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25.02.2019

Der Toskana entkommen

BDA Preis Bayern 2019 verliehen


Es war eine Überraschung, die zugleich als Leitmotiv für den gesamten Abend hätte stehen können: Der Preis der Jury des BDA Bayern ging in diesem Jahr nicht an ein gebautes Projekt, sondern erstmalig an eine studentische Abschlussarbeit. Matthias Richter nimmt in „Was ist schön?“ den längst auch im Münchner Umland allgegenwärtigen Toskana-Stil zum Anlass für eine Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Verantwortung des Berufsstands. Anstatt sich also nur gegenseitig zu den wenigen gelungenen Bauten der letzten Jahre zu gratulieren, räumte man beim feierlichen Festakt am vergangenen Samstag auch der alltäglichen Realität des Bauens in Deutschland einen Platz ein. Das lehrt Bescheidenheit, sollte dem Berufstand aber ruhig auch weiterhin als Motivation für eine verstärkte Auseinandersetzung mit der Öffentlichkeit dienen.

Der Abend durfte allerdings auch deshalb als gelungen gelten, weil Matthias Richters Idealismus bei den schließlich prämierten Projekten auf einen besonders starken Jahrgang traf. Mit der Parkplatzüberbauung am Dantebad – Preisträger in der Kategorie Wohnungsbau – zeigen Architekt Florian Nagler und die Wohnungsbaugesellschaft Gewofag, wie sich die gegenwärtigen Bauaufgaben bei allen Herausforderungen trotzdem ästhetisch gelungen lösen lassen. Und die in der Kategorie „Bauen für die Gemeinschaft“ ausgezeichnete Erweiterung der Maria-Ward-Schule in Bamberg von Peck.Daam Architekten demonstriert, dass eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit – hier die UNESCO-ausgezeichnete Altstadt – nicht in einer Fake-Historizität resultieren muss. Dies gilt natürlich auch für die Burghofschließung in Röttingen von Schlicht Lamprecht Architekten, die den Preis in der Kategorie „Bestand/Denkmal“ erhielt.

Interessant im Sinne von „Was ist schön?“ war zudem, dass das Kirchenzentrum Seliger Pater Rupert Mayer in Poing von Meck Architekten den Preis in der Kategorie „Besondere Bauten“ erhielt. Poing, im östlichen Münchner Speckgürtel gelegen, reagiert auf den steten Zuzug aus München mit einer Neuordnung des Ortszentrums, zu dem auch die Kirche gehört. Dass der Ort mit dem bei mehreren Leserwahlen siegreichen Fertighaus „MH Poing 187“ selbst ein Zentrum des Toskana-Stils ist? Geschenkt, denn so entsteht hier immerhin eine ästhetisches Gleichgewicht. Von der durchaus erreichbaren Schönheit des Alltäglichen zeugt wiederum der Preisträger in der Kategorie „Gewerbe- und Verwaltungsbau“: Das Wertstoff- und Straßenreinigungsdepot Nord in Augsburg von Knerer und Lang .

Den Jury-Mitgliedern Roland Bondzio, Uta Gelbke, Katja Knaus, Sigurd Larsen und Angela Mensing-de Jong oblag außerdem die Aufgabe, bei den Nachwuchsarbeiten – mit der bei allen Kategorien größten Anzahl an Einreichungen – einen Gewinner zu küren. Der Preis ging schließlich an Julian Kerkhoff für den Entwurf einer Kelterei, der bei Professorin Uta Graff an der TU München entstand. Hier wurde nicht nur die Gestaltung gelobt, sondern auch die materialgetreuen Modelle, die das Projekt zugleich zu einer Studie mache.

Durch den feierlichen Festakt in der Alten Kongresshalle führte mit Amandus Samsøe Sattler der Kurator des diesjährigen bayerischen BDA-Preises. Die BDA-Landesvorsitzende Lydia Haack konnte sich nicht nur über die prämierten Projekte freuen, sondern auch über die allgemeine Qualität der 135 Einreichungen und die äußerst zahlreich erschienenen, fast 400 Gäste. Wie bei allen BDA-Preisen sind die bayerischen Gewinner auch für den Bundespreis „Große Nike“ nominiert, der am 25. Mai beim BDA-Tag in Halle vergeben wird.

Im Rahmen der Preisverleihung wurden von Fritz Auer schließlich noch die bayerischen Nominierungen für die „Klassik Nike“ vorgestellt: Die Architekturschule in München von Adolf Peter Seifert, Franz Ruf und Rolf ter Haerst und der teilmoderne Wiederaufbau des Pellerhauses in Nürnberg von Fritz und Walter Mayer. Sich mindestens drei Jahrzehnte zu bewähren – so die Voraussetzung für eine Nominierung –, das dürfte vielen der Toskana-Bauten eher schwerfallen. Bei denen droht dann vermutlich schon wieder der Abriss, was das Thema nicht nur zu einer ästhetischen, sondern auch zu einer ökologischen Frage macht. (sb)


Zum Thema:

BauNetz ist Medienpartner des BDA-Preis Bayern. Folgende weitere der ausgezeichneten Projekte sind im BauNetz zu finden: Bellevue di Monaco in München von hirner+riehl, Hotelanlage in Garmisch-Partenkirchen von Beer Bembé Dellinger, Haus M5/2 in Berg von Beer Bembé Dellinger.

Die letzten Ausgaben des BDA Preis Bayern finden Sie hier: 2016, 2013, 2010.

Mehr über die Arbeit von Matthias Richter: www.wasistschoen.com.


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Preis der Jury: „Was ist schön?“ von Matthias Richter, entstanden an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Prof. Carlo Baumschlager

Preis der Jury: „Was ist schön?“ von Matthias Richter, entstanden an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Prof. Carlo Baumschlager

Eine der vielen Fertighaus-Villen, mit denen sich Matthias Richter im Rahmen von „Was ist schön?“ beschäftig hat.

Eine der vielen Fertighaus-Villen, mit denen sich Matthias Richter im Rahmen von „Was ist schön?“ beschäftig hat.

BDA Preis Bayern 2019 (Wohnungsbau): Parkplatzüberbauung am Dantebad von Florian Nagler mit terra.nova Landschaftsarchitektur, Bauherr: Gewofag

BDA Preis Bayern 2019 (Wohnungsbau): Parkplatzüberbauung am Dantebad von Florian Nagler mit terra.nova Landschaftsarchitektur, Bauherr: Gewofag

BDA Preis Bayern 2019 (Bauen für die Gemeinschaft): Erweiterung der Maria-Ward-Schule in Bamberg, 2017 von Peck.Daam Architekten mit grabner huber lipp (Landschaftsarchitektur), Bauherr: Erzbischöfliches Ordinariat, Bamberg

BDA Preis Bayern 2019 (Bauen für die Gemeinschaft): Erweiterung der Maria-Ward-Schule in Bamberg, 2017 von Peck.Daam Architekten mit grabner huber lipp (Landschaftsarchitektur), Bauherr: Erzbischöfliches Ordinariat, Bamberg

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