Schlanker, kooperativer, jünger
21. BDA-Tag diskutiert Vergabepraxis
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21. BDA-Tag diskutiert Vergabepraxis
Der 21. BDA-Tag Mitte Juni in Wuppertal suchte nach Wegen aus der Wettbewerbskrise. Unter dem Titel „Simply The Best!“ ging es um anstehende Reformen bei Vergabeverfahren, Handhabbarkeit durch Kommunen, berufsständische Erwartungen und das Vorbild Brüssel.
Planen und Bauen wird teurer und dauert länger – die Problematik ist bekannt. Das beeinflusst auch die Art, wie Planungsaufträge vergeben werden. Öffentliche Auftraggeber gehen auf Nummer sicher, erhöhen die Zugangsvoraussetzungen, setzen eher auf Verhandlungsverfahren und Gesamtvergaben, anstatt sich in Wettbewerben oder Teillosvergabe einer Qualitätsdiskussion zu stellen.
Die Anzahl aller Wettbewerbe gehen seit Jahren zurück. Bund, Länder und Kommunen haben im Jahr 2024 nur noch 328 Wettbewerbe ausgelobt, 2025 waren es gar nur 251, heißt es im Ausschreibungsmonitor 2026 von competitionline. Oder anders: 2013 war noch fast jede zehnte Ausschreibung eine Auslobung für einen Wettbewerb. Inzwischen ist es nur noch jede hundertste – Tendenz weiter sinkend, heißt es dort weiter. Damit erodiert die Auseinandersetzung über die ästhetischen, sozialen und ökologischen Aufgaben eines Projekts, über Architektur und Raum. Hinzu kommt, dass jüngere Büros nur geringe Chancen haben, über Wettbewerbe an Aufträge zu kommen.
Deshalb hatte der 21. BDA-Tag eingeladen, verbändeübergreifend und gemeinsam mit den Auftraggebenden an der Zukunft des Wettbewerbs- und Vergabewesens zu arbeiten. Und so diskutierten die Teilnehmer*innen unter anderem wie der qualitätsorientierte Vergabeprozess für öffentliche Auftraggeber, vor allem für Kommunen attraktiver werden, den Teilnehmenden eine faire Honorierung ermöglicht und jungen Büros ein schwellenarmer Zugang gewährt werden kann. Entsprechend waren nicht nur Planende, sondern auch Auftraggeber*innen von Bund und Kommunen, Projektentwickler und Wohnungswirtschaftler gekommen, ihre jeweilige Perspektive darzulegen.
Die Anzahl aller Wettbewerbe gehen seit Jahren zurück. Bund, Länder und Kommunen haben im Jahr 2024 nur noch 328 Wettbewerbe ausgelobt, 2025 waren es gar nur 251, heißt es im Ausschreibungsmonitor 2026 von competitionline. Oder anders: 2013 war noch fast jede zehnte Ausschreibung eine Auslobung für einen Wettbewerb. Inzwischen ist es nur noch jede hundertste – Tendenz weiter sinkend, heißt es dort weiter. Damit erodiert die Auseinandersetzung über die ästhetischen, sozialen und ökologischen Aufgaben eines Projekts, über Architektur und Raum. Hinzu kommt, dass jüngere Büros nur geringe Chancen haben, über Wettbewerbe an Aufträge zu kommen.
Deshalb hatte der 21. BDA-Tag eingeladen, verbändeübergreifend und gemeinsam mit den Auftraggebenden an der Zukunft des Wettbewerbs- und Vergabewesens zu arbeiten. Und so diskutierten die Teilnehmer*innen unter anderem wie der qualitätsorientierte Vergabeprozess für öffentliche Auftraggeber, vor allem für Kommunen attraktiver werden, den Teilnehmenden eine faire Honorierung ermöglicht und jungen Büros ein schwellenarmer Zugang gewährt werden kann. Entsprechend waren nicht nur Planende, sondern auch Auftraggeber*innen von Bund und Kommunen, Projektentwickler und Wohnungswirtschaftler gekommen, ihre jeweilige Perspektive darzulegen.
Alle waren sich einig: Eine faire und qualitätsorientierte Vergabe ist essenziell für gutes und einfaches Planen als auch Bauen und Verfahren müssen schneller, einfacher und attraktiver werden. Zum Wie gibt es viele Vorschläge, besonders interessante kamen aus Brüssel.
Learning from Brüssel
Kristiaan Borret, 2015 bis 2025 Bouwmeester Maître Architecte ebendort, hatte einige Zutaten für die aktuell europaweit bewunderte Planungsqualität in der Stadt mitgebracht. „Bei Ausschreibungen für Wettbewerbe fragen wir die Bewerber*innen nicht nach ihren fertiggestellten Projekten, sondern nach ihrer Motivation“, so Borret. Er habe mehrfach feststellen müssen, dass international tätige Büros oft keine Vorstellung vom Ort hätten und Bewerbungen einreichten, die ebenso für Singapur funktionierten. Auch zum Aufwand wurde Borret deutlich. „Wer einen Wettbewerbsentwurf einreicht, sollte bezahlt werden“, sagte er. Dabei seien die Kosten für einen Wettbewerb nicht an die erwarteten Baukosten eines Projekts gebunden, sondern an die Zahl der Entwurfsblätter, die eingereicht werden. Pro abgegebenem A3 Blatt würden in der Regel 500 Euro bezahlt, das reduziere zugleich den Entwurfsaufwand.
Aufwandsreduktion fängt bereits bei der Aufgabenstellung an. Zum Wettbewerb für Royale Belge, einer jüngst zum Konferenzzentrum umgebauten Versicherungszentrale, erklärte Borret, man habe keine Pläne für die meist standardisierten Bürogeschosse abgefragt, sondern lediglich für das Erdgeschoss. Anhand der Brüsseler Citröen-Garage, die derzeit zum Kulturzentrum umgebaut wird, erläuterte er wie man junge Büros unterstützten kann. Für Teilbereiche des riesigen Komplexes habe man Wettbewerbe gemacht, es seien Architekt*innen beteiligt gewesen, die zum Zeitpunkt der Bewerbung noch nicht einmal einen Büronamen gehabt hätten.
Learning from Brüssel
Kristiaan Borret, 2015 bis 2025 Bouwmeester Maître Architecte ebendort, hatte einige Zutaten für die aktuell europaweit bewunderte Planungsqualität in der Stadt mitgebracht. „Bei Ausschreibungen für Wettbewerbe fragen wir die Bewerber*innen nicht nach ihren fertiggestellten Projekten, sondern nach ihrer Motivation“, so Borret. Er habe mehrfach feststellen müssen, dass international tätige Büros oft keine Vorstellung vom Ort hätten und Bewerbungen einreichten, die ebenso für Singapur funktionierten. Auch zum Aufwand wurde Borret deutlich. „Wer einen Wettbewerbsentwurf einreicht, sollte bezahlt werden“, sagte er. Dabei seien die Kosten für einen Wettbewerb nicht an die erwarteten Baukosten eines Projekts gebunden, sondern an die Zahl der Entwurfsblätter, die eingereicht werden. Pro abgegebenem A3 Blatt würden in der Regel 500 Euro bezahlt, das reduziere zugleich den Entwurfsaufwand.
Aufwandsreduktion fängt bereits bei der Aufgabenstellung an. Zum Wettbewerb für Royale Belge, einer jüngst zum Konferenzzentrum umgebauten Versicherungszentrale, erklärte Borret, man habe keine Pläne für die meist standardisierten Bürogeschosse abgefragt, sondern lediglich für das Erdgeschoss. Anhand der Brüsseler Citröen-Garage, die derzeit zum Kulturzentrum umgebaut wird, erläuterte er wie man junge Büros unterstützten kann. Für Teilbereiche des riesigen Komplexes habe man Wettbewerbe gemacht, es seien Architekt*innen beteiligt gewesen, die zum Zeitpunkt der Bewerbung noch nicht einmal einen Büronamen gehabt hätten.
Bei Ausschreibungen für Wettbewerbe fragen wir die Bewerber*innen nicht nach ihren fertiggestellten Projekten, sondern nach ihrer Motivation.Kristiaan Borret
Anonymität, für viele ein Sakrosankt der Wettbewerbskultur, sei in Belgien kein Garant für die Objektivität einer Juryentscheidung. Stattdessen präsentieren die Teams vor einer kleinen Jury, in der immer auch eine Person mit externem Blickwinkel sitze. Indem Verfahren maximal transparent ablaufen, könnten Entwurfsteams voneinander lernen und die Öffentlichkeit könne die Entscheidung besser nachvollziehen. Das erhöhe das Vertrauen in ein Projekt und reduziere Klagen auf ein Minimum.
Schlanker, kooperativer, jünger
Die Situation in Deutschland betrachteten die Vortragenden aus unterschiedlichen Perspektiven. Aus Sicht des Bundes forderte BBR-Präsidentin Petra Wesseler, bei der Formulierung der Kriterien die Aufgaben nicht zu überladen. Man müsse nach einem Wettbewerb auch nicht immer ein VgV-Verfahren anschließen. Jürgen Odszuck, Bürgermeister in Heidelberg, sprach aus Sicht der Kommunen und betonte, dass das Allerbilligste beim Bauen das Nachdenken sei. Misserfolge entstünden durch unklare Aufgabenstellungen oder, wenn Konflikte der Jury überlassen blieben. Sein Appell: Stattet die Jurys gut aus.
Schlanker, kooperativer, jünger
Die Situation in Deutschland betrachteten die Vortragenden aus unterschiedlichen Perspektiven. Aus Sicht des Bundes forderte BBR-Präsidentin Petra Wesseler, bei der Formulierung der Kriterien die Aufgaben nicht zu überladen. Man müsse nach einem Wettbewerb auch nicht immer ein VgV-Verfahren anschließen. Jürgen Odszuck, Bürgermeister in Heidelberg, sprach aus Sicht der Kommunen und betonte, dass das Allerbilligste beim Bauen das Nachdenken sei. Misserfolge entstünden durch unklare Aufgabenstellungen oder, wenn Konflikte der Jury überlassen blieben. Sein Appell: Stattet die Jurys gut aus.
Misserfolge entstehen durch unklare Aufgabenstellungen oder wenn Konflikte der Jury überlassen bleiben.Jürgen Odszuck, Bürgermeister in Heidelberg
Christian Keller, Geschäftsführer der Schulmodernisierungsgesellschaft in Herne nahm die Perspektive des Kommunalen Projektentwicklers ein und verwies auf die im Überlebensmodus arbeitenden Kommunen. Die Situation machte es Komplettanbietern leicht, ohne Qualitätskontrolle an Aufträge zu kommen. Die Position der Wohnungswirtschaft übernahm Sieghard Lückehe, Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsgesellschaft Bremerhaven. Er berichtete, wie in Bremerhaven erfolgreich drei Schulen und zwei Sporthallen auf Basis eines IPA-Modells entstanden sind, bei dem alle am Bauprozess Beteiligten über einen Mehrparteienvertrag zum Unternehmen auf Zeit werden. Und Jungarchitekt Gustav Düsing erzählte unter anderem, wie sich junge Büros mit der sogenannten Eignungsleihe Zugang zu Wettbewerben verschafften.
Im Anschluss diskutierten kleinere Gruppen über schnellere und kooperative Verfahren, über Möglichkeiten, die Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW) zu entschlacken, und darüber, wie man auch in Verhandlungsverfahren Qualität sichern kann. So fanden die Stimmen des Tages zu einer klaren Botschaft zusammen: Der Vergabeprozess muss für Kommunen attraktiver, für jüngere zugänglicher und für Entwerfende finanziell fair honoriert werden. Sowohl Wettbewerbe als auch andere Verfahren der vielfältigen Vergabelandschaft müssen Qualitätskriterien unterliegen. Derweil arbeitet das Bundesbauministerium an einer Novelle der RPW, ein Referenzenentwurf soll den Verbänden noch in diesem Jahr vorgelegt werden.
Im Anschluss diskutierten kleinere Gruppen über schnellere und kooperative Verfahren, über Möglichkeiten, die Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW) zu entschlacken, und darüber, wie man auch in Verhandlungsverfahren Qualität sichern kann. So fanden die Stimmen des Tages zu einer klaren Botschaft zusammen: Der Vergabeprozess muss für Kommunen attraktiver, für jüngere zugänglicher und für Entwerfende finanziell fair honoriert werden. Sowohl Wettbewerbe als auch andere Verfahren der vielfältigen Vergabelandschaft müssen Qualitätskriterien unterliegen. Derweil arbeitet das Bundesbauministerium an einer Novelle der RPW, ein Referenzenentwurf soll den Verbänden noch in diesem Jahr vorgelegt werden.
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Das ist seit langem die intelligenteste Stellungnahme die ich im Zusammenhang mit Wettbewerbsverfahren vernommen habe. Ich hoffe sehr für die junge Architekt:innenschar (und ich meine jetzt nicht die Jungen 40-er:innen, sondern ich meine vor allem die Absolvent:innen! mit Mut! und Schmackes! und richtig Grütze unter der Fontanelle) bekommt auf dieser Basis endlich eine gerechte und faire Möglichkeit an Wettbewerben teilzunehmen und frischen Wind in die verschnarchte ewig gleichsülzige Wettbewerbslandschaft zu bringen. 500 sestertii pro abgegebenem DIN A3 Blatt --> das ist ein genialer Ansatz. (Danke, liebe Kolleg:innen aus Belgien, für diese Hirnmassage!). Dann bekommen wir vielleicht auch die Besten unter den Jungen bei uns mit auf die Bühne. Ich wollte ich wäre nochmals 20.... Deshalb drücke ich die Daumen für unseren hoffnungsfrohen Nachwuchs. Lasst Euch von KI nicht den Geist vernebeln.