Krise an der Architectural Association
Direktorin Eva Franch entlassen
Eva Franch i Gilabert wurde als Direktorin der Architetcural Association AA entlassen. Das gab der Council der berühmten Londoner Architekturschule gestern Abend bekannt. Die Entscheidung fiel erstaunlich schnell. Auf einer Sitzung am 29. Juni hatte die School Community – der alle Studierenden und Lehrenden angehören – der Direktorin das Misstrauen ausgesprochen. Auf der Sitzung wurde auch Franchs Fünf-Jahres-Plan für die strategische Neuausrichtung der AA abgelehnt. Eine Mehrheit fand demgegenüber ein Antrag, der einen gemeinschaftlich diskutierten Reformprozess der Schule forderte.
Auf das Misstrauensvotum folgte ein offener Brief, in dem viele prominente Architekt*innen die 1978 geborene Katalanin unterstützten. Der offene Brief provozierte wiederum eine lange Replik von zwei Lehrenden der AA, die Außenstehenden differenzierte Einblicke in herausfordernde Fragen gewährte, mit denen sich die Schule konfrontiert sieht und auf die Franch keine überzeugenden Antworten zu geben vermochte.
Zu den Gründen für die Entlassung von Franch schreibt der Council in einem gestern veröffentlichten Statement: „Im Zentrum der Entscheidung stehen die Versäumnisse, eine Strategie zu entwickeln und umzusetzen sowie das Vertrauensverhältnis zur Schulgemeinschaft aufrecht zu erhalten.“ Und weiter: „Im Anschluss an die Sitzung und Abstimmung der Schulgemeinschaft am 29. Juni gab es eine Reihe von Meetings und Beratungen zwischen dem Council und Frau Franch i Gilabert, um ihr Gelegenheit zu geben, ihre Pläne zur Behebung dieser Probleme darzulegen. Leider überzeugten die Diskussionen den Council nicht, dass sie ihrer Rolle als Schuldirektorin der AA, einer der führenden Architekturschulen der Welt, gerecht werden würde.“
Potentielle Nachfolger*innen sollten sich vor allem die Replik der Lehrenden auf den Unterstützerbrief genau ansehen, denn sie lässt einige Rückschlüsse auf die innere Verfasstheit zumindest eines Teils des Lehrkörpers zu. Die Autoren Ricardo Ruivo und Will Orr stellen sich klar gegen die neoliberalen Paradigmen und Machtstrukturen, die die Architekturproduktion dominieren und die sich ihres Erachtens auch an der AA schon lange manifestiert hätten. Zwei Jahre lang habe man darauf gehofft, dass Franch „progressive Reformen“ anstoßen würde, doch nun sei klar geworden, dass „die Schulgemeinschaft selbst, ihre Studentinnen und Studenten sowie die Mitarbeitenden diesen Prozess in Angriff nehmen und leiten muss.“ Der geradezu klassenkämpferische Blick auf den – zwischenzeitlich obsolet gewordenen Unterstützerbrief – macht deutlich, wie viel politische Unzufriedenheit an der AA zum Teil brodelt: „Aus unserer Sicht offenbart die Verteidigung der derzeitigen Direktorin die tiefe Besorgnis eines Elitekartells, das befürchtet, dass die Krise des Neoliberalismus in Architektur und Wissenschaft seine institutionelle Privilegienposition gefährden könnte.“
Inwieweit die Schulgemeinschaft dem radikalen Duktus der beiden Verfasser im Detail folgt, sei dahingestellt. Fakt ist, dass Eva Franch mit großer Mehrheit abgewählt wurde. Der neue Direktor oder die neue Direktorin wird die notwendigen Reformen der Schule wohl nur auf Augenhöhe mit der Schulgemeinschaft diskutieren können, so radikal oder unterschiedlich manche Vorstellungen auch sein mögen. Ob ein solcher partizipativer Aushandlungsprozess gelingt, als linke Utopie in den Mühen der Ebene scheitert oder nur zu einem fahlen Kompromiss führt, wird Architekturfakultäten auch weit jenseits der Grenzen Londons interessieren. (gh)
können sie erklären, wie ihre feststellung, die AA sei notorisch eine "plattform für selbstdarsteller" es überhaupt möglich macht, dass eine person es sich rausnehmen kann "ein wenig hervorzutreten"?
sie haben die debatte nicht verfolgt, stimmt's?
dann wüssten sie, dass eva franch nicht von ein paar alteingesessenen, sondern von der mehrheit des gesamten lehrkörpers und der studierenden das mißtrauen ausgesprochen wurde. und das es dabei weniger um äusserlichkeiten, als um sehr unterschiedliche vorstellungen und einen sehr unterschiedlichen umgang mit der ökonomischen und politischen ausrichtung der AA, den miserablen arbeitsverhältnissen des mittelbaus, den zukünftigen mitbestimmungsmöglichkeiten, usw. usf. ging.
sie haben gedacht es reiche aus, ein foto zu kommentieren, weil sie der meinung sind, das ganze habe mal wieder nix mit architektur zu tun, stimmt's?
hat es aber: denn schließlich geht es hier um nicht mehr und nicht weniger, als die festlegung der bedingungen unter denen menschen zu architekt*innen ausgebildet werden.
was für ein symbol!
sie war der speer.
jetzt wird die AA die haar wieder offen tragen, der wind wird sie neu legen, die haare...
der laden war schon immer eine ausladende plattform für selbstdarsteller (ich rede NICHT von der komischen Frisur)
und dann nimmt sich EINE raus ein wenig hervorzutreten, das mögen die alteingesessenen nicht.
ist in deutschen unis oder akas nicht anders....
Schlimm wirds nur wenn zwanghafte Erlösungsphantasien versuchen das Heft in die Hand zu kriegen.
Moral neigt nämlich zu Intoleranz.
"The open letter,...has magnified and intensified the culture of intimidation that sparked the crisis in the first place. The false assumptions and narrative it constructs are mounting a form of blackmail on the AA council and on the school community itself, threatening:
maintain your internal democracy and ruin the reputation of the school, or save your reputation by destroying your democracy--a tactic straight from the neocolonial playbook".