Möglichkeitsraum
BDA zeigt Entwürfe zum Kulturforum in Berlin
Der BDA Berlin bewegt sich. Gestern wurden in der Galerie in der Mommsenstraße nicht nur vierzig Entwürfe zur Zukunft des Kulturforums gezeigt, sondern auch darüber diskutiert (BauNetz-Meldung zur Ankündigung). Die Veranstaltung war von den Mitgliedern Andrew Alberts, Armin Behles und Heike Hanada initiiert worden, sie ist ein erster Schritt in die Öffentlichkeit, mit dem der BDA seine Ideen in den Diskurs um wichtige Orte in Berlin einbringen will. Es soll gezeigt werden, dass man sich an neuralgischen Punkten in der Stadt nicht auf die Entscheidungen von außen verlassen will, sondern selbst Substantielles beizutragen hat. Das darf auch auf dem Format der „klassischen Papierserviette“ erfolgen, denn die Ausstellung beweist, dass dieses Format durchaus funktioniert – führt die Beschränkung doch zum Verzicht auf allzu suggestive Renderings und dafür vielmehr zur prägnanten Formulierung der eigenen Idee.
Tatsächlich haben vierzig Kollegen einen Beitrag abgegeben, eine Auswahl daraus wurde von einer illustren Kritikerrunde diskutiert und vorgestellt. Abwechselnd auf deutsch und englisch waren das Adam Caruso, Wilfried Kuehn, Axel Sowa und nicht zuletzt – als tatsächlicher Nutzer des Ortes – der Direktor der Kunstbibliothek Berlin, Moritz Wullen, der uns auf das „Blickachsenproblem“ des Kulturforums hinwies.
Schnell wurden Kategorien für die Art der Beiträge gefunden: Es gab diejenigen, die das Forum durch bauliche Eingriffe fassen wollten, wie beispielsweise Eike Becker, der große „Eiskristalle“ vorschlug. Einige wollten gar nichts verändern – außer unseren Blick auf das Bestehende–, wie Verena von Beckerath, die ein aus ungewöhnlichem Winkel aufgenommenes Foto abgab, das das Kulturforum wie von einem Wald zugewachsen erscheinen ließ. Oder Christian Fuchs, der die provisorische „Alibar“ (einen Kiosk) auf dem Forum thematisierte. Auch einer der Kritiker, Adam Caruso, plädierte für wenig Veränderung. Er schlug vielmehr vor, die Foyers der bestehenden Gebäude länger offen zu halten. Im Moment werde man schließlich von „nicht sehr höflichen Menschen“ sofort nach Aufführungsschluss aus den Gebäuden gescheucht.
Für Kontroversen sorgten auch jene Vorschläge, die sich mit der Bewegung auf dem Forum auseinandersetzten: Es gab die „Entschleuniger“, die dem Fließraum des Forums große, rechtwinklige Plätze hinzufügten, oft über Stufen abgesenkt, wie beispielsweise Gesine Weinmiller oder Thomas Dietzsch, letzterer mit einer unter Bodenniveau angelegten Kunsthalle. Auch die von Andreas Oevermann vorgeschlagene kreisrunde Absenkung des Forums als eine Art Auditorium ging in eine vergleichbare Richtung.
Das andere Extrem waren die Beiträge, die die Bewegung auf dem Forum unterstrichen und dafür ein Freihalten des Raums befürworteten. Der radikalste Vorschlag kam dabei von Matthias Seidel, der einen „shared space“ vorschlug, eine offene Fläche, auf der sich alle Verkehrsteilnehmer frei bewegen können. Dafür machte sich der konsequent englisch sprechende Wilfried Kühn stark. In eine ähnliche Richtung bewegten sich auch die Vorschläge, die die Scharoun’sche Idee der Stadtlandschaft wörtlich nahmen und parkartige Strukturen propagierten, wie Vater und Sohn Gottfried und Peter Böhm mit einer Lennée-ähnlichen Bepflanzung, sowie die Beiträge von Urs Füssler oder Ludloff + Ludloff.
Auf die Geschichte des Kulturforums und eine theoretische Annäherung zielte schließlich der Beitrag von Tobias Engelschall, der – in Anlehnung an die Darstellungen von Colin Rowe in Collage City – Grundrisse markanter Projekte in den „Schwarzplan“ des Kulturforums integrierte.
Insgesamt war es eine gelungene Veranstaltung, die den Teilnehmern nicht nur eine lebhafte Diskussion über den Umgang mit diesem Ort „gescheiterter Utopien“ bescherte, sondern die BDA-Galerie weg vom „Wirklichkeitsraum“, in dem hauptsächlich realisierte Projekte gezeigt werden, hin zum „Möglichkeitsraum“ der Architektur positionierte. Gerade angesichts des Wegzugs eines der letzten Westberliner „Ankerpunkte“, der Galerie „Aedes Land“ (BauNetz-Meldung), könnte so im Westen der Stadt tatsächlich ein lebendiger Treffpunkt entstehen, der zur Auseinandersetzung mit aktuellen architektonischen und städtebaulichen Fragen der Stadt einlädt.
Cordula Vielhauer
Ausstellung Kulturforum. 40/40 unter www.bda-berlin.de
der Ehre halber sei gesagt, dass sich unser Beitrag zum Kulturforum einem Autorenteam verdankt. Zu nennen sind unbedingt Nicolas Pomränke und Heinrich Wähning.
Herzliche Grüße,
Andreas Oevermann
Mein Vorschlag:
- Karajan-Straße zurückbauen,
- einen kleinen Platz vor der Kirche anlegen,
- die Grünanlagen aufwerten,
UND
- warten was die nächste Generation daraus macht - vielleich hat sie ja kein Problem damit den ganzen Krempel abzureissen.
P.S. Liebe Theresa, Du drückst dich undiplomatisch, nicht politisch korrekt - auf Deutsch ehrlich aus - bleib bitte so. Eine Bome ist in diesem verbalen Zusammenhang ja kein Sprengsatz mit dem man Menschen tötet, sondern die Lust radikaler vorzugehen, als immer nur vom behutsamer Veränderung zu sprechen.
"das wird nie was werden" impliziert doch die Frage, was es denn werden soll? Und dass so viele Kollegen sich hier mit Leidenschaft und Kompetenz engagieren - statt nur selbstmitleidg zu seufzen - , ist doch ausgesprochen erfreulich. Dass man durchaus auch völlig "verkorksten" und veralteten städtischen Situationen zu neuem Glanz und Qualität verhelfen kann, hat zuletzt ja u.a. die Neugestaltung der Uferpromenade in Benidorm gezeigt (um nur ein Beispiel zu nennen). Wer sich als Architekt mit "es ist und bleibt" zufrieden gibt, hat vielleicht nicht ganz den richtigen Beruf gewählt.
Ich finde es unbegreiflich wie man vor dem Absenden eines Kommentars sowenig nachdenken kann, dass man sich in heutigen Zeiten (und sei es auch noch so ironisch gemeint) ein klitzekleines Bombenattentat wünscht um städtebauliche Probleme zu klären. UNFASSBAR!
Kommentare wie dieser (oder auch der von Fussball-Kaiser-Franz, der mit ähnlichen Mitteln vor einigen Jahren die Frage ob Behnischs Olympia-Stadium als Fussball-Arena geeignet sei, lösen wollte) schiessen den Verfasser ins Aus und helfen keineswegs weiter in einer Baukulturellen Debatte. Radikale Vorschläge sind etwas anderes als diese Plattheiten!
Erfreulich, dass in guter Stegreif-Manier einige Kollegen Beiträge erstellt haben.
Bleibt zu hoffen, dass dies nicht nur Papierarchitektur bleibt, sondern eine Prozess anstösst / weitertreibt.