Holzmodule im Berliner Regierungsviertel
Baustellenbesuch am Deutschen Bundestag
Im Herzen des Berliner Regierungsviertels entsteht derzeit ein Holzmodulbau für den Deutschen Bundestag. Am 12. April wurden die ersten von insgesamt 460 Modulen montiert, Ende Dezember soll das Haus bezugsfertig sein. Der Entwurf stammt von Sauerbruch Hutton Architekten. Die Umsetzung liegt in der Hand von Primus developments und Kaufmann Bausysteme aus Vorarlberg.
Von Gregor Harbusch
Ein Baustellenbesuch für das Bürohaus Luise beginnt als Werksbesuch in Köpenick. Auf dem riesigen Gelände des ehemaligen Betonwerks Grünau hat die Vorarlberger Holzbaufirma Kaufmann Bausysteme eine Halle angemietet, in der die Module für Berliner Bauprojekte produziert werden. Die Tramhaltestelle heißt noch „Betonwerk“, doch wo zu DDR-Zeiten Großtafeln entstanden, werden heute Raumzellen aus CLT-Fichtenholz montiert. Eingeladen zum Rundgang haben die Projektentwickler Primus developments, die das Bauvorhaben zusammen mit dem österreichischen Holzmodulbauer als Generalübernehmer verantworten. Anfang Mai letzten Jahres entschied das Team ein zweistufiges VgV-Verfahren für sich. Dass die beiden Unternehmen und Sauerbruch Hutton (Berlin) bereits das Studierendenwohnheim Woodie in Hamburg zusammen realisierten, dürfte geholfen haben, die Bauherrschaft des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung BBR zu überzeugen.
Detailliert erläutert Primus-Projektleiter Lorenz Nagel, wie die knapp sieben Tonnen schweren Module mit einer Grundfläche von 3 x 6 Metern montiert und technisch ausgestattet werden. Gedämmt wird konventionell mit 12 Zentimeter starker mineralischer Dämmung. Das Holz stamme aus nachhaltiger österreichischer und deutscher Forstwirtschaft, betont Nagel, das sei bei Kaufmann Standard. Zuschnitt und Produktion der Vollholzplatten und Balken aus CLT-Fichtenholz erfolgt in Österreich. In Berlin werden alle Elemente und die technische Ausstattung – bis hin zum dunkelroten Teppich! – zu Modulen montiert, nur die rund 60 Module mit Spezialnutzungen wie beispielsweise Sanitärbereiche kommen direkt aus Österreich.
Eine betörende Mischung aus angenehmem Holzgeruch und hochgradiger Effizienz prägt die Atmosphäre der Montagehalle. Geschmeidig fahren die Portalkräne hin und her, flott surrend die Akkuschrauber der Arbeiter. Jeder der 14 Arbeitsschritte wird digital angeleitet und dokumentiert, jedes Modul wird durch einen QR-Code erfasst. Am späten Nachmittag werden sechs Module aus Köpenick auf die Baustelle zwischen Marie-Elisabeth-Lüders-Haus und Stadtbahnviadukt gebracht. Die Montage auf der Baustelle beginnt, nachdem die meisten anderen Gewerke ihre Arbeit bereits abgeschlossen haben und zieht sich manchmal bis in den späten Abend, was insofern unproblematisch ist, da diese Arbeitsschritte keinen Lärm verursachen. Bis Mitte Juli sollen alle Module montiert sein.
Sauerbruch Hutton sind mit den Leistungsphasen 1 bis 6 des Projekts beauftragt. Mit Luise haben sie einen sachlich geordneten Bürobau über H-förmigem Grundriss mit sieben Vollgeschossen und einer für das Büro typischen Fassade aus farbig bedruckten Glaspaneelen entworfen. Erdgeschoss und Erschließungskern bestehen aus Stahlbeton, auf einen Keller wurde verzichtet. Der Zugang erfolgt über den südlichen Hof, der nördliche Hof wird durch eine hohe Glaswand von der nahen Bahnstrecke abgeschirmt. 75 Prozent des Materialvolumens seien Holz, erklärt Nagel vor Ort. Er betont, wie entscheidend es sei, den Holzbauer so früh wie möglich und als gleichberechtigten Partner in die Planungen zu involvieren. Primus mache das ab Leistungsphase 1. Das bedeutet freilich auch, dass sich planerische Kompetenzen von den Architekt*innen zur Baufirma verschieben, die wiederum stärker eine Art „Baumeister“ werde, wie man es von früher kennt.
Nur 18 Monate Zeit hat das Projekt von der Auftragsvergabe bis zur Übergabe. Ein solch ambitionierter Zeitplan ist nicht nur wegen der Expertise des Teams möglich, sondern auch, weil alle Beteiligten bis hin zur Bauaufsicht an einem Strang ziehen. Für das BBR ist das Projekt ein Pionierprojekt in Sachen Effizienz und Nachhaltigkeit, das die Vorbildfunktion des Bundes für modulares Bauen unterstreichen soll, betont BBR-Präsidentin Petra Wesseler. Die Gesamtkosten liegen bei 70 Millionen Euro brutto (Kostengruppen 200-700) bei rund 17.100 Quadratmetern BGF und 9.200 Quadratmetern Nutzfläche. Rund 400 Büroeinheiten und Besprechungsräume sind geplant. Welche Abteilungen des Bundes einziehen werden, ist den Planer*innen noch unbekannt.
Sofern der Eindruck auf der Baustelle nicht trügt, dürfte den Beteiligten mit Luise tatsächlich ein überzeugender Bürobau in Rekordzeit gelingen, der eine angenehme Innenatmosphäre zu verströmen verspricht. Programmatische Vorbildprojekte wie Luise setzen bekanntlich Maßstäbe, die die Nachfolger nicht unbedingt halten – aus welchen Gründen auch immer. Man muss sich nur die Bürobauten aus DDR-Zeiten in der näheren Umgebung ansehen, um eine Ahnung davon zu bekommen, dass dem modularen Holzbau die eigentlichen Herausforderungen noch bevorstehen.
so ressourcenschonend ein solcher Neubau im Vergleich auch sein mag....leider bleiben diese Projekte dann architektonisch "unkomplett" um wirkliche Langelebigkeit zu erreichen. Schade
Lassen wir die Materialwahl mal ausser Acht und betrachten die Architektur: Die Baufirma gibt einen vollkomen unflexiblen und in keinster Weise zeitgemäßen Bürobau vor. Das Architekturbüro darf ein wenig buntes Farbspiel auf der Fassade veranstalten. Das Erdgeschoss wird vernagelt und bringt dem öffenltichen Raum genau gar nichts. Städtebaulich keine Aussage zum Außenraum vorhanden. (Gottseidank gibt es in diesem ganzen Trauerspiel aus Regierungsbauten auf der nördlichen Uferseite noch das Futurium )
was man leider auch sieht: abgesehen vom holz sind die baustoffe dann leider immer noch nicht so super: gips, mineralwolle, viele kleber, etc. recyclierbarkeit und wiederlösbare verbindungen nur begrenzt. das ist der romantisierte "baumeister" dann eben auch: erprobte und wirtschaftlichste lösung für den moment. auch hier hätte man als planer zumindest ein bisschen innovativ sein können und bei brandschutz und konstruktion weiterdenken. unterm strich ein belangloses bauwerk, das zu unrecht prominenz durch die beteiligten namen und den standort erfährt.
Den Fertigzellenzwang kennt jeder Entwerfer. Das Ding will dann einfach so und nicht anders sein. Die Mobilität ist die Freiheit die man retten muss. Quer auf dem Parkplatz aufgeklotzt. Schwebend über einer Schattenfuge. Der Boden muss drunter durch gehen. Im lockeren Wald. Es bedarf einer Gegenwelt an der sich die Ordnung reibt, einfach für die Psychohygiene. Hier müsste das Ding selbst Störfaktor sein, der Regierungsschiene von Schulte, das will sie. Es müsste sich wirklich mit keinem wirklich keinem der dortigen städtebaulichen Anlässe gemein machen, so wirklich in seiner Strenge eine Gegenordnung, ein Widerspruch zum Städtebau sein. Dazu hat so ein Ding das Zeug. Es muss anecken wie ein Provisorium, sich allem entfremden, allem widersprechen, allem die Feindschaft erklären, und so die wahre Anarchie des Raums verkünden. Das sprengt das Gesamte und macht es noch größer, universeller. Das ist die Aufgabe. Sauerbruch, Hutton ran.