Gibt es einen dritten Weg?
Antworten von Jurypräsident Arno Lederer zum Kulturforum
Drei Tage lang diskutierte das 13-köpfige Preisgericht unter dem Vorsitz von Arno Lederer über die eingereichten Entwürfe im Ideenwettbewerb am Berliner Kulturforum. Der Stuttgarter Architekt erklärt die geringe Teilnehmerzahl und erhofft sich vom künftigen Neubau das Einläuten einer neuen Architekturepoche.
Von Luise Rellensmann
Die ganze Welt konnte teilnehmen, hat sie das auch?
Ich vermute schon – wir kennen die Namen ja nicht, die hinter den Entwürfen stehen. Man muss wissen, in der jüngeren Architekturgeschichte ist das Kulturforum eine der wichtigen Inkunabeln. Ich kann mir schon vorstellen, dass sich Büros aus Europa und auch darüber hinaus beteiligt haben.
Die Beteiligung war relativ gering: Über 1.000 Büros haben sich die Ausschreibung heruntergeladen, aber nur 460 einen Entwurf eingereicht. Ist Berlin weniger attraktiv als Helsinki oder Dessau?
Auf keinen Fall: Berlin ist zur Zeit eine der interessantesten Städte der Welt, egal wo Sie hingehen, ob nach Südamerika, Amerika oder Asien, irgendwann kommt immer die Sprache auf Berlin. Aber ich hätte auch mehr Teilnehmer erwartet. Vielleicht war die Herausforderung zu groß. Man kann sich da ja auch schnell blamieren. Wenn jeder bei einem 100-Meter-Lauf der Olympiade mitmachen dürfte, würden sich auch viele überlegen: hoppla, vielleicht lieber doch nicht.
Sie hätten bis zu 20 Teilnehmer mit in die nächste Wettbewerbsrunde nehmen können, haben sich aber nur für zehn entschieden.
Wir haben nur zehn Entwürfe gefunden, von denen wir glauben, dass sie die Qualität haben, um eine Grundlage für den zweiten Wettbewerb zu sein. Wenn sie 460 Büros offen einladen, ist dies erst mal eine Chance für viele – aber es ist auch klar, dass viele teilnehmen, die sich einer solch spezifischen und schwierigen Aufgabe noch nie gestellt haben.
Die Ausstellung der Ergebnisse zum aktuellen Zeitpunkt wurde kritisiert, weil möglicherweise eine Verzerrung des Verfahrens zu befürchten ist. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Dahingehend gab es eine längere Diskussion, weil man natürlich die Teilnehmer der ersten Runde schützen wollten. Ausschlaggebend war letztlich, dass aus Gründen der Transparenz die Richtlinie für Planungswettbewerbe eine Ausstellung vorsieht. Darum der Kompromiss – die Entwürfe werden gezeigt, die ausgewählten Büros bleiben aber anonym.
„Die Welt schaut auf diesen Bauplatz“, behauptet Frau Lüscher – was leistet der Wettbewerb für die Baukultur?
Das ist eine sehr interessante Frage, weil wir uns gerade an einer Wende befinden: Die Moderne Scharouns ist eine in sich abgeschlossene Epoche und das Kulturforum selbst Baugeschichte: Hier haben die Gedanken der Moderne nach dem Krieg ihre Setzung gefunden. Wir suchen nach Lösungen, die in diesem Sinne nicht historisierend mit dem Bestand umgehen, weder die Zeit vor dem Krieg noch danach reproduzieren, sondern sich die Frage stellen, ob es einen „dritten“ Weg im Umgang mit dem historischen Bestand gibt.
www.preussischer-kulturbesitz.de
Competition: Über Wettbewerbe
Blanke Nerven um fünf Uhr morgens? Warum Preise keinen Erfolg bedeuten und nach Niederlagen die nächste Auslobung lockt. Das wahre Wesen der Architektur zeigt sich im Wettbewerb – mehr dazu in der Baunetzwoche#400
Das war die freilich nebulöse Zielsetzung. Warum sich also ereifern, über die vermeintliche Gratislieferung der Ideen für die Teilnehmer der 2. Runde? Die Lektüre der Auslobung hilft gelegentlich. Abgesehen davon: Das Ergebnis ist im Durchschnitt aber auch an der Spitze wirklich zwerchfellerschütternd. Ob dies die Lieferanten allein zu verantworten haben, wäre freilich ernsthaft diskussionswürdig...
Genau das ist das Problem. Der Städtebau wurde mehrfach versucht über Wettbewerbe zu lösen. Nie ist ein Vorschlag daraus umgesetzt worden und nun wird der Standort einfach festgenagelt. Die Potsdamer Straße bleibt das Problem des Forums, da hilft auch ein zusätzliches Bauwerk nicht. Und die fehlende U-Bahn nach Steglitz führt zur mangelhaften öffentlichen Erschließung dieses Gebietes.
Sämtliche große Namen, welche in Berlin bauen wollten oder "durften", haben sich ausnahmslos eine blutige Nase geholt und sukzessive zurückgezogen, Berlin ist eben nicht "internationally oriented" in Fragen der Baukunst, sondern ausschliesslich in Fragen der Anlagegelder.
WENN diese Aufgabe so extrem wichtig wäre (was ich bei der Vielzahl der in der Vergangenheit durchgeführten "Kulturforumswettbewerbe" allerdings stark bezweifle!), wenn dieser Wettbewerb also die "Inkunabel" und Essenz der Moderne abschliessen soll: Warum macht man dann keinen Einladungswettbewerb an Pritzker-Preisträger? Potsdam hat es versucht mit Oskar Niemeyer für einen Profanbau dieses Qualitätsmerkmal auszunutzen!
Immerhin haben die Kollegen Sharoun, v.d.Rohe & Co. eine unerträglich urbane Situation (einen Umraum!) geschaffen, die so unflexibel und derart autoritär den Stadtraum definiert, dass sich dort seit Fertigstellung der Philharmonie nichts mehr bauen lies!? Vielleicht darf man in Berlin ein gescheitertes Experiment auch einmal beenden? Die Stadt jedenfalls liegt nicht im Untergrund, wie die maßgeblichen 10 Büros uns suggerieren wollen!!
Was soll der Irrsinn des offenen Wettbewerbs? Man kann 1000 Mal in den Wald hineinrufen und bekommt doch immer nur sein eigenes Echo zu hören. Natürlich nimmt unser Büro nicht an solchen Lotteriegeschäften teil, denn trotz aller gegenteiligen Beteuerungen Lederers bleibt es natürlich eine Lotterie! Eine echte Auseinandersetzung mit den Arbeiten kann in der der Kürze der Zeit keine Jury der Welt leisten (3 Tage = 24h/450 Arbeiten --> etwas über 3min pro Arbeit!?!). Der Vergleich von staubmeier mit einem Massenstart (beim Berlin Marathon?) ist nicht von der Hand zu weisen!
Die Startaufstellung stimmt schlichtweg nicht! Da hilft auch kein Lamento über unfähige Berufskollegen, Herr Lederer!