Buchtipp: Nachruf auf ein verlorenes Denkmal
Auferstehungskirche zu Sailauf
Die Auferstehungskirche zu Sailauf wurde in den Jahren 1969 bis 1971 von Emil Mai errichtet und war ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinde – eine Herzensangelegenheit, die nur durch einen Spendenmarathon finanziert werden konnte. Doch nach 38 Jahren Nutzung wurde die Kirche im Jahr 2009 abgerissen. Die notwendige Sanierung war zu kostenaufwendig; die barocke Vituskirche sollte wieder Hauptkirche der unterfränkischen Gemeinde werden. Als posthume Würdigung des Gebäudes der Nachkriegsmoderne hat der junge Architekt Peter Wohlwender nun, zehn Jahre nach ihrem Abriss, ein Buch über die Auferstehungskirche in seinem Heimatort herausgegeben.
Der ehemalige Kirchenbau auf der Anhöhe des Ortes Sailauf war ein gefalteter Baukörper aus Sichtbeton, der sich nach Osten hin zunächst verjüngte, durch den eingeschobenen Turm im Altar aber gerade abschloss. Der Zugang erfolgte seitlich der Wandscheiben, die sich Richtung Süden auffächerten. Erfassen konnte man den Kirchenraum in einer Bogenbewegung. Der rohe und schlichte Innenraum war geprägt durch die massiven Dachbalken aus Holz, die im Altar zusammenliefen.
Da die Kirche nie umfassend fotografiert wurde, dokumentieren nur wenige Bilder, vorrangig in Schwarzweiß, die Architektur. Diese flüchtigen, teils unscharfen Aufnahmen scheinen symptomatisch für einen beiläufigen Umgang mit Nachkriegsarchitekturen. Umso deutlicher ist die Aussage des Autors: Die Kirche in Sailauf war ein besonderes Bauwerk und ist ein verlorenes Denkmal – der Nachdruck seiner Haltung schlägt sich auch formal durch die ausschließliche Nutzung gefetteter Schrift im Buch nieder. Gegen den Abriss gab es damals kaum Widerstand, da der neuen Generation der Bezug zu diesem Bau fehlte. „Die Kirche hatte keine Beschützer“, schreibt Dokumentarfilmer Dieter Wieland in seinem Nachruf am Ende des Buches.
Neben einer feinsinnigen Baubeschreibung liefert Wohlwender mit seinem Buch auch die historischen Umstände in Sailauf vor und während des Baus der Kirche, einen Blick auf den Architekten Emil Mai sowie die Nachgeschichte der Kirche. Es ist ein ernstes, aber aufgeladenes Buch. Peter Wohlwender hat der Auferstehungskirche zu Sailauf damit ein nachträgliches Denkmal gesetzt.
Text: Natalie Scholder
Auferstehungskirche zu Sailauf
Peter Wohlwender
104 Seiten
Verlag Dreiviertelhaus Berlin 2019
ISBN 978-3-96242-901-0
25 Euro
Mir sind hier und da schon mal schöne und sehr moderne Kirchen begegnet aber so richtig tief drin bin ich nicht in dem Thema.
Für mich würde sich dieser Abriss nur rechtfertigenlassen wenn es etwas sehr ähnliches gäbe.
Mir ist klar, dass Denkmalschutz hin und wieder sehr umstritten ist, auch abseits ökonomischer Bedenken. Ein weites Feld über was man lange Diskutieren könnte und diskutiert wird.
Im übrigen halte ich den hier gezeigten Bau nicht für den besten seiner Art. In jedem Fall aber hat das Thema mehr Aufmerksamkeit verdient.
Es wird so viel Schrott gebaut und dann wird ein Gebäude was ganz offensichtlich was will (und kann) einfach abgerissen.
Mir läuft ein kalter Schauer den Rücken runter.