Blick aufs Kaspische Meer
Ambitioniertes Wohnhaus im Iran fertig
Ein neues Wohnhaus wurde jüngst am iranischen Ufer des kaspischen Meeres fertig. Entworfen hat es Pouya Khazaeli Parsa, ein junger iranischer Architekt, der in Teheran studierte und unter anderem bei Shigeru Ban gearbeitet hat. Erst im Juni 2007 hat er sein eigenes Büro Rai Studio eröffnet.
Bei diesem Gebäude, das in enger Abstimmung mit seinem Bauherrn konzipiert wurde, treffen die Einflüsse iranischer Lebensweise mit denen der Architekturauffassung der Moderne zusammen. Architekt und Bauherr haben eine bestehende Hausruine bei schmalem Budget und mit engagierten Entwurfsabsichten neu aufgebaut. Vorgetäuschte Referenzen an islamische Architekturen wurden sorgfältig vermieden.
Khazaeli Parsa hat sich vielmehr auf eine räumliche Variation eingelassen, die ihre Inspiration laut Architekt aus Le Corbusiers „Gedicht des rechten Winkels“ beziehe. Die Entwurfsidee entstamme einem einfachen Wunsch; nämlich, den Hausbewohnern den Ausblick auf das Kaspische Meer genießen lassen zu können. In Daryacheh, wo sich das Haus befindet, ist der Blick auf das Meer durch touristische Überentwicklung des Ortes meist versperrt. So lässt Khazaeli Parsa das Haus sich als Weg nach oben winden. Mit dem rampengleichen Ansteigen des Hauses wickeln sich die Räume und die Dachterrassen immer höher, bis das Haus in einem Dachgarten kulminiert, der einen Panoramablick auf das nahe liegende Meer bietet.
Der dadurch enstandene Innenhof interpretiert ein traditionelles Wohnelement nahöstlicher Häuser neu; die Nutzung des Hausdachs als Wohn- und Schlafraum im Sommer ist im Iran durchaus üblich. Die Synthese aus moderner Architekturauffassung und traditioneller Lebensweise scheint hier gut gelungen zu sein.
1_der Außenraum ist den klimatischen Bedürfnissen und Möglichkeiten entsprechend gestaltet: Wasserbecken dienen der Luftkühlung und Befeuchtung, Kiesflächen verhindern eine zu große Verdunstungsrate von Wasser, da dieses schneller versickern kann und somit der direkten Umgebung als Ressource zur Verfügung steht... (der Ort befindet sich am Rande einer semi-ariden Klimazone)
2_der Außenraum basiert ferner in seiner Gestaltung auf traditioneller Formensprache der Region und daraus basierenden Erkenntnissen.
3_Moderne Architektur ist im Iran aufgrund der (neueren!) Geschichte nur sehr wenig ausgeprägt, dafür jedoch war die persische Kultur und in diesem Zusammenhang auch Architektur bereits wesentlich früher wesentlich fundierter entwickelt als die unsere... (beides trifft leider auch auf die Landschaftsarchitektur zu. Aber Landschaftsarchitekten hierzulande haben ja sicherlich schon einiges über die berühmten persischen Gärten - das Paradies an sich - gehört...)
5_ja. da Gebäude ist - v.A. in diesen Zusammenhängen betrachtet - wirklich ziemlich gut!
mG...
Dem Iran ist jedenfalls damit ein guter "Gedanken - Import" gelungen.
Vielleicht klappt´s dann in ein paar Jahrzehnten auch mit guten Landschaftsarchitekten, denn schließlich braucht jeder weite Weg einen ersten Schritt.