Tamil Nadu
gmp gewinnen Wettbewerb für Parlament in Indien
Man kann über Volkwin Marg sagen, was man will – auf den Spuren Le Corbusiers hat sich der zurückhaltende Hanseat bislang nicht gesehen. Das könnte anders werden: Ähnlich wie Corbu seinerzeit in Chandigarh bauen gmp jetzt ein Parlament eines indischen Bundesstaates: Das Büro hat den internationalen Wettbewerb für den Bau der Volksvertretung von Tamil Nadu in der Hafenstadt Chennai gewonnen.
Volkwin Marg und gmp-Partner Hubert Nienhoff erläutern ihr Projekt: „Der Entwurf ist aus den kulturellen Traditionen des Landes abgeleitet und in den urbanen Kontext der Stadt Chennai eingefügt. Die Geometrie der Gebäudestruktur wird aus dem traditionellen, runden Chakra-Motiv (Mandala) abgeleitet, das aus Kreisen verschiedener Größe besteht, die in 36 gleichschenkligen Dreiecken eingeschrieben sind.
Diese zeitlosen, stabilen Formen des Kreises und des Dreiecks bilden die geometrische Struktur des Entwurfs im Grund- und Aufriss. Sie verweist auch mit der weit sichtbaren Kuppel auf die Tektonik der Tempelkomplexe dravidischen Stils.
Mit fünf runden Innenhöfen weist das Gebäude in seiner Hofarchitektur funktional differenzierte Räume auf. Es entstehen öffentliche, halböffentliche und auch gesicherte interne Bereiche.
Das weiträumige Bürgerforum im Süden des Gebäudes wird durch den größten Kreis im Mandala erzeugt.
Es ist die Öffnung zur Stadt und zugleich Eingangsbereich, um den herum sich öffentliche Nutzungen angliedern. Die drei weiteren runden Höfe im Herzen des Gebäudes beherbergen die Assembly Hall, die Legislative Assembly Chamber und die Convention Hall.
Das Landesparlament ruht auf einem geböschten Sockel und wird gärtnerisch eingefasst. Die Glaskuppel über der Assembly Hall markiert den Sitz des tamilischen Parlaments.“
Der Planungsauftrag ist bereits erteilt. Das Parlamentsgebäude soll 2010 fertig gestellt sein.
wer von Euch schon in Indien gereist ist, der wird das Gefühl der chaotischen Zustände aus dieser Reise noch in sich schwingen fühlen.
Ein symmetrischer starker Baukomplex, wie ihn gmp für den Bundesstaat Tamil Nadu vorschlägt, steht in meiner Architekturauffassung im Kontrast zu dem Leben in den Strassen. Ein ruhender Pool im Getümmel des Alltags der Hafenstadt.
Natürlich erinnert die Kuppel an den Berliner Reichstag, wahrscheinlich werden wir uns darauf einstellen müssen, dass eine Kuppel, vergleichbar mit der Schädeldecke, die richtige Form ist, wenn es um das Abwägen politischer Handlungen geht.
Ich bewundere gmp ,dass sie eine Form gewählt haben, die für sie schlüssig schien, wohl wissend, dass die Architektenschaft, gerade in Deutschland, ein hartes Urteil darüber fällen wird.
Gmp selber beschreibt die Kuppel als oft sichtbare Tektonik der Tempelkomplexe des darvidischen Stils. Auch den Verweis auf die Chakren lässt auf spirituelle Architektur des frühen Tempelbaus schließen.
Mir gefällt die Vorstellung, dass der Besucher beim Durchschreiten der Räume seine Energie zum Zentrum hin anhebt, dafür wäre es wichtig, sich mit dem Architekten Imhotep auseinander zu setzen 2665 v. Christus. Imhotep hat, wenn man das aus der großen zeitlichen Distance sagen kann, die Strahlung der Erde genutzt, um den Weg durch den Tempelkomplex bis zur Opferkammer auch energetisch für den Priester erfahrbar zu machen. ( siehe "Geontisch Planen, Bauen und Wohnen " Eike Hensch)
Nun ist das geplante Parlamentsgebäude kein Tempel, aber geomahntisches Wissen über den Baugrund könnte die Entwurfsidee vielleicht unterstützen.
und zum thema städtebau: man schaue sich den weiteren kringel lings davon an...auch nicht so dolle. das sind halt grüne-wiesen-entwürfe, das hat mit städtebau nix zu tun