Über dieses kleine Projekt berichteten wir bereits 2016: Damals hatte ein Leipziger Judoverein in einem Industriegebiet im Südosten der Stadt ein ehemaliges Heizhaus günstig erworben und es nach Entwürfen von Schoener und Panzer Architekten (Leipzig) mit geringen Mitteln zur Trainingshalle umbauen lassen.
Der DDR-Typenbau aus den 1960er-Jahren wurde 2016 mit einer Innendämmung an den Wänden versehen, während die charakteristische Kassettendecke aus Fertigteilen mit Oberlichtern und Betonträgern durch eine Außendämmung sichtbar bleiben konnte. Bereits ein Jahr später folgte neben dem Haupteingang ein eingeschossiger Anbau für die Umkleiden, Sanitärbereiche und einen kleinen Kraftraum. Das Projekt wurde 2017 mit dem Architekturpreis der Stadt Leipzig und 2019 mit einer Anerkennung beim BDA-Preis Sachsen ausgezeichnet.
Nun führte das kontinuierliche Wachstum des Vereins zu einem weiteren Anbau, wiederum durch Schoener und Panzer. Da das Grundstück aber keine größere Ausbreitung zulässt, wurde die neue Trainingshalle samt Nebenräumen auf den eingeschossigen Anbau gesetzt – allerdings quer und auf ein zusätzliches, leicht abgerücktes, schmales Erschließungsbauwerk gestützt. So sind ein kleiner Hof und eine überdachte Durchfahrt entstanden, die als Eingang zum Gelände des Judovereins fungiert.
Zur besseren Auffindbarkeit dieser Eingangssituation mitten im Gewerbegebiet tragen die feuerrot gestrichene Metalltür und das in die Betonfassaden eingeprägte Vereinswappen bei. Wobei rote Eingänge auch bei den Nachbarn Tradition zu haben scheinen, wie sich beim Blick auf die Fotos zeigt. Die Aufstockung selbst wurde als Holzbau ausgeführt, der auf einem Stahlrost über dem älteren Anbau ruht. Die Holzkonstruktion bleibt im Inneren der Halle sichtbar, was mit den Fichtensperrholzplatten korrespondiert, die beim Umbau des Heizhauses eingebracht wurden. Ein flächenelastischer Linoleum-Schwingboden lässt laut Büro die Nutzung der neuen Halle für unterschiedliche Sportarten zu.
Das ungewöhnliche Äußere der Aufstockung erklären die Architekt*innen mit der Suche nach unkonventionellen Lösungen, die das Low-Budget-Projekt von Anfang an begleitet hätten. Denn die an einen Barcode erinnernde Fassade besteht aus Trockenbauprofilen: Die verzinkten UA-Stahlprofile sichern die blaue Unterspannbahn, die den Holzbau wetterfest umschließt. Die auf Höhe des Daches und der Etagendecke abschließenden Profile sowie die sichtbare und ebenfalls blau gestrichene Stahlkonstruktion geben der Aufstockung den Eindruck eines vorübergehend abgestellten Frachtcontainers. Schoener und Panzer beziehen sich damit einerseits auf den spröden industriellen Charme der umliegenden Gewerbebauten, denen sie anderseits eine hier noch nicht gesehene, klare gestalterische Ambition hinzufügen. (fh)
Fotos: Margret Hoppe
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