Nicht vermittelbar
Bund verschiebt das Berliner Schloss – mit Kommentar
Das Bundeskabinett hat in seiner Sparklausur am heutigen Montag den Baubeginn für den Bau des Berliner Schlosses („Humboldt-Forum“) von 2011 auf 2014 verschoben. Zur Begründung hatte es schon am Vorabend geheißen, dass „angesichts der zu treffenden Sparentscheidungen der Neubau eines schlossartigen Gebäudes im Zentrum Berlins ‚nicht vermittelbar‘ sei“, zitiert der Tagesspiegel.
Ein verschobener Schlossbau dürfte nach Ansicht der meisten Kommentatoren das endgültige Aus für dieses unbeliebte Bauprojekt bedeuten. Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage sprechen sich 80 Prozent der Berliner gegen den Bau zum jetzigen Zeitpunkt aus.
Kommentar der Redaktion
Wer in diesem Zusammenhang darüber klagt, dass „bei der Kultur immer als erstes gespart“ werde, heuchelt. Denn wer so spricht, dem geht es nicht um ein „Kulturprojekt“, sondern zuerst um die Rekonstruktion pseudobarocker Fassaden, die – so sagte CDU-Hinterbänkler Lehmann-Brauns kürzlich in schöner Offenheit – „seit 20 Jahren gegen links“ durchgesetzt werden sollen. Man war dem Ziel so nahe – und nun kommt doch der Absturz. Und das ist richtig so.
• Richtig deshalb, weil mit dem Humboldt-Forum inhaltlich eben nicht der geniale Geistesblitz realisiert worden wäre. Das Humboldt-Forum – also maßgeblich die Verlagerung der außereuropäischen Sammlungen aus Dahlem in die Schloss-Attrappe plus etwas Kommunikationsgedöns – ist lediglich ein nachträglich gefundener Inhalt, um eine Schloss-Rekonstruktion zu legitimieren.
• Richtig deshalb, weil der Entwurf von Franco Stella (siehe BauNetz-Meldung vom 29. Oktober 2009) ein scheußlicher Zwitter aus nachgemeißeltem Barock und totem italienischen Neorationalismus geworden wäre – ein hauptstadtunwürdiges Bau-Gebilde.
• Richtig deshalb, weil die Rekonstruktion eines seit Jahrzehnten spurlos verschwundenen Gebäudes nach allen Regeln der Architektur- und Denkmaltheorie immer bleiben wird, was es ist: eine unzulässige Geschichtsklitterung.
Die Ironie der Geschichte ist allerdings, dass die De-facto-Aufgabe dieses Bauvorhabens mit einer unzutreffenden Begründung erfolgt. Denn Geld spart man damit kaum. Laufende Planungsarbeiten (es sollen aktuell 60 Ingenieure daran beschäftigt sein) müssen auch bei einem Baustopp abgegolten werden. Und der seit Jahren baulich vernachlässigte Standort Dahlem der außereuropäischen Sammlungen (ein nachkriegsmodernes Meisterwerk von Fritz Bornemann) braucht dann Abermillionen für seine überfällige Sanierung.
So kann man resümieren, dass eine fiskalisch falsche Begründung zur architektonisch richtigen Lösung geführt hat. Das hätte man allerdings auch früher haben können. (-tze)
Dahlem, hier vor allem das ethnologische Museum hat ab dem Jahr 2008 eine umfassende Sanierung bekommen. Das Bauschild steht vor der Tür, beim Besuch des ethnologischen Museum im Jahr 2008 konnte man es sehen (heute auch noch). Unter anderem war das BBR und einige Planer aus Berlin beteiligt. In diesem Sinne ist es richtig die Planung für das Berliner Peusdoschloss abzubrechen, da es ansonsten es eine Steuerverschwendung gewesen wäre, die Museen in Dahlem zu sanieren.
"HA: Herr von Boddien, seit Jahren kämpfen Sie für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses. Sie haben bereits 13 Millionen Euro von 12 000 Spendern eingetrieben. Nun hat die Bundesregierung im Zuge des aktuellen Sparpakets den Baubeginn um drei Jahre auf das Jahr 2014 verschoben. Ist das eine persönliche Niederlage für Sie? Was sind jetzt Ihre weiteren Pläne? Wilhelm von Boddien: Ich werde weiter wie ein Berserker für das Projekt kämpfen. Mein Kampfgeist ist nicht gebrochen, ganz im Gegenteil, er ist gerade noch mal angestachelt. Da bin ich ganz Hamburger: Man kneift nicht bei den ersten Problemen. HA: Was passiert denn überhaupt mit dem Geld, wenn es nun doch nicht zum Wiederaufbau kommt? Wilhelm von Boddien: Zum einen ist ja schon Geld für Baupläne und Fassadenmodelle ausgegeben worden. Vor allem aber sind Spenden durch die Finanzgesetzgebung grundsätzlich nicht rückzahlbar, weil sonst die Gefahr von Steuerhinterziehung bestünde." Also: 1. Eingestellt im Rechenschaftsbericht des Vereins sind keine 13 Millionen. 2. Sachspenden in Form von Fassadenteilen und Planungsleistungen durch den Architekten Stuhlemmer waren laut Auskunft des Bauministeriums nie vorgesehen. Planungsleistungen sollten von Stellla, Hilmer und Sattler, sowie GMPf erbracht werden. Tja, liebe Spender, das Geld ist vermutlich futsch. Ich "freue" mich schon auf die Aufarbeitung des Spendenskandals.
Nur zu oft findet man im Gegensatz zum hier Gesagten bei unseren heutigen Künstlern das Bestreben, möglichst genau das Alte wiederzugeben.(...) Dies kann doch unmöglich die Aufgabe der Kunst unserer Zeit sein, und es zeigt sicher von Mangel jedes künstlerischen Gefühles, in der Nebeneinanderstellung solcher 'Kunstformen' mit der modernen Welt nichts Störendes zu finden.(...) Künstlerische Bestrebungen, welche trachten, Nachbildungen an Bestehendes anzuschmiegen, ohne auf andere Bedingungen Rücksicht zu nehmen, müssen, abgesehen von einer gewissen Geistesarmut und einem Mangel an Selbstbewustsein, die sie bergen, immer einen ähnlichen Eindruck machen, als ob jemand im Kostüm eines vergangenen Jahrhunderts, noch dazu aus einer Maskenleihanstalt, einen modernen Ball besuchen würde.(...) Alles modern Geschaffene muss dem neuen Materiale und den Anforderungen der Gegenwart entsprechen, wenn es zur modernen Menschheit passen soll. Es muss unser eigenes besseres, demokratisches, selbstbewusstes, unser scharf denkendes Wesen veranschaulichen und den kollosalen technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften, sowie dem durchgehenden praktischen Zuge der Menschheit Rechnung tragen - DAS IST DOCH SELBSTVERSTÄNDLICH!(...) Der Architekt kann in die volle Schatzkammer der Überlieferung greifen; von einem Kopieren der Gewählten kann aber keine Rede sein, sondern er muss durch Neugestalten das Überlieferte dem Zweck anpassen oder aus der Wirkung der bestehenden Vorbilder die von ihm beabsichtigte Wirkung herausfinden. Dass dieses Fortbilden (...) nur sukzessive geschehen kann, dass es hierzu Anregung und Mithilfe der Mitwelt bedarf, ist wohl selbstredend. Prüft man aber unbefangenen Auges, wie sich´s allerorten regt, wie die Künstler sich mühen, neue Schönheitsideale zu bilden, und überblickt man das bisher Gewordene, so wird man überzeugt werden müssen, dass zwischen der Modernen und der Renaissance heute schon eine größere Kluft liegt als zwischen der Renaissance und der Antike."
... die frage die sich für alle stellt die der barockfassade anhängen ist ... ob sie auch die diktatorische gesellschaftsführung wieder haben möchten ??? !!! .... "so ehrlich bin ich auch einzugestehen, dass wir keine zeitgemäßen Antworten mehr finden oder haben. Noch ein Mercedes- oder Porsche-Museum, noch ne Hadid, ein Libeskind?..." nunja vielleicht wollen wir für diesen standort viel zu viel ?? vielleicht ist ein ganz reduziertes Gebäude das die stadtebauliche ordnung wiederergänzt und das in guter material- und detailqualität ganz einfach die richtige antwort ?? ... ..." So finde ich trifft Mode (oder Zukunftshoffen) auf Vergangenes - nur eines fehlt - etwas aus dem heute, das kommenden Generationen etwas über uns erzählt" ... es erzählt den nächsten generationen eine menge über uns ... nämlich das wir zunächst unbedingt die "reliquien" der deutschen teilung und der ddr beseitigen wollten um dann festzustellen das wir für die lücken keinen sinnvollen, zeitgemäßen ersatz hatten ... aber bei allen theoretischen ansätzen besteht doch der grundübel der schlossdebatte darin das es keine wirkliche belastbare nutzung für das areal gibt ...