gmp statt Niemeyer
Baubeginn für Schwimmbad in Potsdam
Heute ist der erste Spatenstich für das Sport- und Freizeitbad am Potsdamer Brauhausberg. Auf diesem Grundstück wollte einst die Stadtpolitik nach den Sternen greifen und sich um jeden Preis mit einem wenig inspirierten Entwurf des als Stararchitekten apostrophierten Oscar Niemeyer schmücken. Das scheiterte 2006, und so wurde nach einem Bürgerentscheid im Jahr 2012 ein Wettbewerb durchgeführt, den die Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp) 2013 gewonnen haben (Entwurf: Volkwin Marg und Hubert Nienhoff mit Kristian Spencker).
Die Architekten haben das Gebäude als „Skulptur“ konzipiert, an deren Volumetrie sich die Funktionen im Inneren klar ablesen lassen sollen. Große Öffnungen machen Bereiche wie Foyer, Gastronomie, Sport- und Freizeitbad im öffentlichen Raum erlebbar. Sauna und Wellnessbereich sind hingegen als privatere Bereiche im geschlossenen Massiv des Obergeschosses untergebracht. Die Dachlandschaft mit einem gestalteten Einschnitt für Saunagarten und Außenschwimmbecken soll die fünfte Fassade des Gebäudes bilden, die vom Brauhausberg aus sichtbar ist.
Der Besucher betritt das Bad über eine verglaste zweigeschossige Eingangshalle. Über diese werden das Eingangsfoyer, das Bistro im Erdgeschoss und die Zuschauertribüne des 50-Meter-Sportbeckens im 1. Obergeschoss erschlossen. Eine sogenannte „Magistrale“ und darin eingebundene Treppen und Aufzüge erschließen das Sport- und Freizeitbad im EG, die Gastronomie im 1. OG und die Saunalandschaft im 2. OG. Dem in seinen Dimensionen vorgegebenen Sportbad steht ein Freizeitbad als geschwungene Wasserlandschaft gegenüber.
Das neue Bad entsteht für 36 Millionen Euro direkt neben dem aus DDR-Zeiten stammenden alten Hängedach-Bad von 1971 und soll Ende 2016 fertig sein. Danach soll das alte Schwimmbad abgerissen und durch Wohnbauten ersetzt werden. (-tze)
Ich wünsche mir langsam wieder die Gründerzeit-Architektur zurück.
Immer mehr wunderbare Kisten überschwemmen Deutschland - ein Armutszeugnis! Die Kiste mag bei manchen Bauaufgaben richtig sein. Bei öffentlichen Bauten wird dieser permanente Standard aber zum Kennzeichen für die Einfallslosigkeit und zunehmende Ödnis in der deutschen Architektur. Sehr schade.
Diese Entscheidung gegen Niemeyer ist genauso schwachsinnig wie die Versuche des Potsdam-Institutes für Klimafolgenforschung auf die Ergebnisse des maßgeblich von Niemeyer inspirierten UN-Welt-Umweltgipfels von Rio de Janeiro 1992 einzuwirken.