Wohnen im Betonquadrat
Einfamilienhaus von Mensing Timofticiuc in Berlin
In einer Wohnstraße in Heiligensee, am nordwestlichen Stadtrand von Berlin kaufte ein Paar ein altes Haus und bat Mensing Timofticiuc (Berlin) um einen Entwurf. Nach genauer Untersuchung entschied man sich, nur die Kellerwände bis 1,50 Meter über dem Erdboden zu erhalten. Darüber wurde ein zweigeschossiger Neubau aufgesetzt, der den quadratischen Kellergrundriss von zehn auf zehn Metern übernimmt und daraus mit neun Metern Höhe annähernd einen Würfel entwickelt – komplett aus Beton.
Die Architekt*innen Marius Mensing und Ana Timofticiuc sprechen von einem „elementaren Objekt“ für ein „archetypisches Programm“. Auf beide Etagen platzierten sie einen einzelnen, großen Raum. Die Treppe wendelt sich in einem eigenen Volumen auf ebenfalls quadratischem Grundriss um eine – Sie können es sich vielleicht denken – quadratische Stütze. Pro Geschoss gibt es drei rechteckige Panoramafenster nach Westen, Süden und Osten mit Rohbauöffnungen von zwei auf drei Metern. In der Mitte steht jeweils eine Wand, wiederum aus Beton, die den Raum diagonal in zwei Dreiecke teilt. „Es war uns wichtig“, so Mensing und Timofticiuc, „dass die Wand nicht direkt mit den inneren Ecken verbunden ist, da sonst zwei separate Zimmer entstünden und nicht zwei Hälften eines Raumes.“ An den offenen Übergängen von einer Hälfte zur anderen ergibt sich nun ein Lichtspiel, das Neugierde wecken soll auf das, was hinter der Wand liegt.
Das ganze Haus ist also vorrangig aus zwei Materialien gemacht: Licht und Beton. Letzterer tritt in zwei Varianten auf. Die Außenwände, die diagonalen Trennwände und die Stütze im Treppenhaus bestehen aus Dämmbeton. Zwischendecken sowie Treppenstufen hingegen aus konventionellem Ortbeton. Um die zwei Varianten einheitlich zu gestalten, wurden beiden anthrazitfarbene Pigmente beigemischt. Türen und Fensterrahmen sind aus Metall und betont als zusätzliche Elemente außen auf die Wände aufgesetzt. Die Fensterstöcke sind mit zehn Zentimetern Abstand zur Rohbauöffnung montiert. So kann innen der Eindruck entstehen, es gäbe gar keine Fenster, sondern nur rechteckige Löcher in der Wand. Man mag sich an ein anderes Haus erinnern, das derart formale Prinzipien radikal durchgespielt hat – die Antivilla von Arno Brandlhuber, hier aber außen Loch und innen Rahmen. (fh)
Fotos: Hélène Binet
Zum Haus ist ein schmales Kunstbuch mit Fotos von Hélène Binet beim Verlag Simonett & Baer erschienen. Es kostet 48 Euro.
Mehr zu Dämmbeton und Schiebefenstern bei Baunetz Wissen
Nun, ich war nicht drin und so bleibt mir nur die ferne Erinnerung an Lissitzky. Danke
Gewiss verdient die Schlichtheit Lob, doch mir wär´s schlicht zu klaustrophob. Möge, wer l(i)ebt Klaustrophobie, finden in ihr selbst Therapie.
die Kommentare sind wirklich spannend zu lesen. Wir sind Dienstleister und erfüllen Träume & Wünsche der Bauherrn..... mit Verantwortung zur Baukultur. Ein spannendes und experimentelles Wohnhaus für Arch-Liebhaber. Herzlichen Glückwunsch! Wie das Wohnhaus wohl im Alltag erlebbar ist, würde mich interessieren. Mit Familie & Kinder wohl schwierig; alleine & zu zweit sicherlich spannend.