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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen_Streit_um_Frankfurter_Grossmarkthalle_-_mit_Kommentar_24270.html

30.06.2006

„Das kann er nicht machen!“

Streit um Frankfurter Großmarkthalle - mit Kommentar


Der Planungsdezernent der Stadt Frankfurt/Main, Edwin Schwarz (CDU), hat am 29. Juni 2006 angekündigt, die denkmalgeschützten Anbauten der Frankfurter Großmarkthalle (Architekt Martin Elsaesser, 1928) sollten „entfallen“. Damit hat der Politiker ein Machtwort in einer seit langem strittigen Frage gesprochen – und prompt Widerspruch ausgelöst: Der hessische Landesdenkmalpfleger Mohr wird in der Frankfurter Rundschau mit „Das kann Schwarz nicht machen“ zitiert, und auch der örtliche Koalitionspartner Die Grünen sowie die oppositionelle SPD im Römer sprachen sich gegen den Abriss der Anbauten aus.

In und an der Großmarkthalle entsteht der neue Hauptsitz der Europäischen Zentralbank (EZB) nach Entwurf von Coop Himmelb(l)au (siehe BauNetz-Meldung vom 14. 1. 2005).

Bei den strittigen Anbauten handelt es sich um drei- bzw. viergeschossige Flügelbauten im Osten und Westen, nicht jedoch um die achtgeschossigen Kopfbauten der Halle. Diese stehen nicht zur Disposition.
Die Flügelbauten haben Wohnungen enthalten und weisen nach Angaben der EZB zu niedrige Deckenhöhen auf, um sie zu Büros umzunutzen. Auch könnten auf dem hoch gesicherten Areal in Zukunft keine Wohnungen betrieben werden. Außerdem stehen sie teilweise einem geplanten, drei Meter tiefen Graben im Weg, der die EZB vor Angriffen mit Autobomben schützen soll. Die EZB hat also ein Interesse am Abriss, auch wenn sie derzeit lediglich verlauten lässt, sie befinde sich „weiter in der Planungsphase“.

Ein weiterer Punkt sorgt für Streit: Die Beton-Rasterfassaden der Halle, ein prägendes Element des Denkmals, stehen ebenfalls zur Disposition. Coop Himmelb(l)au hatten am 30. Mai in einer Ortsbeiratssitzung eine Darstellung gezeigt, die eine vollständige Verglasung der Halle unter Fortfall der Rasterstruktur zeigt. Dies hatte Proteste ausgelöst. Die EZB teilte dazu gegenüber BauNetz mit, hier sei irrtümlich ein veralteter Planungsstand vorgestellt worden.

Zum Erhalt der Rasterfassade hatte sich der Planungsdezernent geäußert, dabei aber die Materialfrage offen gelassen. Aus seinem Haus verlautete, die Fassade müsse zu größten Teilen „erneuert“ werden; die gesamte Großmarkthalle sei „von Grund auf sanierungsbedürftig“.

Kommentar der Redaktion

Die Neunutzung des gewaltigen Baudenkmals Großmarkthalle ist zu begrüßen. Nutzung ist der beste Denkmalschutz, und da nimmt man auch in Kauf, dass es Veränderungen und Teilverluste gibt. Coop Himmelb(l)au sind keine Denkmalpflege-Architekten. Sie haben an den Wiener Gasometern gezeigt, dass ihnen im Zweifel das Baudenkmal nicht wichtig ist. Sie wollen Neues setzen und Altes dekonstruieren. Das wusste man, als man sie im Wettbwerb kürte bzw. nach der Überarbeitung auswählte.

Umso mehr muss jetzt achtgegeben werden, dass hier nicht schleichend Fakten geschaffen werden, die unnötig viel von der Substanz opfern. Hier sollte ein Erhalt bzw. eine Sanierung der prägenden Beton-Raster-Fassaden höchste Priorität haben.

Die Flügelbauten dagegen sind seit dem Wettbewerb von Coop Himmelb(l)au immer als abgängig dargestellt worden. Wenn sie jetzt wirklich nicht (um)nutzbar sind (was sicherlich noch einmal zu prüfen wäre!), kann es keinen Sinn machen, sie als leere Hüllen vor der europäischen Zentralbank stehen zu lassen.

Benedikt Hotze


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