Nachhaltig
Mahnmal für NS-Opfer in Soltau übergeben
Am 11. April 2007 wurde im niedersächischen Soltau ein Mahnmal für die Opfer des Nazionalsozialismus der Öffentlichkeit übergeben. Bei den acht Sichtbetonquadern, die das Denkmal bilden, handelt es sich um Musterexemplare für das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin von Peter Eisenman (BauNetz-Meldung zur Einweihung).
Das Denkmal soll an die Ereignisse vom 11. April 1945 in Soltau erinnern: In den letzten Kriegstagen wurde dort ein Häftlingstransport für das nahe gelegene KZ Bergen-Belsen bombardiert. Die Häftlinge konnten teilweise entkommen und versteckten sich in den Wäldern. Das NS-Regime rief die Bevölkerung auf, sich an der Suche zu beteiligen und die Häftlinge „unschädlich“ zu machen. Volkssturm und Hitlerjugend töteten etwa 90 Menschen und verscharrten die Überreste im Wald.
es ist eindeutig emotional und durch die stelen zu gehen verdeutlicht eigentlich dem plumpesten charakter worum es hier geht.
Es gibt besoffene, die sich in türrahmen verheddern - soll mann diese auch vebieten?
ich denke, die welt lebt gut mit diesem mahnmal und auch gut mit trürrahmen!
Ich finde es allerdings gut, dass isich einige zusammengefunden haben, um dieses Projekt zu realisieren. Dass man aus ausrangierten Elementen eines anderen Mahnmals dieses umsetzen (muss?) ist allerdings fraglich. Das zu beurteilen, bedarf es näherer Informationen. Tat man es um Geld zu sparen oder doch bewusst, um den Zusammenhang der Greueltaten der Nazizeit aufzuzeigen, etcpp. Diskussionsgrundlagen zuhauf.
Wichtig ist es allemal, dass auch in Soltau auf die Vergangenheit hingewiesen wird. Hoffentlich folgt noch mehr.
"Grau und kühl ragen die Quader aus dem Boden. Dass sie an das Holocaust-Mahnmal in Berlin erinnern, ist kein Zufall. Die acht Stelen aus Beton in Soltau (Landkreis Soltau-Fallingbostel) hat der amerikanische Architekt Peter Eisenman entworfen. Es sind seine Berliner Musterstelen, also die Vorlagen für die 2711 Exemplare, die das Stelenfeld in der Hauptstadt bilden. Die Stadt Soltau hat aus diesen Modellen ein eigenes Mahnmal errichtet - als Erinnerung an die Menschen, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft geworden sind. Morgen wird es der Öffentlichkeit übergeben.
"Soltau hat aus dieser Zeit einiges aufzuarbeiten - und tut sich schwer damit", sagt Wilfried Worch-Rohweder, Initiator des Mahnmals. Der SPD-Politiker hatte 2003 Kontakt zur "Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas" aufgenommen und sie von seiner Idee eines Mahnmals für Soltau überzeugt. Der Rechtsanwalt und damalige stellvertretende Landrat machte seine Pläne öffentlich - und traf auf teils erbitterten Widerstand. Die Frage war grundsätzlich: Braucht Soltau ein solches Mahnmal?
Nach einigem Hin und Her stimmte der Soltauer Rat 2005 schließlich zu. Mahnmal ja, öffentliche Mittel nein. Begründung: der klamme Haushalt. Zusammenkommen sollten die geschätzten 40 000 Euro für das Projekt durch private Spenden. Damit sein Projekt sich nicht über Jahre hinzog, sprach Worch-Rohweder gezielt Firmen an. Und er hatte Erfolg. Unternehmen unterstützten seine Pläne, gaben Geld oder halfen kostenlos mit Baggern und Kränen aus, um den Platz für das Mahnmal herzurichten. Ein befreundeter Künstler und ein Architekt aus der Region verzichteten auf ihr Honorar und gestalteten das Mahnmal. "Dieser Zuspruch tat gut", erinnert sich Worch-Rohweder.
Sechs Quader sind versetzt angeordnet. Sie bilden einen Weg, der auf zwei etwa vier Meter hohe Stelen trifft. Das Mahnmal steht für die Opfer des Nationalsozialismus. Es geht dabei auch um ein ganz eigenes dunkles Kapitel Soltauer Stadtgeschichte. Soltau war Eisenbahnknotenpunkt. Auf der sogenannten Heidebahn rollten Züge überall hin - auch ins nahe gelegene Konzentrationslager Bergen-Belsen.
Am 11. April 1945, wenige Tage vor Kriegsende, gerät einer dieser Züge bei Soltau in einen Bombenangriff. Die Häftlinge können entkommen, sie verstecken sich in den Wäldern - viele von ihnen in einem Gebiet namens "Sibirien". Die örtlichen Vertreter des NS-Regimes rufen die Bevölkerung auf, sich an der Suche zu beteiligen und die Häftlinge "unter allen Umständen unschädlich zu machen, sollten sie sich zur Wehr setzen". Die Suche wird zur Hatz, Volkssturm und Hitlerjugend sind auch dabei. Sie erschießen die Häftlinge, verscharren sie im Soltauer Boden. Die Überreste von 90 Toten werden im Laufe der Jahre gefunden.
An jener Stelle, im "Sibirien" von Soltau, erinnern nun die Stelen an die Opfer des Nazi-Terrors. Eine Gedenktafel soll folgen. Der Text wird noch von Historikern überarbeitet und ergänzt - und mehr auf die Ereignisse in Soltau zugeschrieben."