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14.02.2019

Villa Heike erwacht zu neuem Leben

Atelier- und Bürohaus in Berlin-Hohenschönhausen


Wer schon einmal die Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen besucht hat, dem ist sie auf dem Weg dorthin sicherlich aufgefallen: eine freistehende, imposante Villa mit morbidem Charme, nur einen Steinwurf vom Eingang des ehemaligen Stasi-Gefängnisses entfernt. Ein Vierteljahrhundert stand der frühere Firmen- und Wohnsitz des Maschinenfabrikanten Richard Heike leer, waren Fenster und Türen verrammelt – bis der Berliner Architekt Christof Schubert das Gebäude 2015 zusammen mit mehreren Künstlern und Kreativen erwarb. Nach umfangreicher Sanierung eröffnet die Villa am Samstag, 16. Februar mit einer Ausstellung und anschließender Party als neues Atelier- und Bürohaus.

Die 15 künstlerischen Positionen, die Kurator Pierre Granoux aus diesem Anlass versammelt hat, setzen sich mit Erinnerungskultur, Narration und Geschichte des Gebäudes im Speziellen auseinander. Letztere hat es in sich: In Richard Heikes Auftrag 1910–11 vom Architekten R. Lotts als einer der ersten Stahlbeton-Skelettbauten Berlins errichtet, diente die Villa bis 1945 als Sitz seiner Fabrik für Fleischereimaschinen, in der zu Kriegszeiten auch sowjetische Zwangsarbeiter tätig waren. Das Haus überstand die Bombardements von Berlin unbeschadet, der Hausherr wurde nach dem Einmarsch sowjetischer Soldaten von diesen erschossen. Nach einer kurzzeitigen Nutzung durch den sowjetischen Geheimdienst NKWD ging die Villa Anfang der 1950er Jahre in den Besitz der Stasi über, die hier ihr geheimes, streng gesichertes Archiv für die Katalogisierung und Auswertung der NS-Akten einrichtete. Das Haus war nun Teil des berüchtigten „Sperrbezirks“ um das Stasi-Gefängnis, der auf Ostberliner Stadtplänen nur als weißer Fleck existierte. Nach der Wende folgte schließlich der Leerstand, zunächst noch unterbrochen von sporadischen Zwischennutzungen, dann definitiv: Die Villa Heike versank im Dornröschenschlaf.

Mit ihrer Übernahme und Sanierung durch eine Käufergemeinschaft aus dem Kunst- und Kulturbereich gibt es nun, 30 Jahre nach dem Mauerfall, doch noch ein „Happy End“ für das ikonische Gebäude mit der problematischen Vergangenheit: In Zukunft beherbergt es Künstlerateliers und Produktionsräume – auch das ein Grund zur Freude in einer Stadt, in der künstlerische Arbeitsorte in beängstigendem Tempo von der Bildfläche verschwinden. In der großen Halle im Erdgeschoss, wo Richard Heike einst seine Maschinen präsentierte, sind regelmäßige Ausstellungen und öffentliche Veranstaltungen geplant. (da)

Das Eröffnungsprogramm am 16. Februar im Überblick:
17:30 Uhr: Führung mit dem Architekten Christof Schubert
18–22 Uhr: Vernissage der Ausstellung „Villa Heike and other stories“ mit 15 künstlerischen Positionen zum Thema Geschichte und Erinnerungskultur
ab 21 Uhr: Party mit einer Performance von Birdmilk Collective

Zur Finissage der Ausstellung am Samstag, 16. März findet um 17 Uhr eine Lesung aus der Publikation „Zingster Straße 25“ (Berliner Hefte zu Geschichte und Gegenwart der Stadt #6) der Künstlerin Sonya Schönberger mit Johanna Malchow und Ingo Tomi statt.

Eröffnung: Samstag, 16. Februar 2019, ab 17.30 Uhr
Ausstellung: 17. Februar bis 16. März 2019, Freitag und Samstag 15–18 Uhr und nach Vereinbarung
Ort: Villa Heike, Freienwalder Str. 17, 13055 Berlin-Hohenschönhausen


Zum Thema:

Weitere Informationen zur Ausstellung hier.


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Die Villa Heike in Berlin-Hohenschönhausen im Jahr 2015: verriegelt

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Villa Heike im Januar 2019 nach der Sanierung: Künstler und Kreative ziehen ein.

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Das Haus um 1912, kurz nach seiner Fertigstellung – damals noch Sitz der Maschinenbaufabrik Richard Heike

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In der großen Halle im Erdgeschoss präsentierte Heike seine Fleischereimaschinen.

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