Alte Ziegel für die Neue Ziegelei
Bürger- und Kulturtreff in München von Beer Bembé Dellinger
Alte Ziegel für die Neue Ziegelei
Bürger- und Kulturtreff in München von Beer Bembé Dellinger
Ein kleiner Solitär inmitten des Münchner Neubauquartiers Prinz-Eugen-Park zeigt, wie Kultur und Soziales vernetzt werden können. Beer Bembé Dellinger Architekten haben auf kompakter Fläche vielfältige Angebote gebündelt – hinter einer handwerklich gefügten Fassade aus wiederverwendeten Ziegeln.
Bis Ende 2020 wurde ein Konversionsareal im Stadtbezirk Bogenhausen im Nordosten Münchens unter dem Namen Prinz-Eugen-Park entwickelt. Rund ein Drittel des Neubauvolumens bekam das Prädikat „Ökologische Mustersiedlung“ mit hohem Holzbauanteil, wodurch das Viertel bereits früh über die Stadtgrenzen hinaus auf sich aufmerksam machte.
Nun fügen sich die letzten architektonischen Bausteine in den belebten Rahmen ein. So auch ein Bürger- und Kulturtreff am frisch gestalteten Maria-Nindl-Platz, der fortan als zentraler Freiraum im Westen des Areals fungiert. Die Neue Ziegelei tritt dort als frei stehendes Haus – trotz Dreigeschossigkeit und nur 900 Quadratmetern Grundfläche – selbstbewusst inmitten der höheren Wohnbebauung auf. Entworfen wurde das kompakte, multifunktionale Gebäude von Beer Bembé Dellinger Architekten (Greifenberg/München) im Auftrag der Landeshauptstadt München.
Wiederverwendetes Fassadenmaterial
Als Fassadenmaterial kamen bei der Neuen Ziegel sinnigerweise Recyclingziegeln zum Einsatz, die von einem nicht näher bekannten Vorgängerbau in Nordostdeutschland oder Polen stammen. Architektin Anne Beer beschreibt vor Ort den herausfordernden Prozess, der am Ende in 830 Quadratmeter Fassade mit „Lebendigkeit, Struktur und Farbe“ mündete – von der Ausschreibung und den Voraussetzungen, einen geeigneten Anbieter für das zertifizierte Material zu finden, über die intensive Bemusterung bis hin zur „hohen Handwerkskunst“, mit der das geschulte Team die Hülle errichten konnte. „Es braucht ein gewisses Gespür für das Material. Jeder Stein wurde angeschaut, ausprobiert und auch mal zur Seite gelegt, um gezielt den passenden auszuwählen, eine bestimmte Struktur in die Fläche zu strecken oder die komplexen Ecksituationen zu vermauern“, erklärt Beer das Ergebnis.
Nun fügen sich die letzten architektonischen Bausteine in den belebten Rahmen ein. So auch ein Bürger- und Kulturtreff am frisch gestalteten Maria-Nindl-Platz, der fortan als zentraler Freiraum im Westen des Areals fungiert. Die Neue Ziegelei tritt dort als frei stehendes Haus – trotz Dreigeschossigkeit und nur 900 Quadratmetern Grundfläche – selbstbewusst inmitten der höheren Wohnbebauung auf. Entworfen wurde das kompakte, multifunktionale Gebäude von Beer Bembé Dellinger Architekten (Greifenberg/München) im Auftrag der Landeshauptstadt München.
Wiederverwendetes Fassadenmaterial
Als Fassadenmaterial kamen bei der Neuen Ziegel sinnigerweise Recyclingziegeln zum Einsatz, die von einem nicht näher bekannten Vorgängerbau in Nordostdeutschland oder Polen stammen. Architektin Anne Beer beschreibt vor Ort den herausfordernden Prozess, der am Ende in 830 Quadratmeter Fassade mit „Lebendigkeit, Struktur und Farbe“ mündete – von der Ausschreibung und den Voraussetzungen, einen geeigneten Anbieter für das zertifizierte Material zu finden, über die intensive Bemusterung bis hin zur „hohen Handwerkskunst“, mit der das geschulte Team die Hülle errichten konnte. „Es braucht ein gewisses Gespür für das Material. Jeder Stein wurde angeschaut, ausprobiert und auch mal zur Seite gelegt, um gezielt den passenden auszuwählen, eine bestimmte Struktur in die Fläche zu strecken oder die komplexen Ecksituationen zu vermauern“, erklärt Beer das Ergebnis.
Gasteig in Miniatur
Hinter der zweischaligen Außenwand, die aus den hinterlüfteten, 12 Zentimetern starken Ziegeln, einer Mineralfaserdämmung und größtenteils Stahlbeton besteht, verbergen sich auf knapp 3.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche erstaunlich viele Nutzungen. Dazu gehören ein Alten- und Servicezentrum, ein Familien- und ein Nachbarschaftstreff sowie Räume für Kultur und Verwaltung.
Im Erdgeschoss gibt es soziale Angebote des Bayerischen Roten Kreuzes, die als niederschwellige Anlaufstelle auch der erweiterten Nachbarschaft zur Verfügung stehen. Ein durchgestecktes, breites Foyer verbindet die beiden Haupteingänge nach Norden zur angrenzenden Grundschule und nach Süden zum neuen Platz hin.
Im ersten Obergeschoss findet sich ein zweigeschossiger, in Holzbauweise ausgeführter Multifunktionssaal mit Bühne und Galerie. Maximal 300 Personen finden hier Platz. Alternativ kann er für kleinere Nutzungen in drei Räume aufgeteilt werden. In den Obergeschossen sind Verwaltungs-, Gruppenräume und ein Gymnastiksaal verortet. Neben breiteren Nischen in den Fluren, die Raum für Aufenthalt und Aneignung bieten, sind an den Foyerwänden wechselnde Ausstellungen vorgesehen. So lässt die Neue Ziegelei nicht nur wegen ihres Fassadenkleides, sondern auch aufgrund ihres vielseitigen und inkludierenden Konzepts an den – freilich weitaus größeren – Kulturkomplex Gasteig am Hochufer der Isar denken, der immer noch auf seine Sanierung wartet und dessen Zwischennutzung in diesem Monat ausläuft.
Hinter der zweischaligen Außenwand, die aus den hinterlüfteten, 12 Zentimetern starken Ziegeln, einer Mineralfaserdämmung und größtenteils Stahlbeton besteht, verbergen sich auf knapp 3.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche erstaunlich viele Nutzungen. Dazu gehören ein Alten- und Servicezentrum, ein Familien- und ein Nachbarschaftstreff sowie Räume für Kultur und Verwaltung.
Im Erdgeschoss gibt es soziale Angebote des Bayerischen Roten Kreuzes, die als niederschwellige Anlaufstelle auch der erweiterten Nachbarschaft zur Verfügung stehen. Ein durchgestecktes, breites Foyer verbindet die beiden Haupteingänge nach Norden zur angrenzenden Grundschule und nach Süden zum neuen Platz hin.
Im ersten Obergeschoss findet sich ein zweigeschossiger, in Holzbauweise ausgeführter Multifunktionssaal mit Bühne und Galerie. Maximal 300 Personen finden hier Platz. Alternativ kann er für kleinere Nutzungen in drei Räume aufgeteilt werden. In den Obergeschossen sind Verwaltungs-, Gruppenräume und ein Gymnastiksaal verortet. Neben breiteren Nischen in den Fluren, die Raum für Aufenthalt und Aneignung bieten, sind an den Foyerwänden wechselnde Ausstellungen vorgesehen. So lässt die Neue Ziegelei nicht nur wegen ihres Fassadenkleides, sondern auch aufgrund ihres vielseitigen und inkludierenden Konzepts an den – freilich weitaus größeren – Kulturkomplex Gasteig am Hochufer der Isar denken, der immer noch auf seine Sanierung wartet und dessen Zwischennutzung in diesem Monat ausläuft.
Erhofftes Vorbild
Der komplexe konstruktive Einschub in Holz, die Verwendung von rezykliertem Beton (außer für die partielle Unterkellerung), eine weitestgehend reduzierte Gebäudetechnik (bis auf Lüftung und Kühlung des großen Saals) sowie allen voran das wiederverwendete Fassadenmaterial sind Planungsentscheidungen mit deklarierter Vorbildfunktion. Damit will die Stadt Prozesse ausloten, die möglicherweise für private Bauherrschaften noch zu unwirtschaftlich oder riskant wären. Zudem zeigt sich an dem Projekt, wie in Quartieren über das Einzelbauwerk hinaus gedacht werden kann. Zusätzliche Tiefgaragenplätze oder die nötige Photovoltaik nimmt etwa die benachbarte Schule auf. Das Dach der Neuen Ziegelei bleibt so für extensive Begrünung und Oberlichter frei.
Partizipative Platzgestaltung
Der im letzten Sommer fertiggestellte Neubau ist Teil eines rund 4.000 Quadratmeter großen, erst kürzlich eingeweihten Quartiersplatzes, den das Münchner Büro Terra.Nova Landschaftsarchitektur entworfen hat. Die Umsetzung übernahm das städtische Baureferat. Zahlreiche Ideen für den Platz stammen von der beteiligten Quartiersbewohnerschaft. Hohe Baumbepflanzungen, Sitzstufen, Möglichkeiten der Nutzung als Markt sowie ein Kunst-am-Bau-Projekt – ein Wasserspiel der Zürcher Künstlerin Judith Albert – charakterisieren nun den Maria-Nindl-Platz.
Die Kosten für den Hochbau sollen sich laut der Planungsbeteiligten im Rahmen des genehmigten Finanzbedarfs von 18,28 Millionen Euro bewegt haben. Die Projektkosten für den Maria-Nindl-Platz liegen bei zusätzlichen 5,8 Millionen Euro.
Der komplexe konstruktive Einschub in Holz, die Verwendung von rezykliertem Beton (außer für die partielle Unterkellerung), eine weitestgehend reduzierte Gebäudetechnik (bis auf Lüftung und Kühlung des großen Saals) sowie allen voran das wiederverwendete Fassadenmaterial sind Planungsentscheidungen mit deklarierter Vorbildfunktion. Damit will die Stadt Prozesse ausloten, die möglicherweise für private Bauherrschaften noch zu unwirtschaftlich oder riskant wären. Zudem zeigt sich an dem Projekt, wie in Quartieren über das Einzelbauwerk hinaus gedacht werden kann. Zusätzliche Tiefgaragenplätze oder die nötige Photovoltaik nimmt etwa die benachbarte Schule auf. Das Dach der Neuen Ziegelei bleibt so für extensive Begrünung und Oberlichter frei.
Partizipative Platzgestaltung
Der im letzten Sommer fertiggestellte Neubau ist Teil eines rund 4.000 Quadratmeter großen, erst kürzlich eingeweihten Quartiersplatzes, den das Münchner Büro Terra.Nova Landschaftsarchitektur entworfen hat. Die Umsetzung übernahm das städtische Baureferat. Zahlreiche Ideen für den Platz stammen von der beteiligten Quartiersbewohnerschaft. Hohe Baumbepflanzungen, Sitzstufen, Möglichkeiten der Nutzung als Markt sowie ein Kunst-am-Bau-Projekt – ein Wasserspiel der Zürcher Künstlerin Judith Albert – charakterisieren nun den Maria-Nindl-Platz.
Die Kosten für den Hochbau sollen sich laut der Planungsbeteiligten im Rahmen des genehmigten Finanzbedarfs von 18,28 Millionen Euro bewegt haben. Die Projektkosten für den Maria-Nindl-Platz liegen bei zusätzlichen 5,8 Millionen Euro.
Bautafel
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Beer Bembé Dellinger Architekten
- Gestaltung Maria-Nindl-Platz:
- Terra.Nova Landschaftsarchitektur
- Bauherrschaft:
- Landeshauptstadt München: Kommunalreferat, Sozialreferat, Kulturreferat, Baureferat (Projektleitung)
- Fläche:
- 3.000 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 18.280.000 € genehmigter Finanzbedarf
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