Tessiner Tendenzen
Ausstellung in Zürich
Eine Ausstellung über eine Ausstellung: Ist das nicht etwas viel akademische Metaebene? Keineswegs, wenn die Ausstellung, die man ausstellt, eine wirklich wichtige Ausstellung war. Und das war die 1975 an der ETH Zürich gezeigte Schau „Tendenzen. Neue Architektur im Tessin“ unbedingt. Denn in ihr wurden die später berühmt gewordenen Erneuerungsbewegungen der Architektur im italienischsprachigen Kanton im Süden des Landes seit den späten 1950er Jahren auf eine so pointierte Weise dargestellt, dass die Schau geradezu legendär wurde. Zehn Jahre tourte sie durch die Schweiz und Europa.
Kuratiert von Martin Steinmann und gestaltet von Thomas Boga, kam „Tendenzen“ wohl einfach zum richtigen Zeitpunkt, um frischen Wind in die Architektur der Schweiz (und die Lehre an der ETH Zürich) zu bringen. Sie bündelte aktuelle Positionen, die längst zum architekturhistorischen Kanon zählen und das Tessin bis heute zu einem Ort machen, den alle an Architekturgeschichte Interessierten bereist haben sollten. Denn hier zeigten sich entwerferische Ansätze jenseits postmodern historisierender Strategien, die man heute unter dem Begriff Tendenza subsumiert.
Zu den wichtigsten Vertreter*innen der Tendenza zählen Mario Botta, Giancarlo Durisch, Aurelio Galfetti, Flora Ruchat-Roncati, Luigi Snozzi und Livio Vacchini. Sie praktizierten damals ein Entwerfen, das von Kontext und Geschichte ausging und dabei doch immer wieder zu konzeptionell und formal überraschend strengen Lösungen fand. Die Tendenza beeinflusste die Schweizer Architektur stark und darf sicherlich als ein Faktor gelten, warum diese seit Jahrzehnten international Maßstäbe setzt. Anlässlich einer großen Ausstellung in Paris widmeten wir der Tendenza 2012 eine BauNetz WOCHE.
Ab Mittwoch, 5. März 2026, kann man sich im Ausstellungsraum des Instituts für Geschichte und Theorie der Architektur gta an der ETH Zürich intensiv mit der Tendenza beschäftigen. Um 18 Uhr eröffnet die von Irina Davidovici (Leiterin gta Archiv) und Architekturhistorikerin Frida Grahn kuratierte Ausstellung „Tendenzen at 50: Portrait of an Exhibition“. Sie schöpft aus den reichen Beständen des gta Archivs und blickt nicht nur auf die damals gezeigten Entwürfe, sondern denkt auch über Rezeption und Kommunikation von Architektur im Medium Ausstellung nach.
Neben archivarischen Materialien gibt es Fotos von Stefano Graziani sowie ein Modell der Ausstellung von Studio Christ & Gantenbein zu sehen. Begleitet wird die Ausstellung von vier Veranstaltungen in englischer Sprache:
- Mittwoch, 25. März 2026, 18 Uhr: Communicating Architecture. A Roundtable on Mediatization
- Mittwoch, 15. April 2026, 18 Uhr: Preserving Culture. A Roundtable on Heritage and the Archive
- Dienstag, 21. April 2026, 12.30–14 Uhr: Architecture and Photography. Lunchtime talk by Stefano Graziani
- Dienstag, 5. Mai 2026, 18 Uhr: Finissage: The Catalogue as Paper Apparatus
Eröffnung: Dienstag, 3. März 2026, 18 Uhr
Ausstellung: 4. März bis 8. Mai 2026
Ort: Stefano-Franscini-Platz 5, Gebäude HIL, Raum D 57.1, 8093 Zürich
(gh)