Krasse Räume
Berliner Museum des 20. Jahrhunderts wird 450 Millionen kosten
Das Museum des 20. Jahrhunderts in Berlin, jener mal als „Hangar“, mal als „Kulturscheune“ bezeichnete Backsteinbau von Herzog & de Meuron (Basel) wird nach aktuellen Berechnungen 450,2 Millionen Euro kosten. Und nicht, wie bislang offiziell angesetzt, 200 Millionen Euro. Mehr als doppelt so teuer also – diese Kostensteigerung bestätigte und verteidigte heute Mittag ein ganzes Komitee bei einer Pressekonferenz. Die fünf Herren an den Rednerpulten, unter anderem Hermann Parzinger von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und der extra eingeflogene Jacques Herzog, hatten recht kurzfristig geladen. Denn schon länger zeichnet sich ab, dass die 200 Millionen, die sich Monika Grütters vom Bundestag für den Museumsneubau am Kulturforum genehmigen ließ, nicht ausreichen werden. Seit ein paar Tagen aber kursieren unterschiedliche Zahlen in den Medien – selbst Kosten von 600 Millionen erwähnte die FAZ am Montag – und mit den Gerüchten kochte auch die Kritik am Museumsneubau für die Hauptstadt wieder auf. Bis hin zur großen Frage, ob man denn überhaupt ein solches Museum bräuchte.
Doch alle Entscheidungsträger halten an der Scheune fest. Das Gebäude, das eine seit Dekaden bestehende städtebauliche Lücke am Kulturforum schließen und zudem einem Großteil der sonst im Depot lagernden Berliner Moderne-Sammlung Präsentationsflächen geben soll, wird gebaut – als Bundesprojekt, denn schließlich zahlt der Bund für die Architektur von Herzog & de Meuron, nicht das Land Berlin oder etwa die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Gestern noch hatte Grütters den neuen Kostenplan dem Haushaltsausschuss des Bundestags vorgelegt. Dieser wird die 450,2 Millionen, die sich aus Baukosten in Höhe von 364,2 Millionen Euro, künftigen Bau- und Indexsteigerungen in Höhe von 52,2 Millionen Euro und Risikokosten in Höhe von 33,8 Millionen Euro zusammensetzen, in seinen Entwurf aufnehmen. „Wir haben die Unterstützung von Finanzminister Olaf Scholz“, sagt Hermann Parzinger. Der Spatenstich soll noch in diesem Herbst erfolgen. Man rechnet mit einer Fertigstellung im Jahr 2026.
Das außen schlicht ausfallende und im Detail hoch komplexe Museumsgebäude von Herzog & de Meuron, das nach einer Überarbeitung des Wettbewerbsentwurfs dichter, nun um zwei Geschosse tief und sehr viel kompakter zwischen den ikonischen Bauten von Hans Scharoun, Mies van der Rohe und der Matthäikirche stehen soll, wird gewiss einige Missstände in der Berliner Kulturlandschaft durch seine Architektur lösen können. Dennoch kann man sich fragen, wie nach der Überarbeitung der Pläne gleich eine Verdopplung der Kosten entstehen kann. Jacques Herzog reagiert auf diese Zahlensprünge entspannt: Seine Architektur spiegele nur die Gesellschaft wider. Und diese wolle nun einmal bestimmte Kunstwerke und bestimmte Bedingungen für diese Kunstwerke. „So ein Museum – das sind krasse Räume.“ Ein Großteil der Kosten entstehe allein durch die Haustechnik und die Schaffung der notwendigen klimatischen Erfordernisse für die Kunst, das habe „nichts mit teuren Materialien wie einem vermeintlich edlen Backstein zu tun.“ (sj)
Eigentlich eine latente Berufskrankheit der Architekten. Wie wäre es mal endlich mit einer aufgeklärten Moderne, dem Bewusstsein dazu warum wir was tun. Keine Angst der Zauber bleibt, wird noch tiefgründiger. Es entstehen so Konzepte die das gesehene, die Architektur auf eine noch höhere Umlaufbahn heben, quasi ein Booster. eine art konzeptkultur oder Konzeptkunst. Vieles entsteht erst im Dialog, wie hier. Warte darauf
Im Studium habe ich mal von materialgerechtem Bauen gehört: wer hält die Backsteindekoration auf der Unterseite der Dachschrägen fest? Wie ist das Backsteindach abgedichtet? Wie sieht die Fassade mit vorspringenden Steinen nach einem Jahr aus? Flecken, Aussalzungen? Wer entfernt jedes Jahr das Moos auf den auskragenden Backsteinen und die Vogelnester?
Lieb(e/er/es) T.C., Beim Begriff Neoliberalismus handelt es sich um einen Euphemismus, der gar nichts mit freien Märkten zu tun hat. Neoliberalismus favorisiert die Deregulation des Marktes zu Gunsten weniger Grosskapitalisten bei gleichzeitiger politischer Unterdrückung der gemeinen Öffentlichkeit durch autoritäre bzw. faschistoide Systeme. Googeln sie mal Friedrich von Hayek und Ernesto Pinochet. Und wie der an die Macht kam. Auch Deutschland ist Teil eines solchen Systems, die negativen Aspekte sind lediglich geschickt outgesourced: Unser Wohlstand, bzw. die Ressourcen für diesen, werden weltweit durch völkerrechtswidrige Kriege, an denen wir durch NATO und EU beteilgt sind, räuberisch zusammengetragen. Und zu Hause wird das Prekariat durch Hartz-IV-Sklaverei in Schach gehalten. Dieses Gebäude ist allein durch seine Kosten Ausdruck einer solchen Geselschaft. Milliarden werden für die Repräsentation der Wenigen verschleudert, während die Vielen sich nicht mal ein Dach über dem Kopf leisten können.