Buntes Zentralmassiv
Mehrzweckhalle in Frankreich eröffnet
„Mehrzweckhalle“ – ein ziemlich scheußliches Wort für ein Gebäude. Da denkt man sofort an die oft leider heruntergekommene Architektur der 1950er und 60er Jahre.
Auch die im Dezember 2007 eröffnete Halle im französischen Aurillac, am Rande des Zentralmassiv, geplant von dem Büro Brisac Gonzalez, erinnert in seiner Kubatur und der Fassadengestaltung an die Architektur dieser Zeit. Das Londoner Büro konnte sein Projekt realisieren, nachdem es 2004 einen Wettbewerb für sich entschieden hatte.
Der Baugrund befindet sich zwischen dem Bahnhof und der historischen Innenstadt der Kleinstadt in der Auvergne – eine Gegend, die bisher eher vernachlässigt wurde und durch die Bebauung aufgewertet werden sollte. Die Halle, in der vielfältige Veranstaltungsformen stattfinden können, bietet 1.680 Sitzplätze und insgesamt sogar Platz für bis zu 4.500 Besucher.
Das Gebäude gliedert sich in drei Baukörper, deren Fassaden aus drei Betonbändern bestehen, die die verschiedenen Funktionen des Baus umschließen. Alle drei unterscheiden sich in Form und Oberfläche voneinander.
Das wohl prägnanteste Band, welches den Luftraum des Veranstaltungssaal umschließt, besteht aus vorgefertigten Betonelementen, in die ein regelmäßiges Raster aus pyramidenförmigen Glassteinen eingegossen wurde. Die dahinter befindlichen Leuchtkörper mit davorgehängten, verschiedenfarbigen Farbfiltern ermöglichen es dem Gebäude, nachts in bunten Farben zu leuchten und gar nicht mehr wie eine Mehrzweckhalle auszusehen.
Ich find's auch okay...trotz den Volumens und des Betons wirkt es nicht erdrückend und "übermassiv".
Einzig die kleinen Wohnhausfensterchen auf Bild 2 im EG und 1.OG wollen nicht so recht zur Gestalt passen. Diese bringen wieder Maßstabsverhältnisse ins Spiel, die durch die Körpervolumen fast vergessen schienen......
Das Andere, also die Frage, ob wir hier ein zeitgemäßes Gebäude vor uns haben, lässt sich aber meines Erachtens eben NICHT so einfach verneinen.
Wir (Architekten) bewegen uns doch ständig auf der Suche nach schlichten / neuartigen, ruhigem / wandelbaren, einfach / trotzdem buntem ...
Warum soll dieses Experiment - Beton, mit "Schwung", mit Transparenz - gleich "schlecht" sein?
Wenn uns ein Beton mit Glasfasern vorgestellt wird, sind wir begeistert, auch wenn er so -pardon- sackteuer ist, dass er wohl niemals in hunderten oder tausenden Quadratmetern an einem Haus verbaut werden kann - warum ist es nicht legitim, mal zu probieren, maßstabsgerechtere Glasprismen einzusetzen?
Schade ist allerdings, dass wir keine Inneraumaufnahmen zu sehen bekommen - die Tag-Wirkung von außen nach Innen wäre doch sicherlich interessant und würde die Diskussion eher "beflügeln" oder zumindest vereinfachen.
viele Grüße
Tim