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21.03.2017

Kalte Verspiegelung, grüne Camouflage

Autohaus in Istanbul von Tago Architects


Angesichts der spektakulären Architekturen, die das Istanbuler Büro Tago Architects bereits zwischen Bukarest und Teheran gestreut hat, ist ihr neuer Turm in der Bosporus-Stadt doch recht bescheiden. Unter den realisierten Projekten von Tago zählen etwa der an eine aufgeplusterte Daunendecke erinnernde Bucarest Tower (2004) oder das an Hadid’schen Formaufsprengungen orientierte Hauptgebäude für das Expo-Gelände in Astana (2015). Die Geschäfte laufen also gut bei Tago, die mit Apartmenttürmen, ganzen Cités, Einkaufszentren, Büro-, Geschäfts- und Messegebäuden vor allem in Osteuropa, dem arabischen Raum und Zentralasien vertreten sind.

In Istanbul haben sie nun in einem der vielen boomenden Viertel im asiatischen Teil der Stadt die Geschäftszentrale eines Autohändlers errichtet. Der Turm mit seiner scheinbar aufgestapelten Schauseite steht an einer wichtigen Verkehrsader – dem Cevre Yolu – und ist die Zentrale des türkischen Familienunternehmens Ulugöl. Gestalterisch mochten sich Tago bei dem zehn-stöckigen Gebäude jedoch nicht ganz entscheiden. Es schwankt zwischen Verspieltheit, Technikaffinität und vorgetäuschter Archaik: Die zur Straße orientierte Westseite zeigt sich mit versetzt gestapelten Querriegeln und knallroten Decken – Wohlgesonnene denken bei der bauklotzartigen Türmung vielleicht an Kazuyo Sejimas und Ryue Nishizawas New Museum in New York. Doch bestehen diese Riegel aus eisblauem Spiegelglas und kühl-grünen Verblendungen und wurden großflächig mit dunklen Metalgittern verkleidet, die als Sonnenschutz gedacht sind. Diese unstimmige Kombination wird ergänzt durch die Naturstein imitierenden Keramikkacheln, mit denen die Architekten alle Träger und die fensterlose Ostseite des Hauses verkleideten.

Innen verbindet der Bau auf 15.000 Quadratmetern ein Autoschauhaus mit modernen Büros. Fünf Etagen weit reicht das Haus in die Tiefe, wo die Automobile über einen eigenen Fahrstuhl angeliefert und ausgestellt werden. Das Erdgeschoss bietet nach Westen eine klassische Geschäftsfläche mit voll verglaster Fassade zur Straße. Im Osten liegt der Zugang zum Bürobereich. Dieser erstreckt sich vor allem in den zehn Etagen darüber, wo Tago Architects eine zeitgenössische Office-Architektur eingerichtet haben. Zeitgenössisch heißt: offene Büroflächen und ungezwungene Kommunikationsräume. Vor allem die vielen Balkone an der Westseite dienen als Begegnungs- und Besprechungsorte.

Zusätzlich sind die Terrassen der Westseite bepflanzbare Grünflächen, die sich sozusagen als kleine Biotope versetzt an der Schaufassade entlangziehen. Mit den grünen Zonen – auf den Fotos sieht man lediglich ein paar gut gestutzte Tannenbäumchen an der Balkonbrüstung – sehen die Architekten auch den Punkt Nachhaltigkeit abgedeckt. Etwas dünn abgedeckt, könnte man sagen, ist doch bei den sonstigen Baumaterialien und der Konstruktionsweise (mit Ausnahme des Sonnenschutzes) wenig an ökologische Aspekte gedacht worden. Konzipiert für ein Autohaus, das an einer der meist befahrenen Straßen der 15-Millionen-Einwohner-Metropole steht, ist dieser Öko-Vorstoß von Tago Architects ziemlich niedlich – wenn nicht gar zynisch. (sj)

Fotos: Gürkan Akay


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