Great Wheel
Entscheidung für Riesenrad in Berlin
Am 22. Oktober 2007 hat der Baustadtrat von Berlin-Mitte die Baugenehmigung für ein 185 Meter hohes, dauerhaftes Riesenrad am Berliner Bahnhof Zoo erteilt. Vorangegangen war am 18. Oktober 2007 die Billigung eines entsprechenden vorhabenbezogenen Bebauungsplanes durch das Bezirksparlament von Berlin-Mitte.
Die Great Berlin Wheel GmbH & Co. KG, eine Tochter der Great Wheel, will das 120 Millionen Euro teure Rad auf dem Wirtschaftshof des Zoos errichten. Das Projekt besteht aus dem 185 Meter hohem Rad mit 26 klimatisierten Kapseln, die je 40 Besucher fassen, und einem Terminalgebäude, der so genannten „Abflughalle“. Die Pläne für die „Abflughalle“ stammen von dem Berliner Architekten Ingo Pott; das Rad selbst ist eine ingenieurtechnische Konstruktion der Great Wheel.
Die CDU kritisierte das Verkehrskonzept, da es nur Behindertenparkplätze und Stellplätze für Busse vorsieht. Die meisten Besucher sollen nach dem aktuellen Konzept des Senats mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.
Baubeginn soll Anfang 2008 sein, ab Herbst 2009 soll sich das Rad für Besucher drehen. Davon werden etwa zwei Millionen pro Jahr erwartet. Eine Fahrt soll 35 Minuten dauern und ungefähr 11 Euro kosten.
Dass das Wiener Riesenrad ein Wahrzeichen Wiens ist, steht ausser Frage.
Dass das Wiener Riesenrad authentisch ist, steht ebenfalls ausser Frage. Jeder weiss, wie es aussieht. Jeder kennt seine roten Gondeln, nicht nur aus unzaehligen Filmen.
So ist das Londoner Riesenrad authentisch, und sehr wohl ein Wahrzeichen. (Der Vergleich mit Disney World hinkt, da Disney World keine innerstaedtische Praesenz hat, und im Uebrigen auch ueberall anders aussieht.)
Es an 6 Standorten standardmaessig in Innenstadtbereichen von Weltstaedten aufbauen zu wollen ist grotesk. Eine Investorenidee. Wirtschaftlich.
Ist Wirtschaftlichkeit alles, was die jungen deutschen Architekturstudenten heute erwarten? Wolf hatte offensichtlich recht mit dem, was er vor einigen Tagen ueber einige BMW World Kommentatoren geschrieben hat.
Mir scheint, hier muessten einige mal wieder nach London, um sich die positive und weitgreifende Praesenz des hiesigen Riesenrades zu vergegenwaertigen. Es ist ueberall in der Stadt, und seine unverkennbaren Kapseln auf etlichen London-Fuehrern als Titelbild abgebildet. Ein Wahrzeichen eben.
Berlin hat ein authentisches, d. h. ein berliner Riesenrad verdient, nicht nur ein berliner Kassenhaeuschen unter einem Standardmodell.
Ob diese Auffassung jetzt ein "selten daemlicher Quatsch" ist, ist Ansichtssache.
P.S.: Wuerde mich schon interessieren, was die Wiener sagen wuerden, wenn man ihr Riesenrad in Berlin nachbauen wuerde.
Oder die Pariser, wenn man ihren Eifelturm - einst auch kein Wahrzeichen -, in Peking nachbauen wuerde (wie vor einiger Zeit mit der mittlerweile wieder abgerissenen Kirche Ronchamp geschehen).
Finanziell gesehen läuft es nicht auf Kosten der Steuerzahler; dieser kann nur profitieren. Wunderbare Sache also!
Ziemlich unsinnig fand übrigens auch die Mehrheit der Franzosen den Eifelturm seinerzeit....
Dass es sich für den Investor anscheinend als lohnend errechnet hat und daher das Geld dafür freigegeben wird - bitte, mag sein, sein Problem wenn´s dann doch nix wird..
Aber nochmal:
Mich würde einfach interessieren was hier 120 Millionen kostet, wenn man mal vergleicht, was für andere Gebäude sonst für soviel hingestellt werden im Vergleich zu dem, was hier entsteht. (nein, ich komme jetzt nicht mit Schulen und Kindergärten, das ist im Augenblick gar nicht unbedingt der Punkt) ?