Renzo nicht in Top-Form
Pianos Museums-Erweiterung in L.A. fertig
Die amerikanischen Kritiker vermögen ihre Begeisterung zu bändigen: „Der Bau ist zwar nicht unbedingt ein Desaster, bleibt aber hinter den Erwartungen und der Qualität vieler anderer Piano-Bauten zurück.“ Es seien zwar typische Piano-Merkmale wie Eleganz, Handwerklichkeit und respektvolle Zurückhaltung vor der Kunst auszumachen, doch: „Das ist verwässerter Stoff – und nicht Renzo Piano in Top-Form!“, schreibt zum Beispiel Sam Lubell.
Worum geht es? Im Februar 2008 wurde der erste Bauabschnitt der Erweiterung des Los Angeles County Museum of Art (LACMA) eingeweiht. Der neue Flügel unter der Bezeichnung Broad Contemporary Art Museum (BCAM) ist Teil der dreistufigen Planungen Renzo Pianos, den unübersichtlichen Museumskomplex neu zu ordnen (siehe BauNetz-Meldung vom 7. August 2007).
Drastischere Neubaupläne von Rem Koolhaas, der einen entsprechenden Wettbewerb gewonnen hatte (siehe BauNetz-Meldung vom 7. Dezember 2001) und der vorschlug, fast alle bestehenden Gebäude abzureißen, waren verworfen worden.
Das BCAM ist ein dreistöckiges Gebäude mit 5.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche, die der Kunst von 1945 bis zur Gegenwart gewidmet sind. Das mit italienischem Travertin verkleidete und mit einem Glasdach versehene Gebäude weist einen der größten stützenfreien Raum für die Kunst in den USA auf.
Die geschlossene Travertin-Fassade zur Straße hin wird von Sam Lubell kritisiert: „Sieht haargenau aus wie ein Macy's-Warenhaus!“ Die dreieckigen Sonnenschutz-Sheds wirkten aufgesetzt und nicht als intergraler Bestandteil des Ganzen, so Lubell.
Ebenfalls eröffnet wurde jetzt ein 800 Quadratmeter großer gläserner Eingangspavillon, der nach seinem Spender „BP Grand Entrance“ heißen wird und den Neubau mit den älteren Bauten verbindet.
Der jetzt fertig gestellte erste Bauabschnitt hat 191 Millionen Dollar gekostet.
baunetzredaktion! der renzo hat unser aller herzen mit schönster architektur in allen facetten erfreut, was ihn zwar nicht über kritik erhebt, aber doch vor der ein oder anderen journalistenblähung bewahren sollte.
übrigens: ist mir hier auch schon aufgefallen etwa bei der süddeutschen zeitung. die architekten sind schon ein bisserl die lieblingsopfer der journalisten. "verlierer der akademikerzunft, "etc. und so liest man da immer wieder in einschlägigen rubriken.
ich seh dann da den journalisten sitzen, rauchend, ungewaschen, voller aschenbecher neben der schmierigen tastatur. ich hab euch trotzdem lieb, baunetzredaktion!
so jetzt muss ich ölwechsel machen bei meinem ferrari 355 gts....
Kurz gesagt: allgemeiner neutraler Beschrieb gefolgt von klar getrennter eigener Meinung.
In diesem Fall teile ich nicht Sam Lubells Ansicht, es geht auch nicht darum, ob er Recht hat oder nicht.
An dieser Stelle möchte ich auch meine Verwunderung gegenüber den BauNetz-Meldungen zum Ausdruck bringen. Was ist der Grund für die Nicht-Stellungnahme der Redaktion, was architektonische Qualität anbelangt? Es wird berichtet, dokumentiert, spannend aber wird es doch erst, wenn man Stellung bezieht und sagt, ob ein Gebäude architektonisch gelungen oder mißlungen ist und eine detaillierte Begründung gibt.
Time for a change. Stoppt Nachrichten von den alten Leuten und berichtet mehr vom Neuen (AR versucht es zumindest)...
Renzo wird eben langsam alt....