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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Besucherzentrum_von_Niall_McLaughlin_in_Englands_Nordosten_7618827.html

31.05.2021

Zeitgenössisches Mittelalter

Besucherzentrum von Niall McLaughlin in Englands Nordosten


Sogenannte Fürstbischöfe, die geistliche Macht mit weltlicher Herrschaft verbanden, waren historisch gesehen eigentlich ein kontinentales Phänomen. In der nordostenglischen Grafschaft Durham gab es ab dem 11. Jahrhundert aber ebenfalls einen Fürstbischof mit eigenem Territorium. Das zugehörige Durham County diente nämlich als eine Art Puffer-Staat zwischen England und Schottland. Kein Wunder also, dass der historische Bischofssitz in der Stadt Durham zusammen mit der benachbarten Kathedrale als UNESCO-Welterbe zu den wichtigsten Anlagen dieser Kategorie zählt.

Neben dem offiziellen Sitz gab es allerdings mit Auckland Palace im heutigen Nachbarort Bishop Auckland noch eine zweite Residenz der Bischöfe. Auch diese Anlage gehört dank ihres tadellosen Erhaltungszustands heute zu den Attraktionen der Region. Der Palast gehört inzwischen einer Stiftung des Investment-Managers Jonathan Ruffer, die unter dem Namen „The Auckland Project“ nicht nur die Residenz, sondern ebenso den zugehörigen Ort entwickeln will. Das Vorhaben umfasst unter anderem einen Wildpark, Kunstgalerien und Museen für Religion und Bergbau. Als zentrale Anlaufstelle dieser Kulturlandschaft haben Níall McLaughlin Architects (London) im vergangenen Jahr ihren Auckland Tower fertiggestellt.

Der Turm samt niedrigerem Hallenbau steht an der Schnittstelle zwischen Palast und Marktplatz und beherbergt neben Information und Kasse auch einen Shop, Besuchertoiletten sowie Ausstellungsflächen. Konstruktiv kombinieren die Architekt*innen Holzfachwerk und Beton, aber auf eine konsequent zeitgenössische, sprich: reduzierte und abstrahierte Weise. Spitz ragt das offene Skelett des Turms in die Höhe, durchdrungen von Treppen und Balkonen. Das Grau des inneren Kerns aus Beton geht dabei visuell in die graue Oberflächenbehandlung des Lärchenholzes über. Als Referenz für ihre Gestaltungen nennen die Architekt*innen provisorische Holzbauten, wie sie im Mittelalter oft im Umfeld von steinernen Befestigungsmauern zu finden waren.

Das entsättigte Äußere steht in Kontrast zum leuchtenden Inneren, das dank großer Fensterflächen auch auf der Straße deutlich wahrnehmbar ist. Die Dachschrägen der Haupthalle sind hier in Anlehnung an historische Ornamente bunt bemalt und die Böden farbig gefliest. Tickets und Informationen gibt es im Erdgeschoss, während das Obergeschoss als multifunktionale Ausstellungsfläche genutzt wird. Im Betonkern des Turms befindet sich ein Aufzug, so dass auch ein barrierefreier Besuch der Aussichtsplattform möglich ist. (sb)

Fotos: Richard Chivers, Nick Kane


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