Wohnen in der Shedhalle
Bollinger + Fehlig in Berlin-Spandau
Wohnen in der Shedhalle
Bollinger + Fehlig in Berlin-Spandau
In Spandau haben Bollinger + Fehlig eine denkmalgeschützte Shedhalle auf originelle Weise umgebaut. Aus dem Produktionsort wurde eine dichte Wohnanlage mit Gassen, die zur Aneignung einladen. Unser Autor war vor Ort.
Die Wasserstadt Oberhavel war eine der großen Berliner Stadtentwicklungshoffnungen der unmittelbaren Nachwendezeit. Nachdem der erhoffte Bauboom zum Erliegen gekommen war, wurde es in den Nullerjahren ziemlich ruhig wurde um sie. Doch das hat sich mit dem Wohnungsmangel der letzten Jahre gründlich geändert. Die schlechte öffentliche Verkehrsanbindung besteht zwar nach wie vor, doch wer diesen Nachteil in Kauf nimmt und das Wasser liebt, dürfte dem 200 Hektar umfassenden Entwicklungsgebiet beiderseits der Havel im Norden Spandaus durchaus etwas abgewinnen können.
Auf den ehemaligen Industrieflächen wurden und werden seit einigen Jahren mehrere Quartiere realisiert. 13.200 Wohnungen soll es hier laut Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen künftig geben. Rund 1.700 dieser Wohnungen sind im Havelufer Quartier verortet, das Patrizia und Kauri Cab entwickeln. Hinter dem generischen Projektnamen verbirgt sich das ehemalige Gelände der Siemens Luftfahrtgerätewerke, das in den Jahren 1938–42 nach Plänen des Hausarchitekten des Unternehmens, Hans Hertlein, entstand.
Ein gutes Dutzend Neubauten und der Umbau zweier großer Bestandsbauten wurden im Havelufer Quartier (das anfänglich unter dem Namen Carossa Quartier lief) kürzlich realisiert oder stehen kurz vor dem Abschluss. Nur an einzelnen Ecken herrscht noch Baustellenatmosphäre, ansonsten ist der Vermietungsprozess in vollem Gange und das Leben zieht langsam ein; mehrere Bauten sind bereits seit einiger Zeit bewohnt.
Auf den ehemaligen Industrieflächen wurden und werden seit einigen Jahren mehrere Quartiere realisiert. 13.200 Wohnungen soll es hier laut Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen künftig geben. Rund 1.700 dieser Wohnungen sind im Havelufer Quartier verortet, das Patrizia und Kauri Cab entwickeln. Hinter dem generischen Projektnamen verbirgt sich das ehemalige Gelände der Siemens Luftfahrtgerätewerke, das in den Jahren 1938–42 nach Plänen des Hausarchitekten des Unternehmens, Hans Hertlein, entstand.
Ein gutes Dutzend Neubauten und der Umbau zweier großer Bestandsbauten wurden im Havelufer Quartier (das anfänglich unter dem Namen Carossa Quartier lief) kürzlich realisiert oder stehen kurz vor dem Abschluss. Nur an einzelnen Ecken herrscht noch Baustellenatmosphäre, ansonsten ist der Vermietungsprozess in vollem Gange und das Leben zieht langsam ein; mehrere Bauten sind bereits seit einiger Zeit bewohnt.
Taufrisch zeigt sich die Shedhalle im Herzen des Areals, an deren Umbau zum Wohngebäude das Berliner Büro Bollinger + Fehlig Architekten seit 2020 gearbeitet hat. 142 Mietwohnungen mit einer Größe zwischen einem und fünf Zimmern fügten die Planer*innen in die 137 Meter lange, denkmalgeschützten Halle ein. Dafür bauten sie die Dachhaut zurück, erhielt aber Außenwände und Stahlkonstruktion der Halle. In diesen historischen Rahmen setzten sie schließlich drei zweigeschossige Baukörper ein, die wiederum von zwei Gassen in Längsrichtung sowie offenen Treppen und Laubengängen erschlossen werden. Konstruktiv handelt es sich um einen Hybridbau mit Wohnungstrennwänden und Decken aus Stahlbeton sowie Holzrahmenkonstruktion. Wo geschlossene Außenwandflächen der Neubauten auf größere Fensterflächen der historischen Halle trafen, arbeiteten die Architekt*innen mit einer Fassade aus Metallkassetten. Im Inneren benötigte diese aus statischen Gründen teilweise eine eigene Stahlkonstruktion.
Wer durch die Gassen schlendert, fühlt sich ein wenig an historische niederländische Städte erinnert. Große Fenster erlauben direkte Einblicke in die Wohnungen, und hinter vielen Wohnungstüren führen gerade Treppenläufe direkt in das Obergeschoss. Die Aneignung der halböffentlichen Gassen ist unbedingt gewünscht. Dezent wechselnde Bodenbeläge zeigen an, wie weit die Mieter*innen sich vor der eigenen Wohnungstür ausbreiten dürfen. Räumlich ist hier definitiv mehr möglich als nur eine verdruckste Raucherbank aufzustellen. Sogar eine kleine Sitzgruppe oder ein Planschbecken finden hier Platz, während der frei zu haltende Streifen in der Mitte der Gasse überraschend schmal wirkt.
Typologisch arbeiteten die Architekt*innen anfangs mit Townhouses, erklärt Jens Fehlig vor Ort, doch die Bauherrschaft wollte aus immobilienwirtschaftlichen Gründen einen stärkeren Wohnungsmix, der dezidiert auch kleine Wohneinheiten umfasst. Einige Wohnungen verfügen über Dachterrassen. Entlang der Südseite des Bestandsbaus wurde ein Streifen des historischen Kellerbereichs als Souterrain entwickelt, in dem die beiden Schlafzimmer der an dieser Stelle als Maisonetten organisierten Wohneinheiten liegen. Bauphysikalische Herausforderungen beim Einfügen der Wohnungen in die historische Stahlkonstruktion ergaben sich aus der Forderung der zuständigen Denkmalschutzbehörde, den Bestand nicht zu verändern. Wärmebrücken, Dämmung, Dilatation und Brandschutz erforderten so manchen Kompromiss.
Das Ergebnis ist eine mutige Dichte, die nicht nur auf ökonomische Überlegungen zurückgeht, sondern zurecht aus konzeptionellen Gründen immer wieder gefordert wird – die von den Mieter*innen aber auch positiv angenommen und gelebt werden muss. Dass sich das gesamte Projekt – trotz ruhiger Lage am Rand der Großstadt – nach außen abschließt, kann man als Aspekt einer Gated Community kritisieren. Andererseits schafft es einen geschützten Ort für kleine Kinder, die die Freiräume mit ihren Gassen, Treppen und Laubengängen im besten Fall als eine kleine Stadt erleben und im Sommer schätzen dürften.
Im Osten musste der Bestand um sechs Achsen rückgebaut werden, um den notwendigen Freiraum und Platz für die benachbarten Wohnbauten zu erhalten. Hinter der neuen Ostfassade verbergen sich einige Gewerbeeinheiten, die teilweise doppelgeschossige Räume bieten. Schöner ist freilich die Westfassade, die gerade in ihrer Geschlossenheit, mit ihrem fleckigen Putz, den historischen Toren (die nur noch teilweise zu öffnen sind) und den blinden Drahtglasfenstern an die lange Geschichte der Halle erinnert. Diese hat auch ihre dunkle Seite, wie die Eckdaten des Geländes erahnen lassen, auf dem auch Zwangsarbeiter*innen eingesetzt wurden. Die Adresse der Halle, Meta-London-Straße, erinnert an eine dieser Arbeiterinnen, die schließlich in Auschwitz ermordet wurde.
Das Ergebnis ist eine mutige Dichte, die nicht nur auf ökonomische Überlegungen zurückgeht, sondern zurecht aus konzeptionellen Gründen immer wieder gefordert wird – die von den Mieter*innen aber auch positiv angenommen und gelebt werden muss. Dass sich das gesamte Projekt – trotz ruhiger Lage am Rand der Großstadt – nach außen abschließt, kann man als Aspekt einer Gated Community kritisieren. Andererseits schafft es einen geschützten Ort für kleine Kinder, die die Freiräume mit ihren Gassen, Treppen und Laubengängen im besten Fall als eine kleine Stadt erleben und im Sommer schätzen dürften.
Im Osten musste der Bestand um sechs Achsen rückgebaut werden, um den notwendigen Freiraum und Platz für die benachbarten Wohnbauten zu erhalten. Hinter der neuen Ostfassade verbergen sich einige Gewerbeeinheiten, die teilweise doppelgeschossige Räume bieten. Schöner ist freilich die Westfassade, die gerade in ihrer Geschlossenheit, mit ihrem fleckigen Putz, den historischen Toren (die nur noch teilweise zu öffnen sind) und den blinden Drahtglasfenstern an die lange Geschichte der Halle erinnert. Diese hat auch ihre dunkle Seite, wie die Eckdaten des Geländes erahnen lassen, auf dem auch Zwangsarbeiter*innen eingesetzt wurden. Die Adresse der Halle, Meta-London-Straße, erinnert an eine dieser Arbeiterinnen, die schließlich in Auschwitz ermordet wurde.
Bautafel
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- Bollinger + Fehlig
- Tragwerksplanung:
- kevee consulting
- Freianlagen:
- ST raum a.
- TGA:
- Ingenieurgesellschaft W33 (LP 1+2), Planteam Schwarz (LP 3,5,6,7), Carsten Stehlin (LP 5+8), Planungsbüro René Haack (LP 5+8)
- Bauphysik/Akustik und Schallschutz:
- Müller-BBM Industry Solutions
- Brandschutz:
- brandplus
- Bauherrschaft:
- Patrizia SE / Kauri Cab Development Berlin GmbH
- Fläche:
- 16.100 m² Bruttogrundfläche
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Sicherlich kann so etwas auch an einer allzu sparsamen Bauherrenschaft liegen, aber etwas mehr Opulenz und Lässigkeit in der Pflanzverteilung und -verwendung wäre schon drin gewesen. Bleibt zu hoffen, dass die Bewohnerschaft mit Hausrat und eigenen Blumentöpfen etwas mehr Persönlichkeit in die halböffentlichen Räume bringt.
Unbesehen davon erscheinen der Wohnraum und auch der Beitrag als städtebauliche Setzung als Mehrwert für Spandau und seine Bürger. Insgesamt dann doch ein Gewinn.