dann kann man sich das Verfahren auch sparen. Die architektonische Aussage ist, dass es keine Aussage gibt, banaler geht es kaum: Eine Eingangshalle hinter Sicherheitspollern, die bis zum Dach reichen.
Dem Kommentar von LAB jedoch lässt sich in punkto Standortwahl nur zustimmen. Ein bischen hat es den Anschein, dass die Entscheidung zum Standort und darüber hinaus zur Architektur ein unbeherzter Griff ins mittlere Sortiment gewesen ist. Ein stilles Örtchen zum Druck ablassen...
Strange...