Mutter aller Blumenvasen
Neues Kulturzentrum für Guangzhou
Chinas „Stadt der Widder“ bekommt ein neues Kulturzentrum: Mitte April stellte das japanische Büro Endo Shuhei Architect Institute seinen Entwurf vor. Nach offiziellen Verlautbarungen soll das Bauwerk der Bevölkerung der chinesischen Provinz Guangdong „den Geist und die Kultur der Asiatischen Spiele 2010“ näherbringen, die in Guangzhou ausgetragen werden.
Die aufgestelzte Gebäudeskulptur mit ihrem annähernd L-förmigen Grundriss kann unterschiedliche Assoziationen wecken: Manche werden darin vielleicht ein in einem Reisfeld gelandetes Mutterschiff erkennen – Guangzhou wird auch „Stadt der Reisähre“ genannt –, andere wiederum eine Art künstlerisch gestaltete Blumenvase. Als „Dekor“ und als Belichtung dient ein unregelmäßiges Muster aus verglasten Öffnungen in der weiß gekachelten Außenhaut. Bei Nacht soll das „Dekor“ somit, laut Architektenlyrik, zu einer Art „leuchtenden Milchstraße“ werden.
Die gewaltige, sechs- bis achtgeschossige Stahlkonstruktion soll innerhalb des Tianhe Sports Center, einem der Hauptveranstaltungsorte der Spiele, eine Fläche von knapp 20.000 Quadratmetern überbauen. Die Nutzfläche wird mit 85.500 Quadratmetern angegeben, das weitgehend zu begrünende Grundstück ist 50.000 Quadratmeter groß. Das Raumprogramm besteht im wesentlichen aus Auststellungsflächen, zwei unterschiedlich großen Theatersälen mit Bühnenturm sowie einer Tiefgarage.
Im sonnigen Guangzhou findet das soziale Leben traditionell draußen statt, sodass Endo Shuhei die Außenräume durch das Aufständern der enormen Kubatur zu maximieren suchte. Nach den Asian Games 2010 soll das Zentrum dauerhaft für die Bürger offen sein. Dann soll es dort ein Indoor-Tischtenniszentrum und Ausstellungen zu den Asiatischen Spielen geben. Und natürlich viele kulturelle Outdoor-Veranstaltungen.
Die Provinz Guangdong gilt als wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Südchinas. Die Provinzregierung hatte im Jahr 2003 zugleich das „Große Kulturelle Programm der Provinz“ ins Leben gerufen und den Zuschlag als Austragungsort der 2010 Asian Games erhalten. Für die Spiele werden seit 2004 große Summen in die Infrastruktur investiert, darunter auch in den neuen Fernsehturm von IBA (siehe BauNetz-Meldung vom 19. März 2009). Neun der Neubauten sollen später von der Guangzhou University Town genutzt werden.
Till Wöhler, Peking
Ausser das es Schatten spendet sehe ich keinen grossen Beitrag zum Stadtraum. Es ist ein weiterer Solitaer in den chinesischen Staedten, die zunehmend nur noch aus Solitaeren bestehen und autistisch dazu. Sehe kaum Bezug zum Aussenraum und kann den Wind der da durch pfeift schon spueren. Zum Teil ist es ja nicht einmal Schuld der Architekten da in immergleichen Planraster und mit ueberbreiten Strassen im Prinzip jeder Block zur Solitude gezwungen wird. Kritisieren - zumal hier - hilft ja gar nichts - man kann es nur feststellen. Innen wird es laut Schnitt schon spannende Raeume geben, aber Aussen gefaellt es mir gar nicht. Ich enthalte mich bei politischen Vorwuerfen gegen Architekten die in China taetig sind, da ich selbst - Bauen in China nicht ausschliessen wuerde. Die politische Dimension sehe ich vielmehr in dem unhumanen Staedtebau. Strassen, die man auf 500m und mehr Laenge wegen Gatter und Breite nicht ueberqueren kann, die Unmassstaeblichkeit in den Gebaeudeabstaenden. Alles muss Gross sein - das ist das Totalitaere daran. Das mich jetzt noch diese Blubb und Blasen Ding daran langweilt ist mehr ein Nebenprodukt. PS: Selbst die Chinese zieht es am Wochenende in pittoreske Doerfer (leider meist schon mit Eintritt) um sich im schmalen Gassengewirr menschlicher zu fuehlen. Und noch eins muss man zu Gute halten - trotz des fehlenden Menschlichen hat die Bevoelkerung dort die bewundernswerte Faehigkeit selbst den unwirtlichsten Ort zu beleben - also - vielleicht lege ich da auch nur einen falschen Massstab an.
drum heist die vase vase! polemische.unkenrufer.rassismus.projekte?
Klar doch: Die Chinesen sollen sich erstmal um ihre wirtschaftlichen und sozialen Probleme kümmern....(Haben wir nach dem großen Krieg schließlich auch gemacht..) Solange sollten in einem Land mit einer Milliarde Menschen auch keine großen Sportveranstaltungen stattfinden und auch keine unsensiblen Großprojekte geplant werden....(Die Bauarbeiter sollen lieber zurück aufs Land und ihre Reisfelder bestellen.) Das wäre nämlich unschicklich. WIR möchten sowas nämlich nicht haben. WIR finden diese Gewächse merkwürdig und unmenschlich, weil WIR nämlich wissen, wie die Menschlichkeit in der Architektur auszusehen hat. WIR kennen uns auch in China so richtig aus und wissen, was in der lokalen Bevölkerung kulturell verankert ist und was nicht. Aber egal: es wird ja "eh nicht gebaut"..."am Ende..". WIR wissen das...und die Chinesen werden das noch merken. Irgendwann, wenn sie so schlau und kultiviert sind, wie wir....("Nicht alles, was man mit extremem Aufwand bauen kann, sollte man auch tun...Ausrufezeichen, Ausrufezeichen"...Mir fällt da so ein Projekt in Berlin ein...aber lassen wir das...) Dieser ganze eurozentrische und gönnerhafte (oder auch nicht) Dünkel gegenüber gerade den chinesischen Projekten ist wirklich unerträglich.