Women Writing Architecture
Buch, Website und Ausstellung
Architektur wird nicht allein gebaut, sie wird auch durch Sprache, Konzepte und Diskurse geprägt. Die Suche nach geschriebener Architektur liefert jedoch meist nur Werke männlicher Autoren. Dabei verfassten auch Frauen schon früh Texte über Gebäude, Städte und Räume. Zwei aktuelle Projekte unter dem Titel Women Writing Architecture machen ihre Stimmen sichtbar.
Eines der Projekte ist am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur (gta) an der ETH Zürich angesiedelt. Unter der Leitung von Architekturhistorikerin Anne Hultzsch untersuchte ein Forschungsteam im ERC-geförderten Projekt Women Writing Architecture: Female Experiences of the Built 1700–1900 (WoWA) über fünf Jahre hinweg Texte von Frauen zur gebauten Umwelt. Nun erscheint im gta Verlag das Buch Women Writing Architecture 1700–1900: Expanding Histories, herausgegeben von Hultzsch und Sol Pérez Martínez. Es versammelt Beiträge internationaler Autorinnen und wertet Quellen aus, die bislang selten in der Architekturgeschichtsschreibung berücksichtigt wurden. Die Publikation liegt als Printausgabe sowie als Open-Access-PDF vor.
Begleitend zeigt eine Ausstellung an der ETH Zürich bis Freitag, 8. Mai 2026, zentrale Ergebnisse des Forschungsprojekts. Postkarten porträtieren Autorinnen, die im 18. und 19. Jahrhundert „Architektur schrieben“: Ihre Reiseberichte, Essays oder Ratgeber zu Haushalt und Garten charakterisieren einen erweiterten Architekturbegriff.
Parallel und unabhängig davon verfolgt die Plattform Women Writing Architecture (WWA), gegründet von Architektin und Autorin Helen Thomas, einen kollaborativen Ansatz. Die frei zugängliche, ständig wachsende Online-Bibliografie sammelt Texte von Frauen über Architektur. Einträge werden von der Community vorgeschlagen und kommentiert, wodurch Schritt für Schritt ein alternatives Wissensarchiv entsteht. Inzwischen umfasst das offene Archiv nahezu 1.000 Texte – von einer Schrift aus dem Jahr 1010 bis heute.