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18.07.2015

The Images of Architects

Bücher im BauNetz


Von Jeanette Kunsmann

Gerade letzte Woche tobte noch die Fashion Week in Berlin und wenigstens für kurze Zeit sah man viele gutgekleidete Menschen in der Hauptstadt. Wie die Modeszene weiß auch die Buchbranche seit ein paar Jahren, dass ein freier Rücken die Leser, vormals Käufer, durchaus entzücken kann. Denn obwohl  – oder gerade weil – vollkommen schutzlos, treffen diese neuen Publikationen mit ihren offenen Bindungen den Nerv der Zeit. Auch die zweite Auflage von Valerio Olgiatis Bildersammlung „The Images of Architects“ zeigt sich unverhüllt und leicht: Konträr zur ersten Auflage (Quart-Verlag, Luzern 2013) , eine schwere, violett-schimmernde Hardcover-Bibel mit Vor- und Nachsatz aus schwarzem Samt, erscheint die zweite Auflage als handliches Format mit einer dünnen Kartonage in einem sommerlichen Gelb. Wichtigste Information für interessierte Käufer: Der Preis hat sich halbiert: 29 statt 58 Euro kostet das Buch, das jetzt von dem jungen Schweizer Verlag „The Name Books“ graphisch überarbeitet und neu aufgelegt wurde.

Im Zentrum des Buches steht die Referenz: „Ich habe Architekten gebeten, mir wichtige Bilder zu schicken, die die Grundlage ihrer Arbeit bilden“, schreibt Valerio Olgiati in seinem knapp gefassten Vorwort. „Bilder, welche in ihrem Kopf sind, wenn sie Architektur denken. Bilder, welche den Ursprung ihrer Architektur zeigen.“ Grundlage für die Publikation war die gleichnamige Ausstellung auf der Architekturbiennale 2010. Insgesamt 44 Architekten hatte Olgiati für seinen Beitrag im Arsenale nach ihren Bildern befragt und im Arsenale ausgestellt – das Buch ist die logische Fortführung dieser Show. Eine Bildersammlung ohne viele Worte und ganz ohne theoretische Abhandlungen. Konsequent, pur mit dem Blick auf das Wesentliche.

Mit dabei sind unter anderem Pritzker Preisträger wie Herzog & de Meuron, Robert Venturi (und Denise Scott Brown), SANAA, Richard Meier, Richard Rogers und Peter Zumthor, Schweizer Architekten wie Mario Botta, Roger Diener oder Christian Kerez, die jungen japanischen Architekten Atelier Bow-Wow, Sou Fujimoto und Junya Ishigami, die Portugiesen Alberto Campo Baeza, Francisco Aires Mateus und Álvaro Siza Vieira, Winy Maas und Ben van Berkel aus Amsterdam, die britische Meister-Liga Adjaye, Holl, Pawson und Chipperfield – dann, als einzige deutsche Architekten: Jürgen Mayer H., Hans Kollhoff und Bolles + Wilson. Wer in dieser Sammlung irgendwie fehlt sind Namen wie Zaha Hadid, Ole Scheeren, Bjarke Ingels und Rem Koolhaas. Sicher eine sehr bewusste Entscheidung – oder hatten diese Stararchitekten etwa keine Zeit?

Zehn Fotos waren das Maximum, mit dem die jeweiligen Architekten „die autobiographischen Wurzeln ihres Schaffens“ veranschaulichen durften „Die Bilder sind Erklärungen, Metaphern, Grundlagen, Erinnerungen und Absichten“, so Olgiati. „Es sind poetische und philosohische Bekenntnisse“. Diese persönlichen Sammlungen reihen sich nun auf über 400 Seiten aneinander. Kurze Texte, geschrieben von den Architekten selbst, geben ein paar Hintergrundinformationen und Eckdaten zu Weg und Werk der 44 Büros – diese Kontextualisierung vermisste man in der ersten Auflage noch. Und auch die Bildunterschriften durften aus dem Anhang an ihren richtigen Platz wandern und stehen jetzt unter den Fotos.

Man blättert also von der Villa Stein von Le Corbusier (Peter Eisenman), den „Treppen für die Maus“ (Roger Diener), einem Diagramm von Sigmund Freud (Herman Czech) zu Casper David Friedrichs „Wanderer über dem Nebelmeer“ (Hans Kollhoff). Auch Olgiati gibt seine „memories“ preis und zeigt Extrem-Landschaften wie die sizilianische Insel Strombolicchio oder einen Garten von Roberto Burle Marx in Brasilien sowie Grundrisse aus Japan, Schottland und Mexiko. Jeder der 44 Architekten hat seine eigene Haltung. Gesprochen wird darüber nicht. Die Message muss der Leser in den Bildern finden. Davon gibt es eine Menge, nämlich 350 Stück.

The Images of Architects
Herausgegeben von Valerio Olgiati
The Name Books, Chur 2015
Paperback, 432 Seiten, 350 Fotos
29 Euro


Zum Thema:

www.thenamebooks.com


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