Offener, flexibler, günstiger
Stellas neue Pläne fürs Berliner Stadtschloss
Gute Nachrichten für das in Berlin geplante Stadtschloss: Die neu gewählte Bundesregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag ausdrücklich zu dem umstrittenen Projekt bekannt. Allerdings ohne nähere Angaben zu machen, wann das Gebäude denn realisiert werden könnte; denn noch ist unklar, wie es mit dem Projekt nach dem Einspruch Hans Kollhoffs weitergehen wird. Am 2. Dezember 2009 wird die Entscheidung des Oberlandesgerichts in Düsseldorf zum Einspruch des Bundesbauministeriums erwartet (siehe BauNetz-Meldung und Kommentar vom 14. Oktober 2009). Derweil gehen die Planungen weiter, und am 26. Oktober 2009 haben Staatssekretär Engelbert Lütke-Daldrup und der Direktor der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, in der Kulisse des Alten Museums die von der Planungsgemeinschaft Franco Stella, gmp und Hilmer Sattler Albrecht überarbeiteten Pläne vorgestellt.
Die neuen Visualisierungen zum Entwurf sprechen eine andere Sprache als die im Wettbewerb gezeigten, und den Grundrissen sieht man an, dass die Diskussion mit den künftigen Nutzern begonnen hat. Die „Agora“ im Eosanderhof wird nun ohne Stelenwald gezeichnet, was den Raum deutlich angenehmer macht. Sie wird von einer betont hell und weiß gezeichneten Kassettendecke überspannt. Zwei bislang geplante, in die Halle gestellte Gebäudekuben wurden zur Seite gerückt, in der Halle soll nun genügend Raum sein für bis zu 1.800 Sitzplätze. Empfänge, Vorträge, Diskussionen oder Konzerte sollen hier ebenso Platz finden können wie feierliche Ausstellungseröffnungen – nördlich befinden sich zwei große Auditorien, südlich Räume für Sonderausstellungen, von denen jeweils einer – allerdings durch recht kleine Türen – von der Agora aus erschlossen werden.
Auch die Ostfassade zeigt sich in den neuen Plänen verändert. Die Treppenstruktur von Stellas „Belvedere“ tritt nicht mehr so deutlich hervor, stattdessen dominieren die offenen Rundbögen der Fassade. Von hier werden die dahinter liegenden Räume der Landesbibliothek und die Ausstellungsräume der „außereuropäischen Sammlungen“ erschlossen. Auch deren Räume sind in den Grundrissen nun bedeutend offener gestaltet.
Auch auf die unklare Höhe der gesammelten Spenden reagiert der Entwurf nun mit einigen felxiblen Elementen. Die Realisierung der historischen Kuppel wird verschoben, an ihrer Stelle wird zunächst ein Stahlgerippe deren Form nur andeuten. Auch die drei großen Aufgänge am Schlüterhof sind nicht mehr vorgesehen – sie können allerdings zu einem späteren Zeitpunkt rekonstruiert werden.
Diese Pläne seien laut Bundesbauministerium für 480 Millionen Euro zu realisieren – der vom Bundestag bewilligte Kostenrahmen könnte also gehalten werden. Die Fertigstellung werde sich aber voraussichtlich bis 2016 verschieben. Je nachdem, wie das OLG in Düsseldorf entscheidet...
Vielleicht darf der Architekt Kollhoff, nach ge- wonnener Klage, auch noch mitmischen und Veränderungen (zum Schlechteren) herbeiführen und sehr, sehr viel Honorar kassieren!
die agora erinnert eher an ein kleinstadt-kaufhaus, das sich wegen des 'ambientes' noch eine kulisse für ein theaterstück in die halle gestellt hat. die im text erwähnten rundbögen des belvederes sind wohl bei den renderings kurzfristig dem rotstift zum opfer gefallen. wie überhaupt das gesamte belvedere nur noch ein, durch zwei fluchttreppenhäuser erschlossener banaler laubengang/balkon ist. so überzogen es im wettbewerbsentwurf von stella war, so komplett überflüssig ist es in den jetzt vorgestellten plaungen (meine vermutung ist, dass es im weiteren prozess aus kostengründen ganz entfällt). von der passage (schlossforum), die im wettbewerb schon so beklemmend wirkte, gibt es scheinbar keine bilder, dabei ist es neben dem schlüterhof der 'öffentlichste' bereich. und aus dem (im wettbewerb beschriebenen) innovativen museumskonzept des humboldtforums ist ein langweiliger rundlauf durch die kontinente geworden. zudem streut man uns weiterhin sand in die augen, mit der behauptung, dass alles im kostenrahmen bliebe. zwar mögen in diesem entwurf alle fluchtwege und kerne stimmen, aber die überarbeitung bleibt lieblos und so blutleer, dass man das gefühl hat, hier geht es nur noch ums fette honorar. wie schon gesagt, banaler geht es kaum noch.