Doppelspirale
gmp gewinnen Museum in China
Vom Fischerdorf zur Millionenstadt in zwanzig Jahren: Das geht so nur in China. Die südchinesische Stadt Zhuhai zählt zu den Gewinnern der lokalen Entwicklungspolitik, wuchs sie doch seit den achtziger Jahren zum beliebten Wohnort und Urlaubsdomizil für Geschäftsleute aus dem nahe gelegenen Macao sowie zum Ferienziel des quasi „gegenüber“ gelegenen Hongkong heran. Mit Sportanlagen und Freizeitparks inzwischen reichlich ausgestattet, fehlt der Stadt noch die kulturelle Verankerung. Die soll nun kommen, und zwar (unter anderem) in Gestalt des neuen „Stadtmuseums“, dessen internationaler Architektenwettbewerb nun entschieden wurde.
Gewonnen hat ihn der Global Player aus Hamburg: gmp von Gerkan Marg und Partner, gemeinsam mit dem chinesischen Kontaktarchitekten CABR (Shenzen). Weitere Wettbewerbsteilnehmer waren unter anderem Arata Isozaki (Tokio) und RMJM (London).
Das Museum soll an der Küstenstraße entstehen, die von Norden in die Stadt hineinführt. Der Baukörper wird gemeinsam mit dem derzeit entstehenden Opernhaus, das auf einer künstlichen Insel gegenüber gebaut wird, die neue Eingangssituation Zhuhais definieren. Bei der Ausstellungsfläche lässt man sich nicht lumpen: Rund 50.000 Quadratmeter sind der blutjungen Stadtgeschichte insgesamt gewidmet. Dabei wird es zwei Ausstellungsbereiche geben, einen für die (zukünftige) Stadtentwicklung, einen für die Historie.
Bei der Besucherführung greifen die Architekten auf das bewährte Modell der Spirale zurück, das sie neu interpretieren: Der Besucher gelangt in den übereinander geschichteten Ausstellungshallen spiralförmig nach oben und wird auf seinem Weg mit der Stadtplanung vertraut gemacht. Der Rundgang in dem achtgeschossigen Gebäudeteil endet in einem Raum mit einem großen Fenster in 60 Metern Höhe. Dieser Raum bietet dem Besucher ein 30x40 Meter großes Stadtmodell und den Blick nach draußen auf die wachsende Stadt.
Mit dem Bau des Museums soll bereits Ende 2010 begonnen werden.
ich denke, das liegt auch an unserem konsensdemokratischen wettbewerbswesen. da wird vor allem langweilige architektur gefördert, die keinem der jurymitglieder wehtut. wenn ich mir deutsche wettbewerbe angucke, komme ich in 90 prozent der fälle höchstens ins gähnen. weil die architekten logischerweise nur entwürfe abliefern, die chancen auf realisierung versprechen. also bloß nicht zu expressiv, bloß nicht zu gewagt, bloß nicht so, dass es unwirtschaftlich aussieht.
private auftraggeber sind auch nicht viel anders: wert wird eben auf wirtschaftlichkeit und haustechnik gelegt, weniger auf raum und ästhetik. leider.
aber: arbeiten wir dran, das ist unser job! mehr mut!