Kubatur ohne Angst
Zwillingstürme von OMA in Stockholm
Wie realisiert man ein Projekt aus Bestandteilen, die man normalerweise – so gut es geht – zu vermeiden versucht? Das müssen die Architekten von OMA derzeit bei den Planungen der Norra Tornen – zu deutsch: Nordtürme – im Nordwesten von Stockholm beweisen.
Für die kaskadenartigen Zwillingstürme übernahm das Büro die von den Auftraggebern vorgegebene Kubatur, die „weder Platte, noch Turm“ gewesen sei. Asymmetrie, ein glattes Äußeres und prismatische Formen – OMAs Lieblingsrepertoire war von Anfang an ausgeschlossen. Seine Herangehensweise beschreibt das Büro als „eine Art Freudsche Flucht nach vorn“: Auf eine leidenschaftliche Art und Weise habe man sich hier das Unvermeidbare zueigen gemacht, um die ursprünglichen eigenen Befürchtungen zu überwinden.
Die Architekten arbeiteten mit der vorgegebenen Kubatur, ergänzen deren vertikale Gliederung jedoch um eine zweite horizontale. Eine Maßnahme, die dem Gebäude ein einheitliches Äußeres beschert, eine „raue Haut“, die sich aus hervorstehenden Wohnzimmern und zurückgenommenen Außenräume zusammensetzt. Das Erkerfenster und der Balkon seien die zwei Grundelemente des Entwurfs, erklärt OMA-Partner Reinier de Graaf. Auch materiell ist die aus vorgefertigten Betonelementen geplante Fassade eher grob. Farblich sei sie als Referenz an die Innenstadt Stockholms gedacht.
Im Mai soll der Spatenstich für die rund 140 Meter hohen OMA-Türme mit den 300 Wohnungen erfolgen, von denen 195 bereits jetzt zum Kauf auf dem Markt sind. (lr)
Die Masse benötigt der Entwurf sicherlich um gegen die noch grössere Masse des Krankenhauses gegenüber anzukommen.
Mit diesem Entwurf haben es Immerhin der Investor Oscar Properties und OMA geschafft diese Symmetrie aufzuheben. Schade hier, dass ein ausländisches Büro beauftragt werden muss um es hier etwas rocken zu lassen den Gedanken mit den Kühlrippen in Skandinavien kam mir auch schon mal in den Kopf.
Aber das echte Problem dass bestehen bleibt ist immer noch der Städtebau: Tors Torn liegt genau an der Grenze zwischen Stockholm und dem Vorort Solna in dem unter anderem gerade gegenüber das riesige und plump proportierte neue Karolinska Krankenhaus gebaut wird, davor durchtrennt die Landschaft eine vier bis sechsspurige Autobahn, die demnächst zum Glück überdeckelt wird.
In Stockholm besteht das anerkannte Problem der Wohnungsnot was, wie ich finde, das Bauen in die Höhe absolut legitimiert. Was hier jedoch unverständlich bleibt ist, warum gerade hier ein städtebauliches Tor in diesem Maßstab gebaut werden muss dass sich zudem der städtebaulichen Symbolsprache aus Ostblockstaaten bedient, die im demokratischen Westeuropa falsch am Platz ist.
Stockholm, der wirtschaftliche Motor Schwedens und Solna ein sehr wichtiger Wissenschaftsstandort im Aufbruch, sollen doch hier zusammenwachsen dürfen und nicht durch ein Tor getrennt werden.
Auch wenn jetzt die neue Stadtarchitektin nicht die Frau von Ostblockstädtebau ist, wird es ihr kaum gelingen, den Investor zu überzeugen die Hälfte aller m2 wieder zurückzugeben.
Eine andere Frage die man sich stellt ist was das dargestellte Fasadenmaterial in den Renderings sein soll. Ist es geriffelter Beton oder gar Naturstein? Die Gefahr ist gross, dass es Aufgrund von der zu hohen Kosten in Schweden nicht einmal so gut wird, wie dargestellt.
ich finde neue ideen immer klasse, ob kiste oder blob, wenn sie gut durchdacht und stimmig sind. hier ist ein modul bis zum erbrechen kopiert, verschoben, gestapelt worden. leider ist die sicht auf den maßstab dabei abhanden gekommen. der maßstab ist der mensch.
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