Gigantisch gescheitert
Bürgerentscheid lehnt Aachener „Bauhaus Europa“ ab
Wäre das 31 Millionen Euro teure „Bauhaus Europa“ in Aachen ein Sprung nach vorn - oder eine Steuerverschwendung? „Letzteres!” entschied am 10. Dezember 2006 die Mehrheit der Aachener Bürger bei einem Bürgerentscheid. Mit 56.500 Stimmen wurden die Pläne gestoppt, nur 20.000 Teilnehmer wären erforderlich gewesen.
Zum Dreiländerfestival „Euregionale 2008“ sollte das Bauhaus auf Wunsch von Oberbürgermeister Jürgen Linden (SPD) als Veranstaltungs- und Ausstellungszentrum errichtet werden (siehe BauNetz-Meldung). Im Herzen der Stadt sollte die
aufsehenerregende Architektur jährlich 300.000 zusätzliche Touristen nach Aachen lenken und so einen „Bilbao-Effekt“ auslösen. Die Euregionale-Gesellschafterversammlung hatte schon vor dem Bürgerentscheid erklärt, dass dessen Ausgang „über die Umsetzung entscheidet“. Mit über 79% Ablehnung fiel die Entscheidung eindeutig aus.
Neben Kritik an den Kosten war nicht klar, was genau in dem Bauhaus passieren sollte und warum es am sensiblen Katschhof gebaut werden müsse, wo die Pfalz Karls des Großen neben Dom und Rathaus stand.
Der Schweizer Städtebauer Carl Fingerhuth, Vorsitzender der Jury beim Architektenwettbewerb, war sich hingegen sicher, dass das neue Zentrum „in fünfzig Jahren selbst zum Weltkulturerbe gehören wird“. Der Wiener Architekt Wolfgang Tschapeller hatte einen gebäudehohen Ausstellungsraum ohne Ecken und Kanten mit fließenden Höhen und Tiefen vorgesehen. Wie auf einer Karte wollte der Architekt darin Ereignisse der europäischen Geschichte eintragen. Über dieser Geschichtslandschaft sollte eine fahrbare Brücke schweben, von der aus Besucher die Ausstellungsinhalte wahrnehmen können.
Kritiker fürchteten, dass der Neubau mit seiner 15 Meter hohen Glaswand den Katschhof ruinieren werde. Tschapeller hatte Aachen vorab nicht besucht.
Das die Bürger ihre Stadt aufmerksam verteidigen finde ich im Nachhinein viel besser als im Jahre 2006. Die Bürger leben in der Architektur, die wir Architekten entwerfen. Die Bürger sind die Nutzer. Sie müssen sich entsprechend zu Wort melden können. Hier haben sie es getan.
Ich stehe zu dem unten formulierten Kommentar, der meine Meinung zu dieser Zeit widerspiegelt.
Heute wünsche ich mehr Mitbestimmung, nicht nur in der bürgerfeindlichen Demokratie, sondern auch in der menschenfremden Architekturdebatte.
Wir Architekten und Stadtplaner müssen immer wieder uns vor Augen halten, für wenn wir unsere Gebäude und Konzepte bauen. Nicht für Investoren und Politiker, sondern für die Menschen, die in diesen Räumen, diesen städtischen Räumen, leben, arbeiten, sich freuen und sich am besten wohl finden. Nur mit den Menschen zusammen kann man gute Architektur erlangen, das weiß ich mittlerweile.
Viele Politiker und Architekten scheinen das vergessen zu haben. Könnte es daran liegen, dass sie den Kontakt mit dem Leben der Menschen verloren haben, denen sie ihre „Lösungen“ auferlegen?
Wie geht es weiter? Werden nun bei jedem Bauvorhaben die Bürger nach städtebaulichen und architektonischen Gesichtspunkten abstimmen dürfen?
Wenn es um Folgekosten ging, die nicht transparent gemacht worden sind, verstehe ich die Ablehnung,
wenn es um das für viele nicht erklärte , "gefühlte" Konzept des Hauses ging kann ich das nein auch verstehen,
aber sollten sich 56.000 Aachener Bürger als Architektenbeirat geführt haben und ihren "heiligen", in Wahrheit aber toten und ereignislosen Ort schützen wollen, versagt mein Verständnis.
Wie schon bei der Stadtbahn hat Aachen und (wiedermal) die konzeptlosen Christdemokraten eine große Chance verpasst,
finde ich und bin als Aachener enttäuscht.
Wie geht es weiter? Werden nun bei jedem Bauvorhaben die Bürger nach städtebaulichen und architektonischen Gesichtspunkten abstimmen dürfen?
Wenn es um Folgekosten ging, dienicht transparent gemacht worden sind, verstehe ich die Ablehnung,
wenn es um das für viele nicht erklärte , "gefühlte" Konzept des Hauses ging kann ich das nein auch verstehen,
aber sollten sich 56.000 Aachener Bürger als Architektenbeirat geführt haben und ihren "heiligen", in Wahrheit aber toten und ereignislosen Ort schützen wollen, versagt mein Verständnis.
Wie schon bei der Stadtbahn hat Aachen und (wiedermal) die konzeptlosen Christdemokraten eine große Chance verpasst,
finde ich und bin als Aachener enttäuscht.