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18.02.2022

Schiffswerft Laubegast

Barcode Architects entwickeln Dresdner Industriedenkmal


Die Schiffswerft Laubegast am linken Elbufer ist die letzte verbliebene Werft in Dresden. Zwischen 1889 und 1945 wurden hier 125 Schiffe gefertigt, darunter 51 Raddampfer für die Sächsisch-Böhmische Dampfschiffahrts-Gesellschaft. Während des Zweiten Weltkriegs stellte der Betrieb auf Rüstungsproduktion um. In der DDR widmete sich die zum VEB umgewandelte Werft anfangs der Schiffsreparatur und begann etwa ab 1958 mit dem Bau neuer Schiffe. Seit der Privatisierung durch die Treuhand 1991 wechselte die Werft mehrfach den Besitzer, ungefähr im Zehn-Jahres-Rhythmus meldeten die Betreiber*innen Insolvenz an.

2019 wurde die Werft vom Berliner Investorenteam Richert & Co. Immobilien GmbH übernommen, das nach eigener Aussage schwerpunktmäßig in Sachsen aktiv ist. Die neuen Eigentümer wollen den Schiffsreparaturbetrieb erhalten und zugleich Teile des Industriedenkmals unter dem Namen Werft Laubegast zu einem zeitgemäßen Arbeitsumfeld und Publikumsmagneten entwickeln. Im März 2021 initiierten sie eine als „konkurrierende Entwurfswerkstatt“ bezeichnete Mehrfachbeauftragung für den Neubau einer Produktions- und Werkhalle sowie eines Bürogebäudes auf dem Werftgelände. Insbesondere sollten die teilnehmenden Planer*innen auf die Eingliederung in das historische Ensemble, Nutzungsflexibilität, Nachhaltigkeit der Konstruktion sowie auf eine starke, auch vom gegenüberliegenden Elbufer aus erlebbare Außenwirkung achten.

17 internationale Architekturbüros waren eingeladen, sechs davon beteiligten sich. In der zweiten Phase des Verfahrens konnte sich der Entwurf von Barcode Architects aus Rotterdam durchsetzen. Einstimmig wählte die Jury unter Vorsitz von Mikala Holme Samsøe die Einreichungen von AFF Architekten (Berlin) und Charles-Henri Tachon (Paris) auf den zweiten bzw. dritten Rang. In der zweiten Phase ausgeschieden waren Leinert Lorenz Architekten (Dresden), Peter Zirkel Architekten (Dresden) sowie Schoener und Panzer Architekten (Leipzig). Interessanterweise ist das Werftprojekt bereits der zweite Erfolg des Rotterdamer Büros in der Elbmetropole innerhalb kurzer Zeit: Im Januar vergangenen Jahres hatten sie gemeinsam mit Tchoban Voss den wettbewerblichen Dialog zum neuen Verwaltungszentrum auf dem Dresdner Ferdinandplatz gewonnen.

Laut Jury nehme sich der Siegerentwurf von Barcode Architects mit seinen zwei Geschossen angenehm vor dem Industriedenkmal zurück und mache zugleich neugierig. Die Idee des langen, niedrigen Baukörpers, der sich bis in den Elbraum erstreckt, sei in der Überarbeitungsphase noch gestärkt worden. Dass das in Holzbauweise geplante Gebäude zudem durch halbrunde Aussparungen Raum für den Baumbestand schaffe, falle positiv ins Gewicht. Auch die räumlichen Abfolgen und Nutzungsvorschläge beider Etagen überzeugten. Die Jury regte an, die intensive Dachbegrünung zu überdenken, da sie zu Lasten von notwendigen Flächen für Solarthermie und Haustechnik ginge. Die Kellerlage der Technikräume im Hochwassergebiet sei kritisch, eine Verlegung auf das Dach zu empfehlen. Zudem solle die gewerbliche Nutzung stärker gewährleistet werden – etwa durch Werkstätten mit hohen Räumen und für schwere Lasten im Erdgeschoss.

Der zweitplatzierte Vorschlag von AFF Architekten setze sich laut Jury angemessen mit dem Ort auseinander. Die Orientierung des Gebäudes und die teilweise Integration der vorhandenen Struktur sei treffend gewählt. Die auch programmatisch an die historischen Industriearchitektur anknüpfende Stapelung der verschiedenen Nutzungseinheiten spaltete hingegen die Juror*innen. Teils wurde der Wunsch geäußert, die Themen zwecks eines ruhigeren Gesamtbildes um ein Motiv reduzieren, teils wurde gerade in der Vielfalt der Reiz des Entwurfes ausgemacht. Positiv hervorgehoben wurden der klar strukturierte Grundriss, der mit seinen zwei Kernen durchdachte und flexible Nutzungen zulasse, und der markante, offene Sockel.

Dem fensterlastigen, um einen Kern mit Lastenaufzügen und Atrium organisierten Entwurf Tachons auf dem dritten Platz bescheinigt die Jury Poesie, Übersichtlichkeit und Beweglichkeit der Räume. Der Wintergarten und die vorgelagerte Terrasse am Elbufer stellten eine sensible Verbindung zum geschützten Landschaftsraum her. Hinsichtlich seines Maßstabs, der Einpassung in den Ort sowie der Metalldoppelfassade blieben jedoch auch nach der Überarbeitung noch zu viele Fragen offen.

Die Kosten für das Verfahren beliefen sich auf 180.000 Euro. Für die Entwicklung des neuen Werftgebäudes, das auch mittels Gastronomie mehr Leben auf das Laubegaster Areal bringen soll, wollen die Investoren einen unteren zweistelligen Millionenbetrag aufbringen. (kms)


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1. Rang: Barcode Architects, Rotterdam

1. Rang: Barcode Architects, Rotterdam

2. Rang: AFF Architekten, Berlin

2. Rang: AFF Architekten, Berlin

3. Rang: Charles-Henri Tachon Architecture, Paris

3. Rang: Charles-Henri Tachon Architecture, Paris

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