Nutzlose Verfahren
Koolhaas wettert gegen das Wettbewerbswesen
Rem Koolhaas hat sich in der Architekturzeitschrift Building Design am 5. Januar 2007 gegen das System internationaler Architektenwettbewerbe ausgesprochen und seine Kollegen zu einem Boykott solcher Verfahren aufgerufen.
Hintergrund für die Äußerungen ist die Diskussion um den Gazprom-Wettbewerb, bei dem Norman Foster, Rafael Viñoly und Kisho Kurokawa das Preisgericht aus Protest verlassen hatten. Zur Shortlist gehörten unter anderem Koolhaas' Büro OMA, Herzog & de Meuron, Jean Nouvel, Massimiliano Fuksas und Daniel Libeskind. Nach einer Online-Abstimmung prämierte die verbliebene Jury den Entwurf von RMJM mit dem ersten Preis (BauNetz-Meldung vom 5. 12. 2006).
Koolhaas nannte das Wettbewerbssystem „abscheulich“. „Unsere Ressourcen und jede Menge Ideen werden durch das System abgezapft - ohne jeglichen Nutzen. Es ist erstaunlich, wie die besten Köpfe einer Profession durch das Wettbewerbssystem in eine Postion des Schwäche manövriert werden, wenn sie in einer Position der Stärke sein sollten", so Koolhaas weiter. Er wolle „die Welt überzeugen, dass diese Art der Wettbewerbe nutzlos sind und wir effizientere Formen für Wettbewerbe untereinander finden sollten".
Kein junger Architekt hat heute die Chance, an einem Wettbewerb teilzunehmen, geschweige denn, darüber an einen Auftrag zu kommen.
Das Wettbewerbswesen verkommt mit mafiosen und elitären Strukturen der insoweit etablierte Büros, mal nehmen sie teil, ein anderes Mal sind sie Preisrichter; jeder kennt jeden und dessen Arbeit; ein geschlossener Kreis, dem das Kartellamt mal gehörig auf die Finger klopfen müßte.
Die jungen Architekten sollten endlich dagegen auf die Barrikaden gehen und zunächst für die Abschaffung der völlig überflüssigen Standeskammern kämpfen. Das ist finsterstes
Mittelalter, woran nur einige Wenige partizipieren;
der Masse der Archtitekten nützt es überhaupt nichts. Wenn man nur bedenkt, wie die vielen Gelder der Mitgliedsbeiträge, die aufzubringen sehr vielen schwer fällt, durch nutzlose (Verwaltungs-)Tätigkeit vernichtet werden, kann einem übel werden.
Architekten, mistet endlich in den Augiasställen der Standeskammern und der BKA aus.
Dazu nur kurz der Hinweis: Die Vorgeschichte ist, wie im Artikel genannt, der zweifelhafte „Wettbewerb“ für die Gazprom-City in St. Petersburg. BauNetz hat, als eines der ersten deutschsprachigen Medien, darüber ausführlich berichtet und zwei redaktionelle Kommentare dazu gebracht. Diese älteren Artikel sind in der Meldung verlinkt; wir setzen deren Kenntnis beim Leser voraus, um nicht alles mehrfach schreiben zu müssen.
Hier also noch einmal die Links zur Vorgeschichte:
Meldung vom 8. 11. 2006, Shortlist