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09.09.2011

Ernst Neufert

Ausstellung in Darmstadt zu Leben und Werk


Zum Beginn des Studiums rieten die Entwurfsprofessoren ab, den „Neufert“ zu benutzen: Eine „Bauentwurfslehre“ sei per se absurd. Dennoch kursiert der „Neufert“ in den Zeichensälen und Büros. Dass sein Autor schon unter den Nazis erfolgreich war, wurde schnell bekannt. Dass er in den Goldenen Zwanzigern Büroleiter bei Walter Gropius war, schon weniger. Und das Wissen, dass er nach dem Krieg mit bedeutenden Bauten hervorgetreten ist, blieb häufig auf die Region Darmstadt beschränkt.

So geben Sanierung und Umbau der Wasserbauhalle in Darmstadt von Neufert den Anlass, eine Ausstellung im Rückblick auf das Leben und Werk des ehemaligen Professors der Architekturfakultät der TH Darmstadt zu präsentieren.

Im Jahr 1900 geboren, studierte Neufert ab 1919 bei Walter Gropius am Bauhaus in Weimar, war ab 1922 bereits Bauleiter auf dessen Baustellen und ab 1925 am Neubau des Bauhauses in Dessau beteiligt. Seit 1926 Professor und Leiter der unter Otto Bartning neu gegründeten Bauhochschule in Weimar, wurde er 1930 durch die nationalsozialistische Regierung Frick entlassen, war weiterhin als freier Architekt und zur Vorbereitung einer grundlegenden „Bauentwurfslehre“ tätig.

Dieses 1936 erschienene Grundlagenwerk machte den Architekten weltweit bekannt. 1938 wurde er von Albert Speer, Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt Berlin, zum Beauftragten für Normungsfragen ernannt und nach Hitlers Erlass zur Vorbereitung des Wohnungsbaus nach dem Kriege mit der Untersuchung von Wohnungstypen und Luftschutz im Städtebau beauftragt. Daneben war er vorwiegend als Industriearchitekt tätig, ab 1943 auch Mitglied in Speers Arbeitsstab Wiederaufbauplanung.

Seit 1946 ordentlicher Professor an der Technischen Hochschule Darmstadt, prägte Neufert als Hochschullehrer, Architekt und international renommierter Autor der in vielen Sprachen weltweit verbreiteten „Bauentwurfslehre“ das Profil der Architekturfakultät. Zudem setzte er als Industriearchitekt durch seine vielfach publizierten Bauten bemerkenswerte Zeichen des Wiederaufbaus im Westen Deutschlands und hinterließ durch seine Entwürfe für das Ledigenwohnheim an der Mathildenhöhe und die Neubauten der Technischen Hochschule im Stadtbild Darmstadts seine Spuren; seine Industriebauten prägen das Bild der Region.

Die 1954/55 errichtete Wasserbauhalle gehört zu den bedeutendsten Werken Neuferts und kennzeichnet die hohe Qualität der Hochschulbauten Darmstadts nach dem Krieg.

Eröffnung: Freitag, 23. 9. 2011, 18 Uhr
Ausstellung: Samstag, 24. 9. bis Samstag, 22. 10. 2011, Di-Fr 14-18 Uhr, Sa/So 10-18 Uhr
Ort: Ernst-Neufert-Halle, Rundeturmstraße 1, 64283 Darmstadt


Zum Thema:

www.gta.architektur.tu-darmstadt.de

Ein Gebäude von Neufert aus den 1950er Jahren im Baunetz Wissen


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