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05.01.2026
Ersatz aus der Asche
Bootshalle in Hamburg von kbnk Architekten
Es ist eine dieser Geschichten, bei denen aus einem Verlust ein neuer Ort entsteht. Im Norden Hamburgs, am Goldbekkanal zwischen altem Baumbestand und Villen am Wasser, stand über 70 Jahre lang die Bootswerft Gustävel – eine sachlich gestaltete Anlage, die von Wassersportler*innen und vielen Anwohner*innen als sozialer Ort sehr geschätzt wurde, auch jenseits seiner eigentlichen Funktion. Im September 2020 brannte die Halle vollständig nieder. Rund 300 Kanus und Kayaks gingen mit ihr verloren, darunter Sammlerstücke und historische Maschinen.
Für Eigentümer Axel Bartels, der die Anlage zu diesem Zeitpunkt erst seit zehn Monaten besaß, war klar, dass die Werft in neuer Form zurückkehren sollte. Den Entwurf für den Ersatzneubau übernahmen die ortsansässigen kbnk Architekten – nicht zuletzt deshalb, weil einer der Geschäftsführer selbst seit Jahren dort Mieter war und ist. Die Bauleitung wiederum lag bei Energiehausingenieure – Planungsgesellschaft für Gebäudetechnik (Hamburg).
Der Neubau knüpft eng an die Gestalt des Vorgängers an. Zwei Satteldächer mit erhöhten Lichtfirsten gliedern das Volumen. Eine stirnseitige Verkleidung aus Acrylglas-Doppelstegplatten verstärkt diese Lesbarkeit. Tatsächlich handelt es sich jedoch nicht um zwei Baukörper, sondern um eine zusammenhängende, unbeheizte Halle mit 1.530 Quadratmetern Bruttogrundfläche. Das Tragwerk besteht aus einem Holzständerbau auf 64 Einzelfundamenten. Sämtliche Verbindungen des Tragwerks wurden geschraubt. Eine vorgehängte Holzfassade mit vertikalen Lisenen dient als Außenhaut.
Zur Wasserseite orientiert sich ein mittig platzierter Funktionskern mit Sanitärräumen und kleinem Büro. Zwei große, zweiflügelige Schiebetore öffnen den Innenraum zum Kanal. An der Nordseite wurde eine Werkstatt ergänzt, die als kleiner Baukörper aus dem Volumen heraustritt. Im Inneren bietet ein Regalsystem Platz für 350 Boote unterschiedlicher Größe – organisiert auf vier Ebenen, erreichbar über Sliprollen.
Was in der Planung als zügiges Wiederaufbauprojekt gedacht war, verzögerte sich jedoch erheblich. Lieferengpässe, wechselnde Firmen und diverse Baumängel ließen den Zeitplan mehrfach ins Stocken geraten. Umso bemerkenswerter, dass am Ende kein Kompromissbau, sondern ein stimmiger Nachfolger entstanden ist. Die Architekt*innen sprechen passenderweise vom „Phönix aus der Asche“. (gk)
Fotos: Meike Hansen, Archimage
Video:
Doku des NDR zum Projekt
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