Mit Holz und Stroh
Einfamilienhaus bei Paris von Karawitz
Schöner kann ein Einfamilienhaus kaum liegen: Nach Plänen des Pariser Büros Karawitz entstand es am Rande der Gemeinde Noisy-sur-École etwa 60 Kilometer südlich der französischen Hauptstadt. Das 8.310 Quadratmeter große Grundstück grenzt an den märchenhaften französischen Staatsforst Forêt de Fontainebleau, wo die größte Artenvielfalt Europas zu Hause sein soll. Mit seinem Konzept für eine entsprechend nachhaltige Konstruktion hatte sich das Büro in einem international besetzten Einladungswettbewerb der Bauherrschaft durchgesetzt.
Die gewünschten Gebäude – ein Wohnhaus mit 153 Quadratmetern Nutzfläche und ein Gästehaus mit 35 Quadratmetern – sind auf Metallpfählen ruhend zwischen die Bäume gestellt. Beide wurden aus vorgefertigten Holzbauelementen mit Stroh- und Holzwolledämmung errichtet und erreichen Passivhausstandard. Die Dächer sind begrünt, PV-Elemente erzeugen eigene Energie. Die Südseiten tanken solare Wärme, Vordächer sollen vor Überhitzung schützen. Trotz so viel ökologischer Sensibilität wollte die Bauherrschaft trotzdem nicht auf eine Tiefgarage verzichten.
Das Wohnhaus liegt als kompaktes Rechteck parallel zur Straße. Eine Sichtbetonwand mit Durchstieg betont den gelb gestrichenen Eingang. Zur Straße hinter der recht geschlossenen, dunklen Holzfassade liegen Flur, Bad, Küche oder Speisekammer.
Von Südwesten aus erscheint das Haus mit seiner starken Boden- und einer Dachplatte wie ein Sandwich. Der leicht schwebende Eindruck verweist auf Klassiker wie das Farnsworth House. An der südwestlichen Ecke stößt eine alte Kiefer durch kreisrunde Löcher in Boden- und Deckenplatte, was wiederum an das Maison de Cap Ferret erinnert, das Lacaton & Vassal 1998 entwarfen. Wer es noch eine Nummer größer mag, darf auch an Lina Bo Bardis Casa Vidro in São Paulo aus dem Jahr 1951 denken.
Karawitz wollen ihr Projekt in Noisy-sur-École offenbar als Neuinterpretation dieser Klassiker im Zeichen der Nachhaltigkeit verstanden wissen: „Die vorgefertigte Holzkonstruktion, die Wahl von Stroh und Holzwolle als Dämmmaterial sowie der Energieverbrauch des Passivhausstandards sollen den ökologischen Fußabdruck auf ein Minimum reduzieren. Durch seine Verkleidung aus vorpatiniertem Zinkblech, seine nach der japanischen Yakisugi-Methode zur besseren Haltbarkeit kontrolliert verkohlte Holzverschalung sowie die begrünten Dächer fügt sich der Bau dezent und elegant in die träumerische Waldlandschaft ein.“, heißt es von Seiten des Büros. Die Kosten der Maison Trilogis wurden nicht veröffentlicht. (fh)
- Architektur:
- Karawitz
- Statik:
- KAIRN Ingénierie
- Bauphysik:
- Energelio
- Bauherrschaft:
- privat
- Fläche:
- 188 m² Bruttogrundfläche