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17.03.2008

Drei Schichten Historie

Das neue Akropolis-Museum ist fertig – und in Berlin


Bis zur offiziellen Eröffnung wird es noch ein paar Monate dauern, jedoch ist das neue Akropolis-Museum von Bernard Tschumi bereits fertig – und seit dem 14. März 2008 in Berlin zu sehen: Im Rahmen der Wanderausstellung „Museen im 21. Jahrhundert“ des Art Centre Basel, die bereits durch Europa, Amerika und Asien tourte, wird es gemeinsam mit zahlreichen anderen internationalen Museenprojekten bis 25. Mai 2008 im Pergamonmuseum zu sehen sein. Aus Anlass seiner Fertigstellung und seiner Bezüge zur Antikensammlung wird Tschumis Museum in der Berliner Ausstellung gesondert hervorgehoben.

Was lag an diesem Hort archäologischer Schätze näher, als das neue Akropolis-Museum – das auf dem historischen Boden der ehemaligen Makryjannis-Kaserne, nur 300 Meter südöstlich des Parthenon-Tempels, nun 14.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche für alle erhaltenen antiken Kunstschätze der Akropolis bietet – vom Architekten selbst vorstellen zu lassen?

Tschumis „außergewöhnlich kühne und überzeugende Lösung“, mit der er 2001 den internationalen Wettbewerb gewann (BauNetz-Meldung vom 29. Oktober 2001), sah sich vielen Widerständen gegenüber. Das noch unter der sozialitischen Regierung beschlossene und sogar trotz gegenteiliger Gerichtsbeschlüsse fortgeführte Projekt wurde von der nachfolgend konservativen Regierung gestoppt (BauNetz-Meldung vom 16. März 2004), da diese laut offizieller Argumentation die archäologischen Grabungstätten für gefährdet hielt, aber eigentlich immer ein erklärter Gegner des Projekts war.

Allen Widerständen zum Trotz konnte sich Tschumis durchaus sensible Lösung, die er gemeinsam mit den am Projekt beteiligten Archäologen entwickelte, am Ende durchsetzen. Diese bestand in der Setzung von 100 Betonstelen an unkritischen Punkten der Grabungen, um auf diese das eigentliche Gebäude zu stellen – erdbebensicher.

Das weit auskragende Vordach aus Sichtbeton führt den Besucher mit einladender Geste von der 80 Meter entfernten und nunmehr verkehrsberuhigten Apostolou-Pavlou-Straße in das Museum, das sozusagen in Anlehnung an die im Museum gezeigten drei Schichten der Historie als Erdgeschoss, Mittelteil und Dachgeschoss konzipiert ist.
Die Formfindung der drei Ebenen wurde im wesentlichen durch die notwendige Anordnung der Stelen in der archäologischen Ausgrabung, die vorhandenen Straßenachsen im Bereich des Mittelteils und die axiale Ausrichtung auf den Parthenontempel im obersten Geschoss determiniert.

Die auf dem Baugrund befindlichen Ruinen aus dem 4. bis 7. Jahrhundert v. Chr. wurden in situ konserviert und sind vom Eingangsgeschoss aus – das Foyer, Räume für Wechselausstellungen und Betriebsräume enthält – durch die Öffnungen der Glasrampe zu besichtigen, die von hier aus in das Mittelgeschoss mit seinem trapezförmigen Grundriss führt.
Das sich in doppelter Höhe bis zu 10 Metern erhebende, größtenteils verglaste Geschoss führt die 100 Stelen als eine Art Säulenhalle fort und zeigt hier die Exponate von der archaischen Periode bis zur spätrömischen Zeit. Ost- und Westfassade verfügen über metallene Vertikallamellen, die vor direkter Sonneneinstrahlung schützen und den Blick nur nach Norden zur Akropolis öffnen. Ein Zwischengeschoss beherbergt eine Bar und ein Restaurant mit öffentlicher Terrasse zur Akropolis sowie Multimediaeinrichtungen.

Das Obergeschoss wird gebildet durch den rechteckigen, mit einer Glashaut umschlossenen Parthenon-Saal. Es sitzt um 23 Grad gedreht auf dem übrigen Gebäude, da es unmittelbar auf die Akropolis ausgerichtet ist. Hier wird der aus zwei Teilen bestehende, konstruktive Erschließungskern, der sich vertikal durch alle Ebenen zieht, zum Untergrund für den Parthenonfries, eine Kombination aus den in Athen befindlichen Teilen und Originalabgüssen des Elgin-Frieses im British Museum. Auf diese Weise wird der Fries erstmalig wieder in einem Stück erlebbar. Der Parthenon-Saal ist um einen Innenhof mit Oberlicht angelegt, der Tageslicht an den Karyatiden im Mittelgeschoss vorbei bis in das untere Stockwerk und auf die Ausgrabungsstätten fallen lässt.

Die Wahl der Materialien Glas, Beton und Marmor erfolgte laut Tschumi nach dem Kriterium der Einfachheit und Nüchternheit: Völlig transparentes Glas filtert das Licht milde durch eine besondere Sonnenschutzisolierung. Beton in Fertigteilen oder als Gussbeton bildet die grundlegende Bausubstanz und den Hintergrund für die meisten Kunstwerke. Marmor markiert die Böden: in Schwarz als Wegweiser für den Rundgang, in hellem Beige für die Säle.

Die das Museum umgebende Grünfläche von 7.000 Quadratmetern wurde mit lokalen Sträuchern und Bäumen, darunter Olivenbäumen, bepflanzt. Bis zur offiziellen Eröffnung im Herbst 2008 soll alles wie eine gewachsene Landschaft aussehen. Als letzter Schritt der Einpassung des neuen Museums in die historische Umgebung fehlt nur noch die Neugestaltung der Rückseiten der zwei Altbauten an der Dionyssiou- Areopagitou-Straße, die unmittelbar am Eingang zum Museum stehen.
Hierfür hat die griechische Architektenkammer jüngst einen weltweiten Gestaltungswettbewerb für Architekten, Designer, Künstler und Studenten ausgeschrieben, der noch bis 6. Mai 2008 läuft. Die Resultate werden im Juni 2008 auf der unten genannten Website publiziert.


Zum Thema:

Gestaltungswettbewerb für die zwei Altbauten unter www.greekarchitects.gr
Ausstellung Museen im 21. Jahrhundert


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