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21.01.2022

Zwischen Park und Shopping Mall

Bibliothek in Montréal von Chevalier Morales und DMA


Dass Bibliotheken längst nicht mehr nur als Bücherspeicher und statische Bildungsquelle dienen, machen viele jüngere Beispiele deutlich. Treffpunkt, Arbeitsstätte, Veranstaltungsort und Zugang zu multimedialen Angeboten erweitern die Bauaufgabe deutlich. Dass die Planungsstrategie einer neuen Bibliothek gleich von der „pragmatischen Effizienz der Shopping Malls, Bahnhöfe oder Flughäfen“ inspiriert sein soll, ist dann aber doch nur in Nordamerika zu erwarten. In Montréal genauer, ist dort doch mit der Pierrefonds Public Library ein weiteres Exemplar einer multifunktionalen Bildungs- und Begegnungsstätte entstanden. Verantwortlich war das Büro Chevalier Morales Architectes in Zusammenarbeit mit DMA Architectes, beide Montréal.

Die Architekt*innen legten ihrem Entwurf neben pragmatischer Effizienz noch eine weitere Prämisse zugrunde. Sie studierten alte Masterpläne des Stadtteils Pierrefonds-Roxboro, wo sich die öffentliche Bibliothek in zentraler Lage befindet, und stießen auf einen Entwurf für ideale Freiraumplanungen im Quartier. Dieser unterteilte die öffentlichen Flächen gemäß des Alters der Nutzergruppen und deren Aktivitäten in Grünräume, Erholungs- und Spielzonen oder Begegnungsflächen. Das Konzept ließ sich auch auf die Bibliothek übertragen und inspirierte gleichzeitig zu einem starken Außenraumbezug des weitgehend transparent verkleideten Gebäudes.

Der polygonale Grundriss bildet innen wie außen zahlreiche Nischen aus, und ein Innenhof erhöht den Lichteinfall. Der „viel kritisierten Typologie der Shopping Mall“ konnten die Planer*innen einiges Gutes abgewinnen. So übernahmen sie die häufig vorzufindenden, zentral platzierten Begegnungs- und Erholungszonen, die meist von Oberlichtern gekrönt sind. Auch die charakteristischen Verkehrsflächen, die von mehreren Eingängen gespeist werden und bestimmte Laufwege vorgeben, waren Vorbilder. Das Ergebnis sind beispielsweise gekreuzte Treppen, die in verschiedene Richtungen einladen und damit den Nutzer*innen ein eigenständiges Erkunden der Bibliothek nahelegen.

Nicht alle Mall-Charakteristika wurden aber aufgegriffen, klar. Opake Wandflächen sind hier durch Glasfassaden und immense Parkplätze durch viel Grün ersetzt. Auch die Anbindung an den Bestand der bisherigen Stadtteilbücherei, die integriert und saniert werden musste, galt es technisch und gestalterisch zu lösen. So schmiegt sich die neue Struktur um die alte, wobei Innenwände aus erhaltenen Backsteinen die alte Fassadenlinie nachzeichnen. (sab)

Fotos: via Chevalier Morales


Zum Thema:

Ein Plädoyer für mutigere Konzepte im Bibliotheksbau erschien kürzlich in der Süddeutschen Zeitung.   


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