Blob mit Überdruck
Kleinstes pneumatisches Dach über Berliner Dachterrasse
Da sage noch einer, Architekten würden nicht forschen: Der Berliner Architekt Alexander Thomass vom Büro 5elf vermeldet die Realisierung des kleinsten pneumatischen Daches über einer elf Quadratmeter großen Dachterrasse in Berlin-Mitte.
Bisher waren solche pneumatischen Konstruktionen, die mit konstantem inneren Stabilisierungsdruck arbeiten, nur für wesentlich größere Hallen üblich. Gründe dafür sind die aufwändige Steuerungstechnik und die lauten Gebläseanlagen. 5elf haben jetzt eine selbstregulierende Low-Cost-Druckanlage als Prototyp entworfen, die mit einem robusten Dwyer-Differenzdruckschalter und einer medizinischen Membranpumpe völlig geräuschlos arbeitet. – Die Architekten erläutern:
„Das kleinste permanente pneumatische Dach der Welt entstand aufgrund der speziellen funktionalen und ästhetischen Anforderungen für die Dachterrasse einer Penthousewohnung in Berlin-Mitte.
Nach den Wünschen der Bauherren sollte die Terrasse kostengünstig und regendicht überdacht werden, ohne den Raum mit seinem Blick in den Himmel durch mächtige Konstruktionselemente, einengende Dachneigungen und schmutzfangende Flächen zu stören. Das über den Terrassenraum einfallende Licht durfte durch die Dachkonstruktion nicht gemindert werden. Außerdem galt es, die hohe Qualität des Bestandsgebäudes durch einen minimierten baulichen Eingriff zu erhalten.
Das Kissen ist in einen reduzierten, lichtgrau beschichteten Stahlrahmen eingespannt und ist auf den ersten Blick fast nicht sichtbar – nur das Spülungsventil am tiefsten Punkt des Pneus weist auf eine Überdachung hin. Durch das Konzept des „Unsichtbaren“ entstand aus der oft verregneten und zu kalten oder zu heißen Dachterrasse ein zusätzlicher flexibler „Innen-Außen-Raum“ der Wohnung, der bei jedem Wetter genutzt werden kann.
Mit einem weißen Vorhang kann der Raum zum Innenhof hin geschlossen werden. So entsteht tatsächlich ein intimer Innenraum mit einem milden „Zwischenklima“. Himmel und Licht bleiben stets bestimmende Elemente des Raumes.
Die volltransparente ETFE-Kissenkonstruktion trägt sich durch konstanten Innendruck ohne weitere tragende Konstruktionselemente selbst. Der kaum wahrnehmbare Stahlbau in der Farbe der Wandflächen dient lediglich der Randaufhängung des Kissens, führt zudem das Regenwasser ab und nimmt Zuluft-, Mess- und Elektroleitungen (für die Kissenbeleuchtung) auf.“
Ich bin mir auch nicht sicher, daß es sich um das kleinste Beispiel handelt. Vor kurzem habe ich bei einer Präsentation ein pneum. ETFE-Dach über einem Carport gesehen. Ich glaube, das Foto stammte aus den Ende 80'ern Anfang 90'er Jahren. Keine Ahnung, ob das Carport noch existiert.
Zum Thema Schnee:
1) Zunächst ein Detail, das bei Schnee problematisch wird: die Luftversorgung wird von außen über transparente Schläuche (vermutlich auch ETFE) dem Kissen zugeführt (siehe Foto). Im Winter wird abrutschender Schnee hier definitiv zu Schäden führen, die Ventile beschädigen, herausreißen oder zumindest plastische Verformungen in der Folie erzeugen.
2) Angemessen (???) gelöst: Manuelle Druckumschaltung bei Schneelast. Berlin hat 75kg/m² Schneelast. Schon die Hälfte davon bringt das Kissen zunächst zum kollabieren, wird wohl aber noch nicht zum Versagen führen (Statik vorhanden?) Bei Kollabieren kann dann manuell umgeschaltet werden, erzeugt werden müßten dann mind. 750 Pascal für volle Schneelast, eher mehr, wg. Schneeanhäufung. Frage 01 an "5elf", schafft Euer Ventilator das? Nun meine Hauptkritik: Ein kritischer Lastfall wird hier allerdings außer acht gelassen: Während der Besitzer sich im Skiurlaub in Österreich mit Schneehasen vergnügt, kollabiert das Dach unter Schneelast zu Hause in Berlin. Es taut den nächsten Tag und es fällt Regen. Dieser Fall ist durchaus real, wahrscheinlich 1-2x in Berlin pro Jahr würde ich sagen. Der kollabierte Bereich läuft wie eine Schüssel voll (wenn niemand manuell umschaltet), da kein Gefälle existiert. Da kommen schnell Tonnen zusammen, zumal die Folie immer weiter ausweichen wird und statisch gesehen die Last immer eleganter über den erhöhten Stich abträgt.. Dies führt in der Folge entweder zum Rausreißen des Kissens aus der Halterung oder zum Rausreißen der Halterung aus der Hauptkonstruktion.
Frage 2 an "5elf": Habt Ihr irgendwelche Diskussionen zum Thema Wasseransammlung geführt, z.B. Schneewächter, zwingenden Einsatz von Schneeräumung etc. Denkbar für Wasseransammlung ist übrigens auch der Ausfall Eures Ventilators.
Viele Erfolg mit dieser Idee.
Schnee: hier ist der intelligente Nutzer gefragt. Bei Schneelast kann der Kissendruck manuell (Schalter) hochgefahren werden, die Drucksensorik wird überbrückt und der Schnee rutscht runter. Alles andere hat Kommentar 12 beantwortet. www.5elf.de
super idee