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10.08.2017

Grün gegen Alzheimer

Forschungs- und Laborgebäude in Bonn von Wulf Architekten


Neurodegenerative Erkrankungen – dieser sachlich klingende Begriff steht für so gefürchtete, das Nervensystem schwerwiegend schädigende Krankheiten wie multiple Sklerose, Parkinson und Alzheimer. Gerade die Verbreitung letzterer wird angesichts demografischer Entwicklungen in Deutschland zunehmen – und damit auch die Zahl entsprechend spezialisierter medizinischer Einrichtungen. Als Vorzeigeprojekt gilt diesbezüglich das am Venusberg auf dem Gelände des Bonner Universitätsklinikums errichtete Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE). Entworfen wurde der Neubau von Wulf Architekten aus Stuttgart.

Das kohärente Ensemble aus drei organisch geformten Baukörpern inmitten eines kleinen Waldes dient allerdings nicht der Behandlung und Unterbringung demenzkranker Patienten, wie es die Erholungsqualität der Umgebung und der großzügige Einsatz von Farbe zunächst vermuten lassen. Vielmehr handelt es sich um einen hochmodernen Forschungs- und Laborkomplex, mit dem die Architekten die meist unterkühlt-sterile Atmosphäre dieses Bautyps zugunsten einer maximalen Aufenthaltsqualität für die 500 hier tätigen Wissenschaftler und Mitarbeiter aufzubrechen versuchten, ohne dabei Abstriche bei den hohen Ansprüchen an die Funktionalität machen zu müssen. Um dies zu erreichen, setzen sie elegant abgerundete Formen, großflächige Verglasungen und Oberlichter, eine enge Bezugnahme auf den umgebenden Wald, eine farbenfrohe Fassadengestaltung sowie leuchtende – vielleicht etwas zu expressiv geratene – Farbakzente im Inneren ein, bis hin zu einem Leitsystem aus Raummarkierungen und Wegweisern in handschriftlicher Ästhetik, die allerdings eher zu einem Schulgebäude passt.

Die Dreiteilung des Komplexes entspricht den Funktionen der einzelnen Volumen: Im Hauptgebäude befinden sich allgemeine Einrichtungen wie Eingangshalle, Cafeteria, Hörsaal und Bibliothek. Hier sind außerdem die klinische Forschung, ein MRT-Bereich sowie die Verwaltung untergebracht. Das zentrale Forschungsgebäude nimmt sämtliche Laboreinrichtungen und dazugehörige Büros auf, der dritte Baukörper beherbergt ein präklinisches Institut. Gläserne Gelenke, die auch als Meeting Points genutzt werden können, verbinden die Bauten untereinander. Die gläsernen, geschosshohen Lamellen an der Fassade greifen in Grün-, Gelb- und Orangetönen die sich jahreszeitlich ändernde Färbung der Bäume auf. Sie drehen sich mit der Sonne und sorgen so für Beschattung bei bestmöglicher Nutzung des Tageslichteinfalls.

Ein rundum grünes Forschungszentrum also, nicht nur, was seine Lage und Farbgebung betrifft, sondern auch seine Nachhaltigkeit und Energieeffizienz: Das DZNE strebt als bundesweit erstes Laborgebäude eine Zertifizierung in Gold nach den Richtlinien des Bewertungssystems „Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude“ an. (da)



Fotos: Steffen Vogt, Knut O. Laubner


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Zu den Architektenprofilen:

wulf architekten GmbH


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