Bücherbahnhof
Bibliothekseröffnung in Luckenwalde
Seit der Teilprivatisierung der Deutschen Bahn werden viele regionale Gleisanlagen teils oder ganz wegrationalisiert. Viele Bahnhofsgebäude sind von Leerstand oder Verfall betroffen.
In der brandenburgischen Kreisstadt Luckenwalde halten zwar noch Züge, jedoch sorgte die Abtrennung des Post- und Güterbahnhofs und die damit zu ändernde Erschließung der Bahnsteige für Leerstand im denkmalgeschützten Empfangsgebäude des Bahnhofs.
Der alte Ort des Wartens, an dem man früher nur billige Bahnhofslektüre erstehen konnte, wurde jüngst durch einen Um- und Anbau sprichwörtlich „vergoldet“: Am 19. Juni 2008 eröffnete die Stadtbibliothek Luckenwalde hier ihre Türen. Die Berliner Architektenteam Wronna/Fleckenstein/Feldhusen (letztere zwei firmieren als FF-Architekten), hatten 2004 den entsprechenden Wettbewerb gewonnen. Das Projekt wurde von 2005 bis 2008 für 3,4 Millionen Euro umgesetzt.
Die Idee einer Stadtbibliothek im leerstehenden Bahnhofsgebäude bot die Chance, dem Bahnhof einen neuen Platz im Stadtgefüge zu geben. Als Knotenpunkt des öffentlichen Nahverkehrs ist der Ort hochfrequentiert und gut erreichbar. Um einen unabhängigen Zugang zu den Gleisen zu schaffen und das Gebäude völlig eigenständig nutzen zu können, wurden zunächst die vorhandenen eingeschossigen Anbauten zurückgebaut.
Der zweite wesentliche Baustein des Entwurfs ist der Anbau der Kinder- und Jugendbibliothek. Mit seiner goldenen, schuppenartigen Fassadenhaut hebt sich der dynamisch-windschiefe Kubus deutlich vom alten Gebäudetrakt ab und soll damit die besondere Stellung der Kinder- und Jugendbibliothek hervorheben. Ein Blickfang ist der goldene Kubus in einer Kleinstadt allemal.
Das Bestandsgebäude bot großzügige Wartesäle bis hin zu kleinteilig strukturierten Wohnbereichen. Der Umbau verbindet nun die verschiedenen Bereiche und sorgt für fließende Räume, in denen sich die Bibliotheksbesucher gut orientieren können.
Das neue Farbkonzept passt alle Farben und Einbauten denen der bestehenden Räume an und bindet über verschiedene Rottöne alles zu einer zusammenhängenden Sequenz zusammen.
Der Entwurf scheint auch vor Ort gut anzukommen. Ich hörte einige positive Stimmen.
- ABER: -
Der Bücherbahnhof ist überhaupt kein Bahnhof. Es gibt dorch eine Bücherei in einem ehemaligen Bahnhofsgebäude. Aber Fahrkartenschalter oder sonstige bahnhofstypische Einrichtungen sind nicht enthalten. Im Gegenteil, es gibt überhautpt keinen Fahrkartenschalter mehr, vor dem Bibliotheksbau gab es noch einen. Das ist äußerst bedauerlich, denn im Gegensatz zu der Meinung eines Vorredners, spielt die Bahn in Luckenwalde keine geringe Rolle: Es brummt auf dem Bahnsteig, wenn der RE nach Berlin einrollt.
Von der Baunetz-Redaktion hätte ich mir zu dem o. g. Aspket in der Meldung eine klare Aussage gewünscht. Denn natuerlich reicht für die Fachpresse ein Artikel nicht aus, der sich über grundlegende funktionale Zusammenhänge ausschweigt.
So heisst es doch: Lesen statt Warten und eben nicht lesen beim Warten...Und ohnehin: Würde der Reisede tatsächlich schwere Bücher mit sich rumschleifen wollen anstelle einer Zeitschirft die er einfach im Abteil liegen lassen kann?
m. A. ein völlig verqueres Konzept. Nur so zur Anregung diese Gedanken.