Kreuzweise
Herzog & de Meuron planen Hotel in Helsinki
Wenn das kein Statement ist: Herzog & de Meuron planen in der finnischen Hauptstadt Helsinki ein neues Hotel – offensichtlich auf dem Grundriss des Schweizerkreuzes.
Das Hotel entsteht direkt an der Einmündung der Altstadt-Esplanade zum Südhafen, damit soll es die Qualitäten Helsinkis – die historische Altstadt und die Nähe zum Wasser – miteinander verknüpfen.
Das Haus mit der Adresse Katajanokka 6 wird zur Fünf-Sterne-Kategorie gehören und soll „Helsinki Waterfront Hotel“ heißen. Die Kreuz-Form des Gebäudes rekurriert nach Angaben der Architekten jedoch nicht auf das eigene Nationalwappen, sondern vielmehr auf das klassizistische Raster der Metropole, gleichzeitig sei es die „effiziente Übersetzung des Programms: ein 5-Sterne-Hotel mit 200 Zimmern“.
Der Kreuzgrundriss des Erdgeschosses nimmt die vier „öffentlichen“ Bereiche des Hotels wie Restaurant und Bar sowie Lobby und Empfang auf, es orientiert sich in seiner Ausrichtung am Straßennetz. Das zweite, darüber „schwebende“ Kreuz ist den Hotelzimmern vorbehalten, es ist verdreht zum Straßenraster angeordnet.
Als Fassade schlagen die Architekten eine reflektierende Glashülle vor, die die Zwitterposition des Hotels zwischen Wasser und Stadt versinnbildlichen soll. Das sechsgeschossige Gebäude wird rund 14.800 Quadratmeter Geschossfläche aufweisen. Die Fertigstellung ist für 2010 vorgesehen.
Die -räumlich unwirksame- Rasterspielereibegründung hat allenfalls Zweitsemesterniveau.
Langweilig für Architekten, zerstörerisch für den Ort.
Uebrigens war an dieser Stelle eigentlich ein kombinierter Neubau des Finnischen Architektur- und Designmuseums vorgesehen. Das braucht man ja nun nicht mehr. Man hat ja HdM.
Seien wir doch einmal ehrlich: bei einem reg. Wettbewerb hätte so ein Vorschlag unter städtebaulichen Gesichtspunkten nicht den Hauch einer Chance. Ist ein Hotel wirklich so bedeutend, das es hier wie ein Solitär "irgendwie" im urbanen Gewebe abgestellt wird?
Zur Begründung der Architekten, dass es Bezug auf das Raster der Stadt nimmt: das wirkt, wenn man sich das Luftbild anschaut, regelrecht an den Haaren, bzw. über die Bucht herüber- , herbeigezogen.
HdM sollten sich vielleicht einmal wieder an anonymen Wettbewerben versuchen. Vielleicht kommen da bessere, weniger selbstgefällige und banalere Projekte bei heraus, die später, nachdem der Stern wieder gesunken ist, der baulichen Umgebung weniger im Magen liegen werden.
Hierzu folgende Erläuterungen (historisches Lexikon der Schweiz, http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D10104.php):
"Auf Betreiben Guillaume-Henri Dufours wurde erstmals 1840 eine gesamtschweiz. Truppenfahne mit dem frei schwebenden, weissen S. im roten Feld geschaffen. 1889 präzisierte der Bundesrat, dass die vier gleich langen Arme des aufrechten, frei schwebenden Kreuzes um ein Sechstel länger als breit sein müssten. Das Grössenverhältnis zwischen S. und Schild bzw. Fahne ist hingegen nicht festgelegt."
Hier habt Ihr's: die Arme des Grundrisses müssten genau 1/6 länger als breit sein. Ansonsten Freispruch vom Schweizerkreuzverdacht!
Und nebenbei noch für alle, dies nicht wussten: die Schweizer fahne ist quadratisch, alles andere ist billige Kopie (wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Flagge_und_Wappen_der_Schweiz):
"Im Gegensatz zu den meisten anderen Nationalflaggen bildet die Fahne der Schweiz ein Quadrat, nur auf Hochsee- und Binnenschiffen schweizerischer Reedereien weht eine rechteckige Fahne im Verhältnis 2 : 3."
So, musste doch mal gesagt sein, danke für die Aufmerksamkeit, und bis bald an der Euro!