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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Einfamilienhaus_in_Isfahan_von_USE_studio_5560844.html

11.12.2018

Option auf Zukunft

Einfamilienhaus in Isfahan von USE studio


Für das eigene Haus brennt jeder Architekt – und in das erste Kind sind bekanntlich alle Eltern vernarrt. So gesehen kein Wunder, dass Mina Moeineddini und Mohammad Arab von USE studio (Isfahan) ihr eigenes Haus kurzerhand nach der eigenen Tochter benannten, die mehr oder weniger zeitgleich zur Fertigstellung des Projekts geboren wurde: Aban’s House.

Dass Eltern mit den entsprechenden Ressourcen die Geburt des ersten Kindes gerne zum Anlass nehmen, sich ein eigenes Heim zu errichten, ist wohl ein globales Phänomen. Hierzulande ist das meist mit einem Umzug in die Suburbia verbunden, in der zentraliranischen Millionenstadt Isfahan ist die Immobiliensituation anders. Aban’s House liegt inmitten des historischen Stadtzentrums, nur wenige hundert Meter von der weltberühmten Freitagsmoschee entfernt. Was aber wiederum bedeutet, dass man es hier mit einem engen, überalterten Stadtviertel im Schatten der Touristenströme zu tun hat. Kein optimaler Wohnort für eine junge Familie, eher eine bewusste Entscheidung, in der Altstadt etwas Neues zu wagen. Der wunderbare Situationsplan der Architekten – an dem Aldo Rossi seine wahre Freude gehabt hätte – zeigt eindrucksvoll, wie der Neubau im historischen Gewebe der Stadt zu kontextualisieren ist.

Das Haus erstreckt sich über drei Ebenen und ist um mehrere Innenhöfe herum organisiert, wodurch das Haus trotz des relativ engen Grundstücks viel Offenheit ausstrahlt. Gewohnt wird auch im Untergeschoss, wo unter anderem ein Studio und ein Spa liegen. Auffällig sind die drei Schlafbereiche für Eltern, Tochter und Gäste, denn jedes der Schlafzimmer ist geräumig und räumlich ausdifferenziert – wie ein kleines Apartment für sich.

Die Innenhöfe gehorchen nicht so sehr klimatischen Anforderungen, sondern wurden ganz bewusst als intime Rückzugsorte gestaltet. Die Patios wirken auf den ersten Blick wie aus dem Handbuch des zeitgenössischen Villenbaus, doch im heutigen Iran sind solche privaten Rückzugsräume immer auch politische Freiräume. In diesem Sinn ist auch die Frage zu verstehen, die sich die Architekten stellten, als sie über ein Heim für sich und ihr Kind nachdachten: „Was kann heute – wo alles sich so rasend schnell verändert und die Welt verrückt spielt, wo uns aus der ganzen Welt schlechte Nachrichten erreichen – die Lösung sein, um mit diesem Irrenhaus fertig zu werden?“

Angesichts der gesellschaftspolitischen Lage im Land wäre es sicherlich falsch, die architektonische Antwort von USE studio als puren Eskapismus zu begreifen – trotz der wehrhaft abweisenden Eingangsfassade. Vielmehr scheint das Haus wohl auch als eine hoffnungsvolle Option auf die Zukunft der iranischen Gesellschaft interpretierbar. Nicht umsonst wurde es nach einem Kind benannt. (gh)

Fotos: Ehsan Hajirasooliha


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