120 Meter Forschungstreppe
schneider+schumacher in Shenzhen
Die chinesische Tech-Metropole Shenzhen und die Sonderverwaltungszone Hongkong entwickeln ein Kooperationsareal für Wissenschaft und Technologie. Entlang ihrer geografisch gegebenen Grenze, dem 1997 begradigten Shenzhen River, definierten beide Städte 2017 jeweils Gebiete, die seither als Forschungsquartiere ausgebaut werden.
„Ein Fluss, zwei Ufer“ und „eine Zone, zwei Parks“ lauten die Leitbilder dieses kooperativen Vorhabens. Während der kleinere, 87 Hektar messende Teil auf der Hongkonger Seite anstelle vorheriger Feuchtgebiete völlig neu entsteht, werden am Shenzhener Ufer bestehende Stadtteile auf einem Gebiet von 300 Hektar schrittweise weiterentwickelt. Eines der ersten Bauwerke dort ist das Hetao Innovation Center von schneider+schumacher. Das Büro mit Sitzen unter anderem in Frankfurt am Main und Shenzhen konnte 2019 den Wettbewerb gewinnen und 2024 das Projekt fertigstellen.
Der Komplex mit gut 204.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche zählt zu den Nominierten des Internationalen Hochhaus Preises 2026/27 – obwohl man die dazu qualifizierende Höhe nicht unbedingt sofort bemerkt, zumal im Kontext von Shenzhen. Am Fluss beginnend, platzierten die Architekt*innen stadteinwärts stufenweise höher aufragende Glaskörper hintereinander. Ihren Angaben zufolge ließ sich auf diese Weise auch eine notwendige Transformatorenstation integrieren. So wächst das gut 300 Meter lange Gebilde von einem dreigeschossigen Quader über eine Querstraße hinweg zu einem Turm mit 120 Metern Höhe.
Zwischen den parallel zueinander aufgereihten Volumen ist Platz für einen schluchtartigen Innenhof auf der Decke des Erdgeschosses. Ihn charakterisieren mehrere markante Verbindungstreppen. Weil die Baukörper in auf dem Kopf stehender L-Form ausgebildet sind, kragen sie ein Stück weit über ihren jeweiligen „Vordermann“ aus. Für jede der elf Dachterrassen entwarfen GTL Michael Triebswetter (Kassel/Hamburg) ein individuelles Freiraumkonzept.
Neben Laboren und Büros biete der Komplex Bereiche für Ausstellungen, Tagungsräume sowie Freizeitanlagen zum informellen Austausch zwischen den Wissenschaftler*innen, schreiben die Architekt*innen. Im Frühjahr 2026 hat hier beispielsweise die Bi-City Biennale of Urbanism/Architecture stattgefunden. (mh)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- schneider+schumacher
- Team Architektur:
- Michael Schumacher (Lead Architect), Wang Nan (Design Director), Sun Di (Projektleiter), Li Meng, Li Xiaoxin, Zhao Yifan, Wu Meisi, Zhang Xiuyuan, Zhu Jingjing, Fan Chang, Chen Yifan, Fan Yunzhou, Lin Yongjia, Patrick Euler, Katharina Specht, Li Nan, Liu Yanwei, Ning Qingkai
- Kontaktbüro Architektur:
- Shenzhen Machinery Institute Architectural Design Co.
- Statik:
- Arup International Consultants, Shenzhen Branch
- Fassadenplanung:
- SuP Ingeneure
- Landschaftsarchitektur:
- GTL Michael Triebswetter Landschaftsarchitekt
- Bauherrschaft:
- Shenzhen-Hong Kong Science and Technology Innovation Cooperation Zone Development Co.
- Fläche:
- 204.494 m² Bruttogrundfläche
- Auszeichnungen:
- Nominierung Internationaler Nochhaus Preis 2026/27